"Bitte nicht stehen bleiben!"

"Bitte nicht stehen bleiben!"

Fast jeder von uns hat diese Anweisung in der Öffentlichkeit wohl schon einmal gehört. In vielen Situationen ein sinnvoller Hinweis.

Und doch fällt es uns manchmal schwer weiterzugehen, nicht stehen zu bleiben. Manche Ereignisse lassen Menschen förmlich erstarren, machen sie bewegungsunfähig. Der Abschied von einem lieben Menschen, Arbeitslosigkeit, Krankheit, zerbrochene Beziehungen und Träume, das Wegbrechen von Traditionen und Strukturen und vieles mehr können Auslöser dieser Starre sein. Weiterzugehen scheint unmöglich. Vielleicht weil wir nicht wissen, wohin wir gehen sollen, uns nicht für eine Richtung entscheiden können. Vielleicht weil Trauer und Angst uns lähmen, der Mut zum ersten Schritt noch fehlt.
Ähnlich muss es den Freunden Jesu nach dessen Kreuzigung auch ergangen sein. Trauer, Angst vor der Zukunft und Hoffnungslosigkeit halten sie gefangen. Nichts ist mehr von der Freude der vorangegangenen Tage spürbar. Die Erfahrung von Verlust, Loslassen und Hilflosigkeit lähmt alle.
Die Bibel berichtet von Frauen, die die Kraft finden, aufzustehen und zum Grab Jesu zu gehen. Dort wird ihre bisherige Welt auf den Kopf gestellt. Sie laufen zurück, um den Jüngern von ihren Erlebnissen zu berichten. Sie bringen sich und andere in Bewegung. Was wäre aus der Osterbotschaft geworden, wenn die Frauen zu Hause geblieben wären oder geschwiegen hätten? Die Begegnungen mit dem Engel und dem Auferstandenen selbst helfen ihnen, das Geschehene einzuordnen. Sie finden ihren Weg zurück ins Leben.
Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir es schaffen, mit der Osterbotschaft unseren augenscheinlich sicheren Standpunkt des Glaubens zu verlassen und uns auf neue Wege einzulassen. Aber auch, dass wir die Zeit und Hilfe bekommen, die wir brauchen, umweiterzu gehen. Der Weg nach Emmaus beginnt draußen vor unserer Tür, auch vor der Kirchentür. Bitte, nicht stehen bleiben.

Hildegard Cremer, stellvertretende Vorsitzende Pfarreienrat Direkt Schönecken-Waxweiler

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