Bitburger Direktor kritisiert Schule in Speicher

Bildung : Eine Schule zu viel?

Der Schulleiter des Bitburger Sankt Willibrord-Gymnasiums hat in einem Elternbrief, Kritik an dem geplanten Privatcampus in Speicher geübt. Er befürchte, so schreibt er, „eine Zersplitterung der Bildungslandschaft.“

Das Speicherer Schulzentrum ist derzeit eine Baustelle. Von Weitem hört man die Hämmer hämmern, die Maschinen röhren. Die Arbeiten an der neuen Riesen-Kindertagesstätte sind kaum zu übersehen. Aber auch nebenan wird im Verborgenen gewerkelt. Im Inneren der ehemaligen Realschule ist einiges los. Kabel und Bodenplatten werden verlegt, Wände gestrichen alte Schulbänke auseinander geschraubt und entsorgt. Kurzum: „Die Renovierungsarbeiten sind in vollem Gang“, wie Unternehmer Alwin Ersfeld es ausdrückt. Er ist der Vorsitzende einer Speicherer Genossenschaft, die in der Stadt ein privates Gymnasium realisieren will (der TV berichtete). Im August soll es soweit sein. Darüber freut sich nicht jeder.

„Ein Abstieg in die Mittelmäßigkeit“ drohe den öffentlichen Schulen in Bitburg und Umgebung. Zumindest dann, wenn sich neue private Gymnasien in der Region etablieren. Es sind deutliche Worte, die Andreas Merzhäuser, der Schulleiter des Bitburger Sankt Willibrord Gymnasiums, in seinem Elternbrief findet. Und sie zielen Richtung Speicher.

Von außen ist nichts zu sehen, aber Innen sind die Renovierungsarbeiten in vollem Gang. Foto: TV/Christian Altmayer

Kein Wunder also, dass das Schreiben des Direktors bei den Initiatoren des Projekts nicht auf Gegenliebe gestoßen ist. Dabei sei es ihm gar nicht darum gegangen, die Schule in Zweifel  zu ziehen: „Ich wollte unseren Eltern nur verdeutlichen, wofür wir stehen welche Vorteile ein große Bildungseinrichtung bieten kann.“

Und Sankt Willibrord ist mit seinen 879 Schülern das größte staatliche Gymnasium im Eifelkreis. Damit ist laut Merzhäuser die Verantwortung verbunden, ein starkes öffentliches Angebot vorzuhalten. Das könne seine Schule derzeit leisten: „Wir haben gute Lehrer, machen guten Unterricht“, sagt der Mann, der das Gymnasium seit vier Jahren leitet: „Und wir platzen auch nicht aus allen Nähten, wie es gerne behauptet wird.“

So sei seine Schule Mitglied im bundesweiten Excellence-Netzwerk des MINT EC. Das heißt: Schüler haben die Möglichkeit, sich auf die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (denn dafür steht MINT) zu spezialisieren – sowohl in den ersten Schuljahren als auch in den Leistungskursen der Oberstufe. Es gebe außerdem ein Schulorchester, englischsprachigen Unterricht, jede Menge Nachmittags-AGS, und, und, und ...

Das alles seien Dinge, die in dieser Differenziertheit nur eine große Schule leisten könne – und das kostenlos und zentral in Bitburg. Und daher müsse es ein staatliches Gymnasium wie Sankt Willibrord geben.

Aber sollten sich weitere Privatschulen in der Region etablieren, wie etwa in Speicher, dann sorge er sich nicht nur um das Profil seiner Einrichtung, sondern um die Breite und die Qualität des Bildungsangebotes im gesamten Eifelkreis. Schließlich gebe es bereits kirchliche Privatschulen in Biesdorf und Bitburg.

Die Verteilung der Mädchen und Jungs auf noch mehr kleine Schulen führe zu einer „Zersplitterung der Bildungslandschaft“. Seine Befürchtung, wenn es so weitergeht: „Am Ende haben alle Schulen zu wenige Schüler und können nur die gleichen fünf Leistungskurse anbieten.“

Das sagt die Kreisverwaltung: Das Gegenteil davon scheint man bei der Kreisverwaltung zu denken. Auf Anfrage teilt ein Sprecher mit: „Grundsätzlich sind weitere Bildungseinrichtungen immer ein Gewinn, da sie den Fächer der Möglichkeiten und damit auch Chancen für unsere Kinder verbreitern.“ Die Pläne in Speicher bewertet man daher insgesamt positiv für die Schullandschaft in der Region im Allgemeinen und die Situation in der Verbandsgemeinde im Speziellen.

 Trotzdem räumt auch Landrat Joachim Streit ein, dass Privatschulen immer Konkurrenz schaffen. Probleme sehe er aber erst, wenn staatliche hinter privaten Einrichtungen zurückfallen. Denn öffentliche Schulen sollten, so Streit, „die Spitze der Modernisierungsbewegung“ bleiben. Daher seien auch Millionen in das Bitburger Gymnasium und andere Schulen im Kreis investiert worden (der TV berichtete mehrfach).

Das sagt die Genossenschaft „Privatgymnasium Speicher“: Die Speicherer Genossen können für ihre Schule nicht auf öffentliche Mittel hoffen. Trotzdem glaubt ihr Vorsitzender Alwin Ersfeld, dass sie durchaus etwas zu bieten haben, was es in den großen öffentlichen Einrichtungen nicht gebe. Und zwar eine individuelle Förderung der Schüler: „Viele Eltern, mit denen wir in den letzten Monaten gesprochen haben, wünschen sich kleinere, persönlichere Schulen.“ Dort könnten Lehrer viel eher auf die Kinder eingehen, den Stundenplan anpassen, damit alle mitkommen. Dass der Leiter des Bitburger Gymnasiums im Elternbrief dieses Modell öffentlich kritisiert, nimmt er offenbar sportlich: „Im Kern sehe Ich darin ein Lob für unsere Arbeit, denn ansonsten würde er sich nicht so viele Gedanken um uns machen.“ Letztlich sei das Schreiben eher eine indirekte Werbung für den Campus der Genossen. Außerdem gehe es mit dem Gymnasium gut voran. Es sehe gut aus, dass man den Termin bis zum offiziellen Schulbeginn im August einhalten könne. Ersfeld: „Da lässt uns ein Brandbrief aus Bitburg doch kalt.“

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