Bitburger haben 1000 Ideen und Kritikpunkte
Bitburg · Die Neugestaltung der Fußgängerzone bewegt die Bitburger - so auch am Dienstagabend 150 Menschen zur Bürgerversammlung in die Stadthalle. Effektlicht, Bäume oder Blumenkübel, Parkplätze und Stufen im Pflaster: Einige Projektdetails erhitzen die Gemüter.
Bitburg. Das 6,6-Millionen-Euro-Projekt, die Neugestaltung der Bitburger Innenstadt (der TV berichtete), soll im April 2016 starten. Dienstagabend hatte die Stadt zur Bürgerversammlung eingeladen. Etwa 150 Gäste nutzten die Möglichkeiten, um gegenüber Bürgermeister Joachim Kandels und den Planern der Stadtverwaltung ihre Anregungen und Kritik loszuwerden. Im Vorfeld hatten bereits 387 Menschen über Fragebögen und das Internet ihre Meinung zum aktuellen Stand der Planung geäußert - 170 Männer, 159 Frauen und 58 Menschen, die dazu keine Angaben machten. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmer lag bei 44 Jahren. Ralf Mayeres, Projektleiter der Stadt, präsentierte die Ergebnisse der Umfrage. "Die Auswertung war richtig viel Arbeit, denn wir haben insgesamt 1000 Anregungen bekommen. Viele Bürger machten gleich mehrere Vorschläge", sagte Mayeres. Auch die Bürger in der Stadthalle nutzten die Gelegenheit, sich zur geplanten Neugestaltung zu äußern.
Zugänge: Die Hauptstraße hat auf 73 Metern Länge eine Steigung von 5,4 Prozent, was Rollstuhlfahrern und Eltern mit Kinderwagen schon viel abverlange, sagte Mayeres. Deshalb seien Ruhepodeste notwendig, die man vor den Geschäften schaffen könne, indem man hier und dort Stufen setze. Das würde auch ermöglichen, die Eingänge zu den Geschäften barrierefrei zu gestalten, meinte Mayeres. Der innere Fahrstreifen, auf dem der Lieferverkehr unterwegs sei, bliebe davon unberührt.
Nicht alle Gäste in der Stadthalle konnten sich mit diesen Ideen anfreunden: "Solche Stufen machen es Eltern mit Kinderwagen doch eher schwerer", meinte ein Saalgast. "Podeste kommen der Gastronomie zugute", sagte ein anderer. Das könne der Innenstadt nur guttun. Ein anderer Bürger befürchtet, solche Stufen könnten zu Stolperfallen werden, wenn sie sich farblich nicht vom Pflaster abheben würden.
Begrünung: Mobile Blumenkübel, immergrüne Sträucher oder Bäume? Man könne Bäume pflanzen, meinte Mayeres. Wegen ihrem schlanken Wuchs seien insbesondere die Hopfenbuche und der französische Ahorn dafür geeignet. Bei den Bürgern schneidet die Idee jedoch schlecht ab: "Die zerstören die Fassaden und heben das Pflaster", sagte ein Bitburger. Eine Frau meinte: "Das Laub macht Arbeit und wird glitschig, wenn es nass wird." Große Teile des Publikums votierten für mobile Kübel, die man mit Blumen oder Sträuchern schmücken und bei Großveranstaltungen aus dem Weg räumen könne.
Ruhezonen: Bänke mit oder ohne Rückenlehne? Diese Frage wurde kontrovers diskutiert. "Das ist eine Fußgängerzone, keine Pennerzone", meinte ein Saalgast. Deshalb solle man es den Menschen dort nicht zu gemütlich machen. Die meisten Gäste argumentierten jedoch für Rückenlehnen, welche für Jung und Alt doch gemütlicher seien. So könnten die Besucher länger in der Innenstadt gehalten werden.
Effektbeleuchtung: "Bitte bloß keine grelle Beleuchtung mit wechselnden Farben, Bitburg ist nicht Las Vegas", sagte ein Saalgast. Sie könne dezent und farbfrei gehalten an bestimmten Punkten jedoch niveauvoll und einladend aussehen, sagte ein anderer Besucher. In den Boden eingelassene Lampen könnten zudem auf Gefahrenstellen wie Stufen hinweisen, erklärte Mayeres. Das Publikum blieb skeptisch.
Musikalische Untermalung: "Bitte keine Dauerbeschallung mit preußischer Marschmusik. Die Bewohner der Hauptstraße wollen zu Hause doch lieber selbst entscheiden, welche Musik sie hören", meinte ein Saalgast. Der Plan der Stadtverwaltung, in alle Laternenmaste Lautsprecher einzubauen, kam beim Publikum nicht an. Mayeres: "Obwohl man die punktuell bei Veranstaltungen sinnvoll einsetzen könnte."
Parken: Auch die Nebenstraßen wie die Schliez- und Schakengasse sollen erneuert werden. Doch sollen dort in Zukunft noch Autos parken dürfen? Oder sollen die vorhandenen Stellplätze wegfallen, damit dort mehr Platz für Fußgänger, Gewerbe und Gastronomie entstehen kann? "Das wertet die Geschäfte in den Seitengassen auf. Wir brauchen die wenigen Stellplätze eh nicht. Zugunsten einer besseren Gestaltung sollten wir die opfern", sagte ein Bürger. Doch sein Votum erzeugte Widerspruch. "Da wohnen und arbeiten Leute, die die Parkplätze dringend brauchen", erklärte ein anderer Besucher. Das Publikum im Saal wurde sich darüber nicht einig.
Planung: Doch Bürgerbeteiligung hin oder her: Die Entscheidung darüber, wie die Fußgängerzone letztlich aussehen wird, obliegt den städtischen Gremien. Sowohl der Bauausschuss als auch der Stadtrat werden im Januar und Februar darüber beraten und entscheiden. Bürgermeister Joachim Kandels: "Die städtischen Gremien werden die Vorschläge der Bürger in den weiteren Entscheidungsprozess einfließen lassen und berücksichtigen."Extra
Stufen und Podeste gefallen 86 Prozent der 387 Teilnehmer. 91 Prozent sind für eine Begrünung und Ruhezonen mit Bänken. 51 Prozent votierten für eine Effektbeleuchtung. Musik in der Fußgängerzone wünschen sich nur 33 Prozent. 74 Prozent wollen die Parkplätze in den Seitengassen behalten. Für elektronische Informationskästen können sich 80 Prozent begeistern. cmo