Bitburger Schüler strecken ihre Sensoren aus

Naturwissenschaft : Bitburger Schüler strecken ihre Sensoren aus

Als eine der ersten Schulen in Rheinland-Pfalz hat sich das Bitburger St.-Willibrord-Gymnasium an den „Hackdays“ beteiligt. Das von Wissenschaftlern begleitete Projekt vermittelt digitales Wissen für praktische Anwendungen.

Für Bianka Menzel-Loskill ist es eine Umstellung. Als Klassenlehrerin der 9a am Bitburger St.-Willibrord-Gymnasium ist sie normaler­weise diejenige, die im Unterricht sagt, wo es langgeht. Das aber scheint in diesen Tagen keinen ihrer Schüler zu interessieren. „Ich komme mir hier irgendwie etwas unnötig vor“, sagt sie lachend und blickt dabei auf das kreative Chaos, das den gesamten Klassenraum füllt. Die Schüler und das Mobiliar sind wild im Raum verteilt. Überall stehen Laptops, dazwischen liegen Sensoren, Schalter, Empfänger, kleine Elektromotoren und Mikrocontroller. Wenn man elektronische Komponenten wie beispielsweise einen Temperatursensor, einen Bewegungsmelder und einen Servomotor mit einem Mikrocontroller verbindet und diesen dann entsprechend programmiert, lassen sich die Bauteile logisch miteinander verknüpfen.

Genau das machen die Schüler. Sie tüfteln an technischen Lösungen, die ihnen den Schulalltag erleichtern sollen. An einem der Tische arbeiten Schüler an ihrem Materialautomaten. Wenn also vom Radiergummi nichts mehr übrig ist, die Patronen leer sind oder aber die Schüler morgens vor der Mathearbeit feststellen, dass sie ihr Geodreieck vergessen haben, gehen sie zum Materialautomaten und ziehen sich dort die notwendigen Utensilien. Eine feine Sache. Genau wie der Tafelwischroboter, der ein paar Tische weiter entsteht. Und daneben wiederum sitzen Schüler, die gerade eine App zur Bewertung der Mensa-Verpflegung entwickeln.

Damit die Jungs und Mädchen der 9a ihre Ideen umsetzen können, benötigen sie allerdings nicht nur die elektronischen Bauteile, sondern auch Experten, die sich mit den Komponenten und der Programmierung auskennen. Als Deutsch- und Englischlehrerin muss Menzel-Loskill auf diesem Gebiet leider passen. Und ihre Kollegin Karin Zimmer wäre aufgrund der gleichen Fächerkombination ebenfalls keine Hilfe, wäre sie nicht zudem auch stellvertretende Leiterin des Eifelkreis-Medienzentrums. Und als solche ist sie auf ein Projekt der Klaus-Tschira-Stiftung und der ebenfalls gemeinnützigen Gesellschaft Wissenschaft im Dialog gestoßen. Letzteres ist eine Initiative der deutschen Wissenschaft, die unter anderem Ausstellungen, Wettbewerbe und Dialogveranstaltungen organisiert, um den Austausch zwischen Gesellschaft und Forschung zu fördern. Die Klaus-Tschira-Stiftung, benannt nach dem gleichnamigen Mitbegründer des größten europäischen Softwareherstellers, SAP, möchte mit der Förderung von Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik ebenfalls zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Gemeinsam haben beide Organisationen die Ideenwerkstatt „Make your School“ ins Leben gerufen.

Vor zwei Jahren wiederum hat diese Ideenwerkstatt die sogenannten „Hackdays“ als bundesweites Pilotprojekt gestartet. Hackdays bedeutet, dass sich Schüler zwei bis drei Tage damit befassen, wie sie ihre Schule mithilfe digitaler und technischer Lösungen verbessern können. Nach der erfolgreichen Pilotphase an fünf Schulen in 2017 haben vergangenes Jahr acht weitere Schulen aus ganz Deutschland an den Hackdays teilgenommen. In diesem Jahr sind es bereits 26. Und zu den ersten Teilnehmern aus Rheinland-Pfalz gehört neben Schulen aus Mainz und Boppard auch das Bitburger Gymnasium.

Drei Tage lang ist die Ideenwerkstatt mit zahlreichen Koffern voller elektronischer Bauteile und vier wissenschaftlichen Mentoren aus unterschiedlichen Fachrichtungen in Bitburg zu Gast, um gemeinsam mit den Schülern der Mint-Klasse (Klasse mit mathematischem und naturwissenschaftlichem Schwerpunkt) Prototypen zu entwickeln. Was Karin Zimmer dabei besonders gefällt: Die Teilnahme an diesem Projekt ist völlig kostenlos. Zudem steht den Schulen im Rahmen des Projekts sogar ein finanzielles Budget zur Verfügung, um Material zu kaufen, das für den Bau der Prototypen benötigt wird. „Wir als Schule könnten uns ein solches Angebot gar nicht leisten“, erklärt Zimmer, die das Projekt gemeinsam mit dem stellvertretenden Schulleiter Andreas Schwarz vorbereitet und mit ihm auch im Vorfeld an einem zweitägigen Training in Wiesbaden teilgenommen hat. „Es wird zwar viel Geld in die digitale Ausstattung der Schulen gesteckt“, sagt sie, „mindestens genauso wichtig ist aber, den Schülern die notwendigen Kompetenzen und Einsatzmöglichkeiten zu vermitteln.“

Im konkreten Fall ist das neben dem Tafelwischroboter auch ein automatisches Müllsammelgerät, bestehend aus Sensoren, einem fahrbaren Lego-Roboter und einem Handstaubsauger. „Wir haben die Sensoren programmiert, und es war toll, zu sehen, dass es auch funktioniert“, sagt Linnea Stephan, während sie mit ihrem Forscherteam grübelt, wie der Sauger am besten an dem sensorgesteuerten Lego-Gefährt befestigt werden kann.

Lars Becker und Fabio Schaffrinski beschäftigt derweil ein ganz anderes Problem. Sie arbeiten an einem automatischen Türöffner und müssen ihren Prototypen jetzt noch richtig programmieren. „Es ist gut, dass wir Mentoren haben, die einem dabei helfen“, sagt Lars. Klassenkamerad Fabio nickt zustimmend. „Man lernt wirklich was dabei“, sagt er. „Und wenn man es verstanden hat, ist es eigentlich gar nicht so schwer.“