Bitburg: Nachts schießen sie in der Stadt

Bitburg · Beim ersten Mal glaubte er an einen üblen Jungenstreich, dann kam die Skepsis, nun reicht es Hubert Franzen. Zum dritten Mal wurde nachts auf die Fenster seines Immobilienbüros in Bitburg geschossen. Die Polizei ermittelt in insgesamt sieben solcher Fälle. Das Immobilienbüro ist das einzige Gebäude, das mehrfach attackiert wurde.

Immobilienmakler Hubert Franzen zeigt auf die Einschussstelle am Fenster seines Büros. Es ist das dritte Mal, dass sein Büro zur Zielscheibe wurde.

Foto: Dagmar Schommer

Die Scheibe ist geplatzt. Wie Spinnweben ziehen sich die Linien von der Einschussstelle über das Fensterglas. Die Kugel hat noch in dem Loch gesteckt. Es ist die dritte Kugel, die Immobilienmakler Hubert Franzen morgens in einem der Fenster von seinem Büro am Beda-Platz findet. Sie ist nur durch die erste Scheibe der mehrfachverglasten Fenster gedrungen. Das macht die Sache aber nicht besser. Es ist das dritte Mal, dass nachts auf sein Büro geschossen wurde. "Das ist schon krass", sagt Franzen, der zunächst an einen üblen Jungenstreich glaubte, als sein Büro vergangene Woche erstmals attackiert worden war.

Es war eine kleine, silberne Metallkugel, die morgens in der zerschossenen Scheibe steckte, garniert mit ein paar Farbspritzern in orange und gelb. In der Folgenacht blieben in dem Büro sicherheitshalber die Rolladen unten. Ergebnis: Am nächsten Tag steckte abermals eine Kugel in exakt dem gleichen Fenster - durch den Rolladen durchgeschossen. Diesmal war es eine Kunststoffkugel. Dann war ein paar Tage Ruhe.

Und wieder ein Einschussloch

Doch gleich zum Wochenstart stand der Immobilienmakler abermals fassungslos morgens vor einem Einschussloch. Angst hat er nicht. Aber er fragt sich inzwischen schon, ob es jemand auf ihn, beziehungsweise sein Büro, das auch mit der Hausverwaltung etlicher Wohnungen in Bitburg betraut ist, abgesehen hat. "Vielleicht der frustrierte Empfänger einer Nebenkostenabrechnung", scherzt Franzen. Aber eigentlich ist er nicht mehr zu Scherzen aufgelegt: "Das kann so nicht weitergehen." Er prüft, ob er einen Sicherheitsdienst mit der Überwachung seines Büros beauftragt.

So oft wie das Immobilienbüro ist keine weitere Adresse in Bitburg von den nächtlichen Schussattacken betroffen. Aber das Büro ist nicht das einzige Gebäude, das zur Zielscheibe wurde. "Wir ermitteln inzwischen in insgesamt sieben solcher Fälle", sagt Otmar Kaufmann von der Polizei Bitburg.

In einem Zeitraum von etwa drei Wochen zählt die Polizei außer den drei Schüssen auf das Immobilienbüro vier weitere Gebäude, bei denen auf die Fenster geschossen wurde. Betroffen ist ein Wohnhaus im Borenweg, zwei Gebäude in der Trierer Straße und ein weiteres in der Echternacher Straße.

Kaufmann sagt deshalb: "Für uns sieht es im Moment nicht so aus, dass die Täter gezielt das Immobilienbüro im Visier haben." Die Ermittlungen laufen in verschiedene Richtungen. "Wir haben bereits einige Hinweise von Zeugen", sagt Kaufmann und erklärt, dass es nach derzeitigem Ermittlungsstand möglich sei, dass es sich um verschiedene Täter handeln könnte.

Womöglich eine Paintballwaffe

Was die Waffe angeht, vermutet die Polizei, dass es sich um eine Paintballpistole oder ein Paintballgewehr (siehe Extra) oder aber eine Schleuder, eine sogenannte Zwille, handeln könnte. "Ein Luftgewehr hat nicht genug Kraft für solche Einschläge durch den Rolladen wie bei dem Immobilienbüro", sagt Kaufmann.

Verletzt wurde bisher niemand. Aber ungefährlich ist das Ganze nicht. Was, wenn eine der Kugeln auf eine Scheibe trifft, die nicht doppelt und dreifach verglast ist? So soll nach Volksfreund-Informationen einer der Schüsse auf ein Kinderzimmer gerichtet gewesen sein. Ein Zimmer, in dem zu diesem Zeitpunkt auch ein Kind geschlafen haben soll. Die Polizei verstärkt ihre Streifen in der Innenstadt.
Extra: Paintball

Das Mannschaftsspiel Paintball ist in den 80er Jahren in Amerika entstanden und wurde anfangs mit Luftdruckpistolen zur Viehmarkierung gespielt. Auf eigens etwa mit aufblasbaren Hindernissen und Deckungen hergerichtetem Spielfeld werden beim Paintball Farbkugeln mit Druckluftwaffen, den sogenannten Markierern, auf Spieler der gegnerischen Mannschaft geschossen. Paintballwaffen dürfen ab dem 18. Lebensjahr wie Luftgewehre oder Schreckschusswaffen frei erworben werden. scho