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Bitburger Fußgängerzone: Lichtdesigner stellen Ideen für Beleuchtungskonzept vor

Bitburger Fußgängerzone: Lichtdesigner stellen Ideen für Beleuchtungskonzept vor

Für ein neues Beleuchtungskonzept der Innenstadt sucht die Stadt Bitburg helle Köpfe. Zwei Lichtdesigner, die bereits einige Großprojekte ins rechte Licht gerückt haben, stellten dem Bauausschuss dazu ihre Ideen vor.

Bitburg. Straßenlaternen brennen nicht nur, damit man nicht stolpert. Das haben zwei Lichtdesigner dem Bauausschuss der Stadt Bitburg einleuchtend vor Augen geführt. Licht kann Wege weisen, Menschen zu bestimmten Plätzen locken, einladende Atmosphären schaffen und darüber hinaus historische Bauten wie die Römermauer oder auch Brunnen und Bäume in Szene setzen. Zwei Lichtdesigner - diesen Beruf gibt es wirklich - aus Saarbrücken sowie ein Lichtgestalter aus Köln buhlen um den Masterplan Licht, den die Stadt Bitburg zur Neugestaltung der Fußgängerzone, die im April startet, ausgeschrieben hat. Straßenlaternen, Lichtstelen, Effektlichter an Bäumen, Gebäuden oder Brunnen: Der Plan soll jede einzelne Lichtquelle im Ausbaugebiet der Fußgängerzone erfassen und Ordnung in das Lichtermeer bringen.Entscheidung im April


Erste Ideen durften die beiden Planungsbüros in der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses vorstellen. Doch welches Büro den Zuschlag bekommt, entscheidet der Ausschuss erst in seiner Sitzung, am Mittwoch, 13. April, 17 Uhr. Allzu viel Freiheit in der Erhellung der Fußgängerzone haben die Lichtkünstler nicht mehr. Denn etwa 80 Prozent der Beleuchtung, so sagt Stadtplaner Ralf Mayeres, werden durch die Straßenlaternen der RWE-Tochterfirma Westnetz festgelegt. Mayeres: "Diese Basisbeleuchtung ist unverzichtbar, weil sie die Verkehrssicherheit gewährleisten muss." Doch mit den restlichen 20 Prozent "kann man selbst mit wenig Geld, einen maximalen Effekt rausholen", erklärte Andreas Thiel vom Saarbrücker Büro für Lichtgestaltung. "Hier in Bitburg muss das mit noch weniger Geld gehen", scherzte Ausschussmitglied Jürgen Weiler (CDU). Aufgabe des Büros müsse sein, so fordern es mehrere Ausschussmitglieder, sich mit der RWE-Tochterfirma abzustimmen und so ein gemeinsames Beleuchtungskonzept zu erstellen. Das macht Sinn: So kann mal eine Straßenlaterne gedimmt werden, um die Effektbeleuchtung eines Gebäudes in den Vordergrund zu stellen. Die Büros stellten unterschiedliche Konzepte vor:

Lichtgestaltung Fischer: "In dem Projekt geht es um die Highlights", erklärt Lichtgestalter Peter Paul Fischer, der aus Köln anreiste, um den Kern seines Beleuchtungskonzepts vorzustellen. Zur Orientierung und Führung der Fußgänger müsse man in der Dunkelheit mithilfe des Lichts eine Gewichtung zwischen den Haupt- und Seitenachsen der Fußgängerzone herstellen, sagte Fischer. Highlights wie der Ziegenbrunnen seien zu akzentuieren, Zwischenbereiche etwas dunkler zu halten. Fischer: "So gliedert man mit Licht."
Ein besonderes "Schmankerl" seines Konzepts sei die Illuminierung der Unterkanten der geplanten Pflanzkübel, die im Ensemble mit Stufen und Sitzbänken in der Fußgängerzone stehen sollen (siehe Grafik). Diese "Lichtaura" sei auch verkehrstechnisch sinnvoll, da sie den Anliefer- sowie den Radverkehr in der Dunkelheit auf die Stufen hinweise.

