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Bitburgerin wünscht sich Lockerungen in den Heimen und schreibt einen offenen Brief an Malu Dreyer.

Kostenpflichtiger Inhalt: Soziales : Die Familie leidet unter  Kontaktbeschränkungen

Elke Giebel muss viel erklären in diesen Tagen. Ihre Mutter und ihre Tochter leben in Heimen, und es fehlt die  Nähe zu den Angehörigen.

Zwar sind in Rheinland-Pfalz Besuche in Alten- und Pflegeheimen wieder erlaubt – allerdings mit Einschränkungen: Besucher und Angehörige können nur eine Stunde beisammen sein – und nur mit Maske und nur auf Distanz. Und das ist für Elke Giebel „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Die Bitburgerin arbeitet als Altenpflegerin in Luxemburg und weiß, wie wichtig körperlicher Kontakt für ältere und auch für behinderte Menschen ist. „Die ganze Familie war traurig, dass meine Mutter an ihrem 91.Geburtstag allein im Altenheim war“, sagt Elke Giebel. Das war vor der Lockerung. Zum Glück sei ihre Mutter rüstig und gehe noch an die frische Luft. Aber der Kontakt fehle ihr natürlich.

 Nach vier Wochen konnte Elke Giebel nun endlich ihre erwachsene Tochter Ramona wieder besuchen. Die junge Frau wohnt in einem Wohnheim für geistig behinderte Menschen und arbeitet in einer Werkstatt – normalerweise. Denn zurzeit ist das Leben der Heimbewohnerin völlig aus dem Rhythmus gekommen.

Wegen der Corona-Krise darf sie nicht in der Werkstatt arbeiten, und ihre Mutter darf sie nur für eine Stunde besuchen. Bei den täglichen Anrufen fragt sie immer wieder: „Warum, Mama, ich bin doch gesund?“

Die Arbeit gebe ihrer Tochter die Struktur, die sie brauche. Das sei für sie sehr wichtig. Und eben auch der körperliche Kontakt, betont die 59-Jährige.

Durch die nun geltenden Kontaktbeschränkungen gehe das Menschliche verloren, findet die Bitburgerin. Der Freund ihrer Tochter, der in Luxemburg wohnt, dürfe nicht zu Besuch kommen, und auch ihren Hund dürfe die 37-Jährige nicht sehen. „Meine Tochter ist ein Bitburger Mädel, durch und durch. Sie geht gerne in die Stadt, geht gern spazieren und schwimmen. Aber nun ist alles anders“, sagt Elke Giebel.

Die 59-Jährige weiß, dass sich die Heime nur an die Vorschriften halten. Sie wünscht sich dennoch ein paar Lockerungen, was die Besuche angeht. Sie glaubt, dass sich die Angehörigen pflichtbewusst verhalten würden.

Diese Situation, die ja auch viele andere Familien betrifft, hat sie dazu gebracht, einen Offenen Brief an die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), zu schreiben.

Darin formuliert sie die Bitte, die Bestimmungen in den Heimen zu lockern, die Heime zu öffnen. „Trauen Sie uns Verantwortung zu“, schreibt die 59-Jährige in dem Brief. Sie sorge sich besonders um ihre geistig behinderte Tochter, die das alles nicht verstehen könne. Und die auf so viel verzichten müsse.

So war dieses Jahr auch ein gemeinsamer Urlaub geplant mit einer Delfin-Therapie für Ramona. Den Urlaub hat Giebel schon stornieren müssen. Nun hofft sie, dass sie mit dem Offenen Brief vielleicht etwas bewirken kann.

Denn eines ist für Elke Giebel klar: Die sogenannte „neue Normalität“ ist für sie nicht normal.