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Bitburger Krähen besiegen das Ordnungsamt

 Unbeeindruckt: Die Krähen lassen sich beim Nestbau und Brüten nicht stören. TV-Foto: Uwe Hentschel
Unbeeindruckt: Die Krähen lassen sich beim Nestbau und Brüten nicht stören. TV-Foto: Uwe Hentschel
Bitburg. Seit Jahren versucht die Stadt Bitburg, das Problem mit den Krähen, die jedes Frühjahr vor allem den Waisenhauspark belagern, in den Griff zu bekommen. Vergeblich. Hat die Stadt aufgegeben? Uwe Hentschel

Wenn es unter Krähen so etwas wie einen Geheimtipp gibt, dann ist das auf keinen Fall der Bitburger Waisenhauspark. Denn dass die Anlage als Nistplatz ideal ist, hat sich unter den Rabenvögeln längst rumgekräht.

Warum das so ist, weiß keiner. Zumindest nicht diejenigen, die nicht gerade brütend auf einem Ast hocken, sondern sich am Fuße der Bäume darüber ärgern, dass von oben alles zugekotet wird. Seit Jahrzehnten treffen sich in Bitburg - und dort vor allem im Waisenhauspark - jedes Frühjahr die Saatkrähen aus dem Umland, um ihren Nachwuchs auszubrüten.

Annähernd ebenso lange versucht die Stadt mittlerweile schon, die damit verbundenen Begleiterscheinungen in den Griff zu bekommen. Und wiederum genauso lange blieben diese Bemühungen erfolglos. Auch dieses Jahr wird sich daran nichts ändern. Wie Erich Grün, Leiter des Bitburger Ordnungsamts, erklärt, seien die Tiere nun mal geschützt und die Möglichkeiten deshalb auch sehr beschränkt.Bisher keine Wirkung

Zwar habe die Stadt in den vergangenen Monaten im Zuge von Baumschnittarbeiten einige Nester mit Genehmigung der Kreisverwaltung entfernt, doch zusätzliche Vergrämungsaktionen seien nicht geplant. Zumal die bisherigen Maßnahmen außer Kosten keine Wirkung erzielt hätten.

So hat die Stadt nach dem missglückten Einsatz so genannter Krähenklatschen (siehe Extra) 2012 einen Falkner mit der Lösung des Problems beauftragt. Mit Hilfe eines Habichts, der über mehrere Wochen hinweg zweimal täglich durch den Waisenhauspark gejagt wurde, sollten die Krähen vertrieben werden.

Doch die Krähen, die von Natur aus wendiger und vor allem schlauer als Habichte sind, haben sich das Spiel angeschaut, ihren Tagesablauf an die Anwesenheit des Greifvogels angepasst und sich ansonsten von der Aktion wenig beeindrucken lassen.

Die Nachhaltigkeit der Maßnahme zeigt sich auch im Bestand der Nester, der regelmäßig erfasst wird. Laut Verwaltung wurden Anfang 2013 im Stadtgebiet 112 Brutstätten gezählt. Anfang 2014 waren es 136. 99 der 136 Nester waren im Waisenhauspark. Die restlichen wurden in den Baumkronen auf dem Konrad-Adenauer-Platz, dem Maximiner Wäldchen und vor allem auf dem Gelände der Evangelischen Kirchengemeinde gezählt. Allein dort hat die Stadt Bitburg 21 Brutplätze erfasst. Ein Geheimtipp unter Krähen.Extra

Die Saatkrähe (Corvus frugilegus), die zur Familie der Rabenvögel gehört, gilt bundesweit als gesetzlich besonders geschützte Vogelart, und gemäß Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung ist es verboten, die Vögel zu töten, zu fangen, ihre Nester zu zerstören oder ihre Eier zu entfernen und die Tiere während der Brut und Jungenaufzucht zu stören. Nur in wenigen begründeten Fällen können die oberen Naturschutzbehörden Ausnahmen von diesen Verboten erteilen. Die Saatkrähe, die sowohl Zug- als auch Standvogel sein kann, beginnt mit dem Nestbau Ende Februar/Anfang März und bevorzugt dafür besonders die Kronen großer Laubbäume. Krähen sind sehr gesellige Tiere und treten meist in Kolonien auf. Brutbeginn ist je nach Witterung Mitte März bis Ende April. uheExtra

Krähenklatschen, die lediglich aus zwei Brettern und einem Zugseil bestehen, werden in den Bäumen befestigt, wobei ein Ende des Seils in Griffweite hängt. Zieht der Parkbesucher an dem Seil, knallen die Bretter aneinander, wodurch die Krähen aufgescheucht werden. Im Waisenhauspark hatten solche Klatschen vor einigen Jahren drei Wochen in den Bäumen gehangen, wurden dann aber wegen der beginnenden Brutzeit wieder entfernt. In dieser Zeit ist es nämlich verboten, die besonders geschützte Tierart zu verscheuchen. Weil die Klatschen nach Auskunft der Stadt Bitburg von den Parkbesuchern offenbar nur sehr sporadisch genutzt wurden und manche Anwender sich zudem mit vollem Gewicht an das Seil gehängt und dadurch einige Klatschen zerstört haben, blieb auch diese Vergrämungstaktik wirkungslos. uhe