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Bitburgs drittes Stadttor ist gefunden

Bitburgs drittes Stadttor ist gefunden

Bei den Kanalbauarbeiten am Spittel sind nun erstmals Beweise für die Existenz des mittelalterlichen Stadttors gefunden worden. Der Bau hatte offenbar einen viereckigen Grundriss. Auch über die Römerstraße und mysteriöse Gräben konnten die Archäologen neue Erkenntnisse gewinnen. Ein Blick unter die Bitburger Hauptstraße.

Bitburg. Jedes Mal, wenn die Baggerschaufel ihre Zähne in die Hauptstraße gräbt, kommt Bitburg seiner Geschichte ein Stückchen näher. Das Ziel der Bauarbeiten im Herzen der Innenstadt ist es zwar, in etwa drei Metern Tiefe einen neuen Kanal zu verlegen. Nebenbei jedoch liefern die Grabungen neue archäologische Erkenntnisse.
Denn unter Leitung von Marcus Thiel beobachtet ein Team des Landesmuseums Trier die Baggerarbeiten.
Gleich zu Beginn landet Thiel einen Volltreffer: Er entdeckt die Reste des mittelalterlichen Stadttores. "3:0 für Bitburg!", jubelt Burkhard Kaufmann, Leiter des Kreismuseums Bitburg-Prüm. Jetzt habe die Stadt erwiesenermaßen drei Tore: Nordtor und Südtor des römischen Kastells sowie den Zugang zur mittelalterlichen Stadt.
Im Zusammenhang mit der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1262 war Bitburg laut Kaufmann angehalten, die Siedlung zu befestigen. Und das Römerkastell war inzwischen zu klein geworden, um alle Städter vor möglichen Angreifern zu schützen. Also erweiterte man den römischen Ring 1340 Richtung Süden um ein Oval, das der Innenstadt noch heute ihre Birnenform verleiht.Römerstraße liegt sehr tief


Aufgrund des Mauerverlaufs hatte man bereits vermutet, dass der südliche Eingang zur mittelalterlichen Stadt auf Höhe des Modegeschäfts Gerry Weber liegen müsste. Auch gibt es eine Karte, die die Situation des Spittels im Jahr 1808 darstellt, auf der an dieser Stelle ein gestricheltes Quadrat eingezeichnet ist. Archäologische Beweise für die Existenz des Tores jedoch fehlten - bis zu Beginn der Kanalbauarbeiten. Nun sind sie gefunden. Und: "Das Tor scheint tatsächlich quadratisch gewesen zu sein", sagt Thiel.
Doch ist dies längst nicht alles, was er unter der Hauptstraße entdeckt hat. Die aktuellen Grabungen haben auch gezeigt, dass die römische Straße, die zum Eingang des Kastells führte, satte 2,7 Meter unter dem heutigen Niveau liegt. "Das hätte ich nie gedacht", sagt Thiel, der die Straße in etwa 1,5 Metern Tiefe vermutet hatte. Sein Team konnte die Trasse nun über eine Länge von etwa 20 Metern verfolgen - so lang wie bisher nirgends in Bitburg. Wie üblich ist sie sechs bis sieben Meter breit und besteht aus einem Kalksteinpflaster mit einer sandigen Kiesdecke.Rätselhafte Gräben


Eine Struktur, die schnell zu erkennen ist, da es in Bitburg keinen Kies gibt. Noch spannender als die Straße - deren Existenz ja anzunehmen war - ist das, was darunter entdeckt wurde. In der Stadtchronik sei die Rede davon, dass sich unter der Römerstraße bis zu zehn Meter tiefe, mit Schutt verfüllte Gräben befinden. "Wir haben das eher als unglaubwürdig eingeschätzt", sagt der Grabungstechniker.
Nun jedoch hat sich herausgestellt, dass der Weg tatsächlich über eine verfüllte Grabenstruktur verläuft. Der typische, grüne Lehm, der in Bitburg in dieser Schicht sonst anzutreffen ist, fehlt. Um was es sich bei diesen Gräben handelt, ist jedoch weiterhin ein Rätsel.
Zuweilen tauchen aber auch Dinge auf, die schnell und eindeutig zu erkennen sind. Thiel begutachtet vom Rand der neuen Kanaltrasse aus, was da in etwa einem Meter Tiefe freigelegt wird. Und siehe da: Es ist ein Kanal. Ein historischer, aus Steinen gemauerter und erstaunlicherweise recht intakter Vorgänger des Entwässerungssystems, das nun in drei Metern Tiefe verlegt wird. Der alte Kanal und auch ein Streifen der Römerstraße müssen dafür weichen.
Von wann der entdeckte Entwässerungsgang ist, weiß Thiel nicht - vielleicht ist er "erst" 150 Jahre alt, vielleicht aber auch mittelalterlich. Um so etwas eingehend zu untersuchen, fehlt auch die Zeit.
Schließlich sollen die Bauarbeiten nicht verzögert werden. Es bleiben jeweils nur ein paar Minuten, um in die fertige Grube zu springen und das Wesentliche zu dokumentieren. "Aber es zeigt sich, wie wichtig es ist, dass man auch zu kleinräumigen Arbeiten einen Fachmann dazuruft", sagt Kaufmann, der sich sehr über die neuen Beweise für Bitburgs mittelalterliches Stadttor freut.