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Kein Festplatz, kein Festzelt, kein Umzug : Bitburgs Folklore-Festival im Umbruch

Kein Festplatz, kein Festzelt, kein Umzug : Bitburgs Folklore-Festival im Umbruch

Kein Festplatz, kein Festzelt, kein Umzug: Das neue Konzept hat Höhen und Tiefen. Ein Rückblick auf die Festtage:

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Die Stadt hat was gewagt und ist mit einem neuen Konzept für ihr Traditionsfest an den Start gegangen. Das kam in vielen Punkten bei den Besuchern gut an. So zumindest ist der Eindruck nach zahlreichen Gesprächen über die Festtage. Allerdings wirkte die Stadt insgesamt etwas leerer als in den Vorjahren. Ob es daran lag, dass es zum zweiten Mal keinen Festumzug mehr am Sonntagnachmittag gab? Oder sich das ganze Festgeschehen einfach auf mehrere Plätze verteilte? Schwer zu sagen. Sicher ist jedenfalls, dass das neue Konzept nicht in allen Teilen aufgegangen ist.

Wenn auf dem Festplatz Pizz-, Wein- und Bierstände um 22 Uhr am Sonntagabend mangels Publikum schließen, stimmt was nicht. Dieser Abend zog sich schließlich auf dem alten Festplatz für gewöhnlich bis in die tiefe Nacht. Das war diesmal anders. Eine Spurensuche zu dem, was das Fest ausmacht:

Absolut top

Große Einsatzbereitschaft: Wenn mehr als 400 Ehrenamtliche hinter den Kulissen mit anpacken und zusammen rund 2000 Stunden schuften, damit das Festival funktioniert, zeigt das: Dieses Fest liegt den Bitburgern am Herzen. Hut ab vor so viel Engagement!

Faszinierende Folklore: Hauptattraktion des Festivals sind die Tanz- und Musik-Ensembles aus aller Herren Länder, die rund um die Uhr auf den Bühnen der Stadt auftreten. Dieses Mal waren 16 verschiedene Nationen dabei – von Argentinien über Schweden bis in die Slowakei. Für Abwechslung und neue Eindrücke war also bestens gesorgt. Wo auch immer dieser multikulturelle Zauber zu erleben war – beim Treff der Kulturen am Samstagmorgen, dem Einzug der Nationen am Samstagabend oder auf den Bühnen am Sonntagnachmittag – waren die Plätze proppevoll. Das ist der Kern des Festivals und auch das, was die meisten Gäste nach Bitburg zieht.

Abwechslungsreiche Musik: Nicht mehr wegzudenken ist die Rocknacht am Freitagabend, diesmal mit My’Tallica. Die Premiere in der Stadthalle hat funktioniert. Die Rockfans haben gefeiert, der Saal war voll, die Stimmung ausgelassen. Auch Formationen wie Coronation Brass aus Wales und die Götz Buam aus Jagsthausen, die von Jahr zu Jahr zum Festival kommen, haben sich in Bitburg längst eine Fangemeinde erspielt. Gleiches gilt für die Unplugged Gang, die Samstagabend den Spittel rockt, Nico Mono und Achim Weinzen, die am Konrad und am Grünen See für Stimmung sorgten wie auch die Blue Singing Dixies, die Samstagnachmittag am Spittel beschwingte Laune verbreitet haben. Für jeden Geschmack ist was dabei.

Noch mehr Programm: 15 Mannschaften haben diesmal beim Bierfassrollen mitgemacht. Moderator Bernd Quirin ist längst Kult. Auch das Kinder-Folklore-Festival, der Rummelplatz und die Firmen-Challenge der Volksbank Eifel bieten zusätzlich Unterhaltung.

Bewährte Spielstätten: Spittel, Petersplatz und Konrad-Adenauer-Park sind die Orte, an denen sich das Festival abgespielt hat. Diese Plätze waren dank vollem Programm am Tag und zugkräftigen Bands am Abend gut besucht. Entsprechend waren auch die Gastronomen auf diesen Plätzen durch die Bank zufrieden.

Die große Frage: Fehlt Sonntagsmittags der Festumzug oder ist es mit dem Bühnenprogramm auch so ganz schön? Die Meinungen dazu gehen auseinander. Einige fanden den Umzug mit den großen Löchern zwischen den einzelnen Gruppen sowieso nicht mehr so attraktiv. Andere vermissen, dass auch an diesem Tag alle Gruppen geballt in kurzer Zeit noch mal zu erleben sind. Was denken Sie? Schreiben Sie uns!

Geht besser

Heiße Halle: Der erste Einzug der Nationen in der Geschichte des Folklore-Festivals in der Stadthalle war nicht ganz das, was sich die meisten Besucher davon versprochen haben. Die Erwartung an die Halle war, dass sie mehr Komfort bietet als das Zelt. Das war aber nicht in allen Punkten der Fall. Es war recht schwül und der Platz schien recht eng. Auch die Bühne wirkte kleiner als im Zelt. Wenn die Stadt diese Spielstätte beibehalten will, sollte sie über bessere Lüftung und eine Vergrößerung der Fläche für Besucher und Gruppen in Richtung Innenhof zur Bit-Lounge nachdenken.

Noch mehr Ambiente: Ein Vorteil des neuen Festplatzes vor Stadthalle und Grüner See ist, dass das Ambiente mit Römermauer und Rathaus viel ansprechender ist, als der Blick auf weiße Zeltplanen und Hecken, wie man ihn vom ehemaligen Festplatz am Alten Gymnasium kannte. Mit ein Lichterketten und Lampions, ein paar Strahlern, die die historische Mauer in Szene setzen ließe sich leicht eine noch schönere Atmosphäre schaffen. Auch ein paar gemütlich Stühle würden vor dieser Kulisse nicht schaden.

