Bitburgs neue Spielwiese

Dass die Meinung der Bürger nicht unbedingt deckungsgleich mit den Vorstellungen der Verwaltung oder aber der städtischen Gremien ist, hat die Präsentation des Spielplatzkonzepts im Haus Beda vor gut einem Monat gezeigt (der TV berichtete). Nun hat die FBL-Fraktion einen eigenen Konzeptentwurf vorgelegt. Die Freie Bürgerliste ist der Meinung, dass mit weniger Aufwand mehr erreicht werden kann.

Bitburg. Politik lebt ein Stück weit davon, dass der ein und derselbe Sachverhalt unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert wird. Aus diesem Grund verwundert es nicht wirklich, dass auch die Veranstaltung im Haus Beda zu unterschiedlichen Eindrücken geführt hat. Dort wurde Ende Februar das von der Stadtverwaltung erarbeitete Spielplatzkonzept vorgestellt. Erklärtes Ziel der Stadt ist es, die kaum bis gar nicht frequentierten Spielplätze im Stadtgebiet zu schließen, um durch den Verkauf der Grundstücke an Geld zu kommen.
Mit diesem Geld sollen dann andere Spielplätze aufgewertet und um zusätzliche Sport- oder Seniorenangebote erweitert werden. Anwesend waren und zu Wort gemeldet haben sich bei dieser Bürgerversammlung vor allem verärgerte Anwohner, die im Umfeld von Spielplätzen leben. Und zwar im Umfeld der sieben Spielplätze, die laut Konzept verschwinden sollen.
Und während sich beispielsweise der im Haus Beda ebenfalls anwesende CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Ludwig tags darauf im Stadtrat vor allem schockiert über die seiner Meinung nach zum Teil völlig respektlosen Wortmeldungen zeigte, hat Agnes Hackenberger (FBL) von diesem Abend etwas ganz anderes mitgenommen. Nämlich, dass die Mehrheit der Bürger überhaupt keinen Wert auf große Spielplätze mit teueren Geräten legt, sondern dass ihr die Wohnortnähe der Plätze viel wichtiger ist.
"Keine teuren Geräte"


Aus diesem Grund hat die FBL-Fraktion nun ein eigenes Konzept erarbeitet. Gemeinsam mit Fraktionskollegin Inge Solchenbach hat die ehemalige Grundschullehrerin Hackenberger alle Spielplätze im Stadtgebiet besucht, bewertet und daraus eine Liste mit Handlungsempfehlungen erstellt. In einigen Fällen gibt es durchaus Übereinstimmungen mit dem Entwurf des städtischen Spielplatzkonzepts. So ist beispielsweise auch die FBL der Meinung, dass die Anlagen im Metzwieschen, im Sperberwäldchen sowie in der Schliezgasse verschwinden können. Worin sich das Konzept von dem der Stadt allerdings grundlegend unterscheidet, ist zum einen der Umfang, in dem dafür andere Spielplätze aufgewertet sollen. "Wir brauchen keine teuren Geräte aus Edelstahl", sagt Hackenberger. "Man kann mit weniger Geld viel mehr erreichen, wenn man mit Kreativität an die Sache rangeht." Durch den Verkauf von Spielplätzen die Aufrüstung anderer Anlagen gegenzufinanzieren, ist für die FBL der falsche Ansatz.
Darüber hinaus ist die Freie Bürgerliste der Auffassung, dass jeder Spielplatz eine gewisse Grundausstattung haben müsse. Für die Anlage im Maximinerwäldchen trifft das allerdings nicht zu. Denn während das Konzept der Stadt dort die Errichtung eines gemeinsamen Angebots für Kinder und Senioren vorsieht, ist nach Ansicht der FBL gerade das Maximinerwäldchen aufgrund der Lage zwischen zwei Straßen weder für Kinder noch für Senioren attraktiv.
Es spreche nichts dagegen, wenn Fraktionen aus den neu gewonnenen Erkenntnissen der Bürgerbeteiligung eigene Vorschläge machten, sagt Bürgermeister Joachim Kandels. Gleichzeitig verweist er aber auch darauf, dass dieses von der Verwaltung vorgestellte Konzept im Bauausschuss "eine breite Mehrheit gefunden" habe. Aufgabe der Verwaltung sei es nun, alle Fakten und Anregungen der Bürger zusammenzutragen, erklärt Kandels.Extra

"Wir brauchen ein gemeinsames Konzept auf Basis dessen, was vorgeschlagen wurde", sagt Michael Ludwig (CDU), der gleichzeitig aber auch davor warnt, das Thema überzubewerten. "Ich fände es schön, wenn der Fokus stärker auf das Konzept als nur auf die Belange persönlich betroffener Anwohner gerichtet würde", meint Willi Notte (Liste Streit). Man müsse den Veränderungen in der Gesellschaft Rechnung tragen, so Notte. Und das Konzept der Stadt sei da ein guter Ansatz. Dieser Meinung ist Peter Berger (Die Grünen), dessen Fraktion bereits im Bauausschuss gegen das Konzept gestimmt hat, allerdings nicht. Zwar begrüßt auch er, dass sich die Stadt mit der Thematik befasst, "doch wir wehren uns rigoros gegen den Verkauf von Spielplätzen". Für Stephan Garçon (SPD) ist dieser Ansatz zwar richtig, nur fragt er sich, ob das Thema ausgerechnet jetzt angegangen werden muss. "Nach Bit-Galerie, Postplatz und Innenstadtring setzt die Stadt nun ohne Not direkt den nächsten Aufreger auf die Tagesordnung", sagt Garçon, der dadurch das Image der Stadt gefährdet sieht. "Es war ganz richtig, ein solches Konzept aufzustellen", meint Marieluise Niewodniczanska (FDP), denn es gebe in der Stadt einige Plätze, die kaum noch genutzt würden, die Stadt aber jedes Jahr viel Geld kosteten. uhe