Projekt Licht: Das Planungsbüro "Projekt Licht" konnte - im Gegensatz zum Konkurrenten Fischer - noch keine konkreten Vorschläge präsentieren. Doch die beiden Lichtdesigner aus Saarbrücken versuchten, den Ausschuss mit einer Bilderstrecke ihrer bereits verwirklichten Projekte zu überzeugen - darunter hochkarätige Referenzen wie der Masterplan Licht für die Städte Saarbrücken und Merzig, oder die Illumination des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.
Designer Peter Schütz: "Ein Masterplan Licht ist eine Vision für ein Baufeld, um einen Leitfaden zu haben, an dem man sich entlanghangelt, um zu einem Gesamtbild zu kommen." Bitburg habe einen schönen Bestand alter Häuser, Fassaden, die man mit Leuchten inszenieren könne. Sein Kollege Andreas Thiel erklärt: "Uns ist wichtig, dass die Leuchten die Wege markieren." Bei der Akzentuierung gelte das Prinzip: "Licht lockt Leute. Wenn ein Ort ansprechend beleuchtet ist, habe ich Lust mich dorthin zu bewegen." Auch die Kombination aus weißem LED-Licht und dem gelbfarbenen Licht der Natriumdampflampen, die bereits einige Stellen der Stadt erhellen, sei möglich, sagte Thiel.

Problemzonen: Doch was sollen die Lichtkünstler für die Bereiche Ziegenbrunnen und "Westflanke", rund um die Stadthalle, den Parkplatz Grüner See und am Marktplatz planen? Da weiß der Bauausschuss selbst ja noch gar nicht, wie die Flächen eines Tages aussehen sollen. Denn dazu sollen 2017 noch eigens Ideenwettbewerbe gestartet werden - lange nachdem die Lichtdesigner ihren Masterplan abgeben müssen. "Die müssen später nachgestaltet werden. Dafür fallen aber extra Beratungsgebühren an", macht Planer Thiel klar. Das Prinzip, wie die Lampentypen auszusehen hätten, wie man eine Mauer, einen Baum oder ein Gebäude beleuchte, werde allerdings im Masterplan bereits festgezurrt. Mit der Neugestaltung des Spittels wurde bereits die Form der Straßenlaternen vom Typ "Bega" besiegelt, die immerhin 80 Prozent der Fußgängerbeleuchtung ausmachen sollen. Auch die Lampenstelen, die vor der Stadthalle leuchten, sind im Masterplan Licht gesetzt.

Kosten: Über Geld spricht man nicht, weiß der Volksmund. Nicht so beim TV, der die Stadt gefragt hat, was der Masterplan Licht und ganze 100 Prozent Beleuchtung kosten sollen. Mayeres: "Dazu können wir derzeit noch keine Summen nennen." Allein für die 18 Straßenlaternen des nächsten Bauabschnitts zwischen Spittel und Modehaus Messerich mit Teilen der Hauptstraße, Josef-Niederprüm-Straße und der Schliezgasse sind 54 000 Euro einkalkuliert.Meinung

Christian MoerisZeitplan stimmt nicht
Warum geben die Schöpfer der neuen Bitburger Fußgängerzone erst so spät einen Masterplan Licht in Auftrag? Obwohl, so sagt es die Stadt, bereits 80 Prozent der Beleuchtungstechnik durch die Straßenlaternen am Spittel und die Leuchtenstelen vor der Stadthalle vorgegeben sein sollen. Es hätte sicher mehr Sinn gemacht, man hätte die Lichtdesigner schon 2013 engagiert, bevor man den Spittel neugestaltete. Dem Gesamtergebnis wäre es zuträglicher gewesen, die Designer hätten in ihrem Entwurf auch die Basisbeleuchtung planen können, die ja nun wegen den bereits verbauten Exemplare anscheinend schon besiegelt ist. Man darf gespannt sein, ob demjenigen Planungsbüro, das den Zuschlag erhält, unter diesen Umständen überhaupt noch ein harmonisches Konzept gelingt. Denn von einem großen Gestaltungsfreiraum kann da keine Rede mehr sein. c.moeris@volksfreund.de