Bitburger feiern Weihnachtsmarkt mit Bier und Kirmes

Feste : Von wegen stille Nacht

Andernorts klingen die Glocken süß, die Bitburger feiern ihren Weihnachtsmarkt mit einer Pur-Coverband – eine Suche nach Besinnlichkeit.

Josef schaut liebevoll hinab zum Christkind. Ein Hirte hält ein blökendes Lamm im Arm. Hach, wie weihnachtlich. „Hallelujah“, haucht der Sänger auf der Bühne ins Mikrofon. Die drei Weisen aus dem Morgenland stehen um die Krippe am Spittel. Melchior bringt dem neugeborenen Heiland eine Truhe voll Gold. Kaspar hält ihm einen Pokal voll Myhrre hin. Und da wabert ja auch Balthasars Weihrauch auf die Krippe zu. Aber warum riecht der Qualm nach Bratwurst?

Die Schwaden ziehen von der Bude nebenan herüber. Dort dreht sich Fleisch auf dem Schwenkgrill. Vor dem Imbiss hat sich eine Schlange gebildet. Und auch sonst bleibt nicht viel Platz auf dem Platz. Geschätzt 3000 Besucher sind zur Eröffnung des Bitburger Weihnachtsmarktes am Mittwochabend gekommen. Ein guter Schnitt, findet Organisator Edgar Bujara: „Es sind auf keinen Fall weniger Gäste als im vergangenen Jahr.“ Und der Spittel habe sich schneller gefüllt als 2016. Der Vorsitzende des Gewerbevereins glaubt: Dieser Andrang hänge vor allem mit dem Programm der Veranstaltung zusammen, die mehr einer Kirmes als einem traditionellen Markt gleicht. „Wir gehen eben den Weg der Unterhaltung.“ Und das sei auch der einzige Weg, der für Bitburg möglich sei. Schließlich habe die Bierstadt keine historische Kulisse wie Dudeldorf oder Trier zu bieten. Aber wo bleibt bei all dem Rummel die Besinnlichkeit? Dieses Wort fällt den meisten ein, wenn sie an Weihnachten denken. Online gibt es für den Begriff verschiedenste Definitionen. Alle haben etwas mit Ruhe, mit Nachdenken und Innehalten zu tun. Also Hand aufs Herz: Beim Budenbummel in Dudeldorf könnte es schon besinnlich zugehen. Aber auch bei einem Kirmesmarkt, wie ihn die Bitburger feiern? Aber sicher doch. Was könnte einen in festliche Stimmung versetzen, wenn nicht ein Mädchen, das Weihnachtslieder singt? Christkind Jule Nickels will es 2017 wieder wissen. Sie wird den Besuchern erneut ein Ständchen halten, „um allen eine Freude zu machen“, wie die 12-Jährige sagt, als Bürgermeister Kandels ihr das Mikrofon in die Hand drückt.

Und das klappt. Wer keine dampfende Glühweintasse in den Fäustlingen hält, klatscht und schunkelt mit. Ein kleines Mädchen mit blinkender Nikolausmütze tanzt vor der Bühne. „Es riecht nach Zimt und Honig“, singt Jule. Dabei riechts immer noch nach Bratwurst. Den Bitburgern gefällts. Die trinken ja auch Bier auf dem Weihnachtsmarkt. Apropos Bier: Der Wirt auf der „Benediktiner Alm“ zapft wie ein Weltmeister. Im Sekundentakt wechselt er die Gläser. Er hat daher auch keine Zeit für Fragen zur Besinnlichkeit.

Besinnlich ist es in der Hütte irgendwie auch - auf eine lauschige Art. Es ist gemütlich warm, das Licht ist gedimmt. Der Geruch von Holz liegt in der Luft, von Urlaub auf der Skihütte. Seit drei Jahren steht die Alm auf dem Bitburger Weihnachtsmarkt. Laut Bujara ist sie „eines der Highlights“ der Veranstaltung: „Du musst 300, 400 Kilometer fahren, um so etwas zu sehen.“ Und tatsächlich: Von den Bitburgern wird sie gut angenommen. An den Tischen sitzen die Gäste in Grüppchen, unterhalten sich. Junge Frauen mit Dirndl servieren Bier. Irgendwie hat das doch eher was von Oktoberfest, oder? Chef Marco Raskopp vom Bitburger Bierhaus nennt es lieber „ein alpenländisches, weihnachtliches Flair“. Auch gut. Immerhin hängen an den Balken ein paar Rentiere und Tannenzweige.

Draußen hat die Pur-Coverband „Abenteuerland“ losgelegt. Die Braunschweiger klingen, naja, wie Pur eben. Fans werden es mögen. Es sind offenbar einige zur Eröffnung gekommen. Bei Liedern wie „Herzbeben“ und „Lena“ wird jedenfalls ordentlich mitgesungen - da summt der ältere Mann, da johlt die junge Frau. Mit der Ruhe ist es spätestens jetzt vorbei. „Aber auch dafür gibt es Zeiten in unserem Programm“, sagt Bujara. Nur sind die eben nicht jetzt. Band und Publikum sind längst im Abenteuerland. Der Eintritt kostet vielleicht nicht den Verstand, wie es im Pur-Song Abenteuerland heißt, aber auf jeden Fall die Besinnlichkeit. Wer die sucht, muss sich mit seinem Glühwein schon einige hundert Meter vom Fest entfernen. Dort taucht die weihnachtliche Beleuchtung den Petersplatz in ein fast schon magisches Licht. Aber Achtung: Hier zu sitzen, während die halbe Stadt auf dem Spittel feiert, kann einsam und deprimierend werden. Ok, das reicht. Denn, wie hat das Bitburger Christkind Jule es vorhin so schön ausgedrückt: „Weihnachten ist ein Fest der Freude.“ Also schluss mit Besinnlichkeit. Zurück zur Feier. Wer darauf keine Lust hat, soll doch nach Trier gehen.