1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Bitburger Bauausschuss tagt erstmals digital

Corona-Alltag : Digital durch die Baustelle - Wenn der Bitburger Bauausschuss erstmals per Videokonferenz tagt

Der Bitburger Bauausschuss hat sich mit Kostenüberschreitungen beim Kita-Bau und einem geplanten Wohnbauprojekt in der Thilmanystraße beschäftigt. Getagt wurde dabei erstmals per Videokonferenz

Die ersten Minuten vor dem Bildschirm erinnern ein wenig an die Funkverbindungsprobleme der Apollo-13-Mission. Bürgermeister Joachim Kandels schaut in die Kamera. „Herr Riewer, können Sie mich hören? Herr Riewer“, fragt er. Zunächst keine Antwort. Dann erscheint Bauausschussmitglied Alexander Jutz auf dem Bildschirm, steckt sich die Stöpsel in die Ohren und ist bereit.

Das Bild verschwindet wieder. Für einen kurzen Moment ist alles schwarz, bevor dann der Bürgermeister wieder zu sehen ist. „Herr Böttel, können Sie mich hören?“, fragt der Verwaltungschef. Es dauert zwei, drei Sekunden,  dann die Antwort. „Ich kann sie hören“, sagt Manfred Böttel. „Gut, dann sind wir vollzählig“, stellt der Bürgermeister fest. Die Sitzung des Bauausschusses kann starten. Es ist die erste im neuen Jahr. Und die erste per Videokonferenz. Hier und da verschwindet mal der Ton oder es kommt zu Rückkopplungen. Alles in allem ist der durch Corona aufgezwungene Ausflug ins Digitale noch recht rustikal. Aber es funktioniert.

Für einen ersten Versuch ist die Tagesordnung auch recht überschaubar. Nur zwei Tagesordnungspunkte im öffentlichen Teil. Den Anfang macht der Umbau des Kasernenblocks 2001 zur neuen Kita. Es geht erneut um Auftragsüberschreitungen. Diesmal betrifft es Arbeiten an der Natursteinfassade und an der Dämmung der Kellergeschossdecke. Die Fugen der Fassade sind stellenweise in einem schlechten Zustand und das ursprünglich geplante Verkleben der Dämmung an der Kellerdecke gestaltet sich als schwierig, weil der Untergrund nicht tragend ist. Dübeln wäre eine Alternative, laut Verwaltung aber teurer und vor allem zeitaufwendiger. Also soll die Dämmung nun aufgespritzt werden.  Zusammen ergeben sich so für Fassade und Dämmung Mehrkosten von gut 65000 Euro. Immerhin: Laut Verwaltung liegen die derzeit absehbaren Ausgaben trotz der erneuten Mehrkosten noch immer gut 260000 Euro unter dem Haushaltsansatz. Es bleibt also noch ein etwas Luft nach oben.

Letzteres ist in der Thilmanystraße unter Umständen nicht der Fall. Dort nämlich könnte es recht eng werden - nicht was die Kosten betrifft, sondern mit Blick auf die Parkplätze. Ein Bauherr plant dort die Errichtung eines Mehrparteienhauses mit insgesamt sechs Wohnungen und würde damit das ihm zur Verfügung stehende Baufenster weit über die Vorgaben hinaus ausreizen. Und zwar soweit, dass davon auch die erforderlichen Stellplätze betroffen wären.  Diese wären zwar vor der Grundfläche her groß genug, das aber auch nur, weil der Plan vorsieht, dass das erste Obergeschoss anderthalb Meter über die Stellplatzreihe hinausragen soll. Und so wie es in einer der Planskizzen aussieht, würde die Höhe in diesem Bereich dann höchstens 1,60 bis 1,70 Meter betragen.

Im Ausschuss stößt das auf Kritik. So befürchten einige Mitglieder, dass das bei höheren Fahrzeugen dazu führen könnte, dass diese aufgrund der zu geringen Höhe dann den Stellplatz nicht ganz nutzen und somit den Bürgersteig blockieren. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage aufgeworfen, ob diese Form der niedrigen Überbauung überhaupt zulässig sei, was sich in der Sitzung aber nicht beantworten lässt. Des Weiteren wird auch bemängelt, dass der Beschlussvorlage kein grafisch dargestellter Höhenschnitt beigefügt wurde, um zu sehen, wie sich das insgesamt gut 14 Meter hohe Gebäude mit seinen zwei Vollgeschossen, einem Staffelgeschoss und dem Walmdach in die bauliche Umgebung einfügt.

Alles in allem ist das Bauvorhaben mit den Vorgaben des Bebauungsplans nicht vereinbar, sowohl was die Bauchfluchtlinie (Abstand zur Straße) und die Bautiefe als auch die Dachform betrifft. Laut des aus den 1950er Jahren stammenden Bebauungsplans muss die Dachneigung in etwa 40 Grad betragen. Vorgesehen sind aber nur 25 Grad Dachneigung. Und statt eines Walmdachs sieht der Bebauungsplan lediglich ein Satteldach vor.

 Die Sitzung des Bauausschusses per Videokonferenz wird in den kleinen Sitzungssaal des Rathauses übertragen, sodass die Öffentlichkeit auch daran teilnehmen kann.
Die Sitzung des Bauausschusses per Videokonferenz wird in den kleinen Sitzungssaal des Rathauses übertragen, sodass die Öffentlichkeit auch daran teilnehmen kann. Foto: Uwe Hentschel

Aus Sicht von Bauamtsleiter Berthold Steffes spricht nichts dagegen, das Bauvorhaben von den entsprechenden Vorgaben zu befreien. Zumal in der gleichen Straße bereits deutlich größere Bauvorhaben genehmigt und errichtet worden seien, wie er erklärt. Im Bauausschuss jedoch tut man sich angesichts offener Fragen schwer mit einer Zustimmung. Und so wird beschlossen, die Vorlage um die geforderten Informationen zu ergänzen, um sie dann dem Stadtrat in seiner kommenden Sitzung vorzulegen. Diese findet am Donnerstag statt und wird ebenfalls per Videokonferenz veranstaltet.