Mehr Platzgefühl: Ein Manko beim neuen Festplatz ist, dass dieser gar nicht richtig als Platz wahrgenommen wird, weil die Bundesstraße den Bereich vor der Stadthalle von dem Bereich vorm Grünen See trennt – und das, obwohl die Straße gesperrt war. Um hier mehr den räumlichen Eindruck eines Platzes zu schaffen, wäre es schön, wenn – so weit das keine Rettungswege blockiert – zumindest ein Teil des Straßenraums genutzt wird. Ob Karussell, Würstchenbude, Kaffee- und Kuchenstand mit gemütlichen Tischen und Stühlen – alles ist besser als einfach nur ein leere Straße. Hier geht mehr, als einfach nur ein paar Stände auf jede Straßenseite zu verteilen.

Wie man sogar aus einer kleinen Straße für ein Wochenende lang einen richtig schönen Platz machen kann, haben dieses Jahr die Geschäftsleute in der Petersstraße bei ihrem Richtfest gezeigt: Hier fühlte man sich zwischen Oliven- und Oleandersträuchern in gemütlichen Stühlen unter bunten Lampions wie im Süden.

Neue Wege: Die Spielstätten mitten in die Stadt zu verlagern, kam bei den meisten Besuchern grundsätzlich gut an. Aber jenseits von Petersplatz und Spittel in der Fußgängerzone waren die beiden anderen Standorte – der neue Festplatz vor Stadthalle und Grünem See sowie der Konrad-Adenauer-Park nicht gut angebunden. Wer von hier aus woanders hin pendelte, hatte nicht das Gefühl, auf einem Fest zu sein. So fragten sich dann auch mal die ein oder anderen Passanten: „Ja, wo ist denn jetzt das Fest?“ Eine Fress-Meile, Food-Trucks, Mandelstände – was auch immer, aber die außerhalb der Fußgängerzone gelegenen Plätze brauchen eine bessere Anbindung. Auf dem Trierer Altstadtfest oder der Wittlicher Säubrenner Kirmes läuft man ja auch nicht einfach durchs Leere. Da stehen überall Buden und Stände.

Geht gar nicht

Traurigster Standort: Ein Burger-Verkäufer hat mit seinem Wagen wohl den schlechtesten Standort überhaupt erwischt. Er wurde am Grünen See noch hinter dem Weinstand des Lions Clubs gleich gegenüber dem Toilettenwagen postiert. Auf die Idee, dass es dort noch was zu essen gibt, kam wohl kaum einer. Allein dieser Wagen hätte mitten auf der Straße, die den neuen Festplatz teilt, nicht nur die Plätze mehr verbunden, sondern auch mehr Umsatz machen können.

Der „schwarze Sonntag“: So etwas haben alteingesessene Standbetreiber noch nicht erlebt. Sonntagabend war auf dem neuen Festplatz um 22 Uhr Schicht. „Normalerweise haben wir immer bis mindestens 2 Uhr verkauft“, sagt Antonio Pandozzi vom legendären Pizzastand. Was aus seiner Sicht gefehlt hat, ist ein packendes Bühnenprogramm. Ähnlich sieht das Mechthild Conti vom Bierstand: „So einen Sonntag haben wir noch nicht erlebt“, sagt sie. Die meisten Gäste seien zwar mit dem Veranstaltungsort grundsätzlich zufrieden, aber: „Hier muss auch auf der Bühne was geboten werden.“ Auch Tina Orten vom Nachbar-Bierstand auf der anderen Straßenseite sagt: „Das Ganze steht und fällt mit der Musik.“ Und am Weinstand des Lions Clubs – die letzte Bastion vor dem verlassenen Burgerstand – hält sich die Begeisterung ebenfalls in Grenzen. Freitag- und Samstagabend seien ganz gut gewesen, wenn auch nicht so gut wie sonst. Aber der Sonntag hatte auch für die Lionsfreunde eine neue Qualität. „Hier war kein Mensch“, sagt Regina Wagner, die an diesem Abend Standdienst schob. So einen deprimierenden Festival-Sonntag hätte sie noch nie erlebt. Intern wird von Umsatzeinbußen von bis zu 80 Prozent im Vergleich zu den bisherigen Festsonntagen gesprochen. Zufrieden macht das den Club, der die Erlöse ja für einen guten Zweck spendet, nicht. Auch hier ist man überzeugt, es hat daran gelegen, dass es an diesem Abend überhaupt kein Bühnenprogramm mehr am neuen Festplatz gab.

Vor der Bitburger Stadthalle herrscht am Samstag Abend relativ mäßiger Betrieb. Foto: Klaus Kimmling Foto: Klaus Kimmling
Der neue Festplatz vor der Stadthalle: Am Samstagabend wirkt er recht voll –  auch wegen der Folklore-Gruppen, die dort auf ihren Auftritt gewartet haben. Foto: Rudolf Höser

Was ist Ihre Meinung zum neuen Konzept? Wo sehen Sie Vorteile, wo Nachteile? Haben Sie den Umzug vermisst? Mailen Sie uns Ihre Meinung an eifel@volksfreund.de (Name und Wohnort bitte nicht vergessen). Wir freuen uns auf Ihren Beitrag zur Diskussion!