Bitburgs Kernstadt ertasten und begreifen

Bitburg/Soest · Jetzt gibt es die Bierstadt auch zum Anfassen: Wenn sie das Bronzemodell der Kernstadt mit den Händen ertasten, können sich seit dieser Woche auch blinde Menschen ein Bild von der Stadt Bitburg machen. Das etwas verspätete Geschenk der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung an die Stadt Bitburg zur 1300-Jahr-Feier kommt auch bei Kindern gut an.

 Stiftungsratsvorsitzender Michael Dietzsch (links) überreicht das Bronzemodell des Bildhauers Egbert Broerken (Mitte) an die Stadt Bitburg. Bürgermeister Joachim Kandels (rechts) nimmt das verspätete Geschenk zur 1300-Jahr-Feier, die 2015 über die Bühne ging, auch 2016 noch dankend an.

Stiftungsratsvorsitzender Michael Dietzsch (links) überreicht das Bronzemodell des Bildhauers Egbert Broerken (Mitte) an die Stadt Bitburg. Bürgermeister Joachim Kandels (rechts) nimmt das verspätete Geschenk zur 1300-Jahr-Feier, die 2015 über die Bühne ging, auch 2016 noch dankend an.

Foto: (e_bit )
 Die blinde Bitburgerin Gisela Strauch (61) ist bei der Einweihung mit dabei und freut sich über das Bronzemodell. Sie sagt, der Blindenverband Trier habe schon seinen Besuch angemeldet, um sich mithilfe des Kunstwerks ein Bild von der Stadt Bitburg zu machen. TV-Fotos (2): Christian Moeris

Die blinde Bitburgerin Gisela Strauch (61) ist bei der Einweihung mit dabei und freut sich über das Bronzemodell. Sie sagt, der Blindenverband Trier habe schon seinen Besuch angemeldet, um sich mithilfe des Kunstwerks ein Bild von der Stadt Bitburg zu machen. TV-Fotos (2): Christian Moeris

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Bitburg/Soest. Berlin, Hamburg und Straßburg: 150 Städte dieser Welt hat der Bildhauer Egbert Broerken aus Soest (Nordrhein-Westfalen) bereits in Bronze verewigt. Sein neuestes Werk, ein 130 Kilo schweres Miniaturmodell der Bitburger Kernstadt, ist nun in der Hauptstraße unterhalb des Spittels zu bewundern.
Das Bronzemodell, an dem sich jedes Haus, jede Gasse und markante Orte wie der Ziegenbrunnen ertasten lassen, soll in erster Linie sehbehinderten und blinden Menschen eine Vorstellung von der Bitburger Kernstadt vermitteln.
Und das funktioniert: "Jetzt bin ich bei der Brauerei gelandet", sagt die blinde Bitburgerin Gisela Strauch, als sie am Montag zum ersten Mal mit ihrer Hand über das Bronzemodell streift. "Jetzt geh ich mal die Hauptstraße hoch", erklärt sie und folgt mit ihrem Zeigefinger einer Gasse in der Miniaturstadt. "Das ist wunderbar", sagt die 61-Jährige, die vor 20 Jahren erblindete und den Anblick der Stadt noch in groben Zügen in Erinnerung hat. Der Blindenverband aus Trier habe schon seinen Besuch angekündigt, sagt Strauch, "weil das für uns wirklich interessant ist. Aber auch Blinde brauchen etwas Zeit, um sich im Modell zurechtzufinden." Bei der Orientierung sollen Markierungen in Blindenschrift, die auf der Bronzetafel zu ertasten sind, helfen. "Das Modell macht die Innenstadt buchstäblich greifbar", sagt Bürgermeister Joachim Kandels bei der Einweihung der Bronze am Montagmittag. "Wir freuen uns sehr über das Geschenk der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung. Die Bronze ist dem Künstler sehr gut gelungen. Sein Modell ist eine Attraktion für die Bürger und auch die Touristen der Stadt." Was sich die Stiftung das Bronze-Kunstwerk hat kosten lassen, darüber schweigt Stiftungsrat Michael Dietzsch: "Ziel der Stiftung ist es, die Bitburger und die Gäste der Stadt zu erfreuen. An dem Bronzemodell, das auf Dauer angelegt ist und die Stadt begreifbar macht, haben die Bürger und Besucher hoffentlich viel Freude."
Dass das Modell nicht nur bei blinden Menschen gut ankommt, zeigt sich noch während der Einweihung des Kunstwerks: Während das Mikrofon von Redner zu Redner gereicht wird, belagern bereits zahlreiche Kinder die Miniaturstadt und erkunden mit ihren Händen die Häuser und Gassen des Bronzemodells.
Zehn Monate hat der Bildhauer Egbert Broerken an seinem Kunstwerk gearbeitet. "Ich habe mit Fotografien, die ich selbst angefertigt habe, und dem Katasterplan, gearbeitet. Insbesondere die Niveauunterschiede in der Höhe, die man in der Kernstadt vorfinde, hätten die Aufgabe zu einer echten Herausforderung gemacht, sagt Broerken. "So schöne alte Städte mit Dachgauben zu modellieren, das ist schon anspruchsvoll und macht mehr Spaß als moderne Betonbauten." Zunächst modellierte Broerken ein Wachsmodell, das schließlich in Speicher von der Firma Plein in Bronze gegossen wurde.

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