Bitburg will mitverdienen

Dass sich mit Windkraft Geld verdienen lässt, steht außer Frage. Nun prüft auch die Stadt Bitburg, ob sie sich am Bau neuer Anlagen beteiligen kann. Doch bevor auf der Gemarkung der Stadt Bitburg überhaupt neue Windräder errichtet werden können, ist zunächst die derzeit laufende Änderung des Flächennutzungsplans abzuwarten.

Bitburg. Blickt man auf die Historie der drei Windräder, die bislang auf der Gemarkung der Stadt Bitburg stehen, so hat die Stadt seinerzeit vielleicht richtg entschieden, sich nicht an deren Errichtung zu beteiligen: Schließlich sind die Pachteinnahmen der einzigen Windmühle auf Grundbesitz der Stadt eher mager. Sie richten sich nach dem Ertrag des Windrads - und das stand mehrere Jahre lang still. Der Grund: Dem ursprünglichen Betreiber, der die drei Anlagen zur Jahrtausendwende errichten ließ, war das Geld ausgegangen, was dazu führte, dass keine Wartungsarbeiten mehr angegangen wurden und die Mühlen ungefähr ab 2005 nach und nach ihren Betrieb einstellten. Vor fünf Jahren übernahm dann ein anderes Unternehmen die Anlagen und setzte die Rotoren wieder in Bewegung.
Nun sind solche Fälle aber nicht die Regel, weshalb auch Bitburg im Zuge der derzeit laufenden Ausweisung neuer Windkraftstandorte die Möglichkeit einer Beteiligung an Energieprojekten prüft. "Die unverändert hohe Investitionsbereitschaft privater und zuletzt auch kommunaler Akteure im Bereich Planung, Umsetzung und Betrieb von Windkraftanlagen lassen durchaus erwarten, dass ein wirtschaftlicher Betrieb grundsätzlich auch für die Stadt beziehungsweise Stadtwerke möglich sein könnte", erklärt die Stadtverwaltung auf Anfrage der Stadtratsfraktion der Freien Bürgerliste (FBL).
Vier mögliche Bereiche


Einem Gutachtens des Trierer Planungsbüros BGH Plan zufolge kommen als neue Windkraftflächen grundsätzlich nur vier Bereiche in Frage: Zwei liegen bei Pützhöhe, einer nördlich von Matzen und der letzte schließlich ganz oben im Nordwesten, zwischen Erdorf und der A 60. Der Bereich bei Matzen hat allerdings den Nachteil, dass von den dort liegenden Grundstücken keines im Eigentum der Stadt ist. Anders ist das bei Erdorf. Dort ist aber noch zu klären, welcher Mindestabstand zur nächsten Siedlung im Flächennutzungsplan festgelegt wird. Bei einem Abstand von 750 Metern läge der Anteil städtischer Flächen bei zehn Hektar, bei 1 000 Metern Mindestabstand wären es hingegen nur noch 1,6 Hektar.
Bei Pützhöhe hingegen spielt der Mindestabstand keine Rolle. Dort wäre laut Gutachten zwar nur Platz für zwei weitere Räder, dafür aber sind von den insgesamt 22 Hektar geeigneter Fläche rund neun Hektar im Eigentum der Stadt. Weitere neun Hektar sind im Besitz der Stiftung Bürgerhospital, die von der Stadt verwaltet wird.
Die insgesamt 18 Hektar beinhalten allerdings wiederum fast sechs Hektar einen Bereich, der aufgrund der Nähe zu einem der drei bereits vorhandenen Anlagen auf Pützhöhe nicht bebaut werden darf. Hinzu kommt das Drehfunkfeuer bei Nattenheim, das ebenfalls für starke Einschränkungen sorgt (siehe Extra).
Auch die Zeit wird knapp


Nicht zuletzt gibt es auf Pützhöhe auch jenseits der städtischen Gemarkungsgrenze Bemühungen zur Errichtung neuer Windkraftanlagen. Besonders aktiv ist die AgRo & WEA Projekt GmbH & Co. KG, die sich bereits einen Großteil der privaten Flächen auf der an Bitburg grenzenden Gemarkung Rittersdorf gesichert hat. Sollten dort also schon Windkraftanlagen errichtet werden, bevor Bitburg überhaupt loslegt, was nach dem derzeitigen Planungsstand in Bitburg-Land durchaus realistisch wäre, so müssten auch in Richtung Rittersdorf Abstandsgrenzen berücksichtigt werden. Die Chancen der Stadt, mit Windkraftanlagen auf eigenen Flächen das ganz große Geld zu machen, sind also überschaubar.Extra

Die drei Windräder bei Pützhöhe liegen entlang einer gemeinsamen Achse. Verlängert man diese nördlich, stößt man auf das Drehfunkfeuer bei Nattenheim. Diese Anlage sendet Funksignale zur Navigation von Flugzeugen und ist der Grund für die schnurrgerade Anordnung der drei Windkraftanlagen: Durch sie wird der Funkverkehr am wenigsten beeinträchtigt. Mindestabstand: An den möglichen Standorte in der Gemarkung Bitburg wären bei einem Siedlungsabstand von mindestens 750 Metern elf Anlagen möglich, bei einer Abstandsgrenze von 1000 Metern nur noch neun. Bei Erdorf wären entsprechend vier oder drei Anlagen möglich und nördlich von Matzen wären es fünf oder vier. Nur im Bereich Pützhöhe ändert sich nichts: Dort wären zwei Anlagen möglich, egal ob der Abstand 750 oder 1000 Meter sein soll. Im benachbarten Bitburg-Land hat sich der Rat bereits auf einen 1000-Meter-Abstand festgelegt. uhe