Blaualgen auf dem Stausee Bitburg: Wie gefährlich sind sie wirklich?

Schilder warnen in Biersdorf : Blaualgen auf dem Stausee Bitburg: Wie gefährlich sind sie wirklich?

Am Stausee Bitburg macht sich wieder ein Blaualgenteppich breit. Die Behörden warnen vor Kontakt mit dem Wasser.

   Die gute Nachricht zuerst: Ohne Blaualgen würde die Menschheit womöglich gar nicht existieren. Sie sind verantwortlich für die erste Sauerstoffproduktion auf dem Planeten und zählen auch zu den ersten photosynthetischen Organismen.

Nun die schlechte Nachricht: Blaualgen produzieren Cyanotoxine, die für Menschen, aber auch für Tiere wie Hunde und Katzen gefährlich sind. Bei Kontakt mit diesen Toxinen kann es zu akutem Hautausschlag kommen. Andere Folgen sind Magen-Darm-Krämpfe und Durchfall. Und wenn man akut einer sehr hohen Dosis ausgesetzt ist, können auch die Leber, das Gehirn oder aber die Nieren angegriffen werden.

Auf die Gefahr der Blaualgen weist auch der Zweckverband des Stausees Bitburg hin. Rund um das Gewässer wurden Warnschilder aufgestellt. Auf dem See hat sich nämlich wieder ein Blaualgenteppich breitgemacht. Es ist nicht das erste Mal, dass sich das gestaute Wasser der Prüm in eine grüne Brühe verwandelt.

Doch wie es scheint, verlagert sich dieses Ereignis im Kalender kontinuierlich ein Stückchen weiter nach vorne – eine Erfahrung, die man auch im benachbarten Luxemburg macht. Der dortige Stausee ist ebenfalls seit Jahren mit Blaualgen befallen. Weswegen dort in den vergangenen Jahren immer wieder ein Badeverbot erteilt wurde. Und das von Jahr zu Jahr immer früher.

Für den Stausee Bitburg gilt dieses Badeverbot ganzjährig. Tretbootfahren ist aber weiterhin erlaubt, Kanufahren auch.

„Das liegt nicht in unserer Verantwortung“, sagt Reinhold Kotz, zuständiger Mitarbeiter der VG-Verwaltung Bitburger Land. „Wir können nicht mehr tun, als auf die Gefahr hinzuweisen“, sagt er. Gegen die Entstehung und Verbreitung der Algen könne die Verwaltung beziehungsweise der Zweckverband auch nicht viel machen.

Die Blaualgen entwickeln sich vor allem bei viel Sonnenschein, wenig Regen und einer hohen Wassertemperatur. Dann steigen die pH-Werte in den Gewässern, was die Entwicklung der Blaualgen fördert. Und dann kann es ganz schnell gehen. Wenn im Gewässer viel Phosphor und Stickstoff ist, bilden sich in der oberen Wasserschicht Algenteppiche. Laut Strukturgenehmigungsdirektion (SGD) Nord sind für diese Entwicklung vor allem zwei Faktoren verantwortlich: die Landwirtschaft und die Abwassereinleitungen der Kläranlagen.

„Wenn ein Gewässer wenig oder gar nicht fließt, fördert das die Entwicklung der Blaualgen“, sagt Kreisfischereiberater Herbert Schneider. Im Stausee Bitburg sei das der Fall. Und weil es auch in der Mosel viele Staustufen gebe, habe man dort inzwischen ebenfalls mit dem Problem zu kämpfen.

Im Eifelkreis jedoch sei die Prüm bislang das einzige betroffene Gewässer. „In der Kyll und der Nims haben wir nichts“, so Schneider. Und auch zu einem Fischsterben sei es bislang Gott sei Dank noch nicht gekommen, so der Kreisfischereiberater.

Was Schneider allerdings nicht weiß und was auch von Seiten der Wissenschaft noch nicht zweifelsfrei belegt oder widerlegt werden konnte, ist die Frage, ob der Verzehr von Fischen aus Gewässern mit hoher Blaualgenkonzentration gefährlich sein kann. So gibt es unterschiedliche Studien und Meinungen dazu, inwieweit sich die Toxine auch in den inneren Organen der Fische anreichern können.

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