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Bleialf, Auw und Roth: Radikalschnitt, bevor die Eschen zerbrechen

Bleialf, Auw und Roth: Radikalschnitt, bevor die Eschen zerbrechen

Der Landesbetrieb Mobilität lässt in diesen Tagen rund 50 Eschen an der Straße zwischen Bleialf, Auw und Roth schlagen: Die Bäume sind von einem eingeschleppten Pilz befallen. Äste könnten brechen und herabstürzen.

Auw/Roth/Bleialf. Sie stehen an der Landesstraße 1, die durch die Schneifel führt - aber sie müssen weichen: Etwa 50 Eschen, die von einem vermutlich über Polen aus Indien eingeschleppten Pilz befallen sind, dessen Sporen sich über die Luft verbreiten.

Der Pilz befällt vor allem diese Baumart, von der lediglich ein Zehntel gegen ihn resistent zu sein scheint - und löst damit das sogenannte Eschentriebsterben aus (siehe Extra). Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Gerolstein hat dieser Tage damit begonnen, die Bäume an der Straße zwischen Auw, Roth und Bleialf abzuholzen - wie es bereits im vorigen Jahr im Landkreis Vulkaneifel geschehen ist (der TV berichtete).

Man müsse die Bäume fällen, sagt Bruno von Landenberg vom LBM. Seien sie einmal an dem Pilz erkrankt, gebe es bisher keine Heilmöglichkeit - es bleibe nur, "die Motorsäge anzusetzen".
Der LBM will damit auch verhindern, dass Äste auf Autofahrer oder auf Fußgänger stürzen. Nicht jedem passt diese Vorgehensweise: An die Stämmen der befallenen Bäume auf der Schneifel hat jemand bunte Stoffstücke geheftet - und DIN A 4-Ausdrucke an die Rinden getackert, in denen, in Reimform, darauf hingewiesen wird, dass doch nur die Triebe, also die frisch gesprossenen Zweige, zu beschneiden seien: weil es ja eben "Eschentriebsterben" und nicht "Eschensterben" heiße. Der Baumschützer fordert deshalb einen Pflegeschnitt anstatt des Kahlschlags. Außerdem wird, unter anderem, "O Tannenbaum" zitiert ("Dein Kleid will uns was lehren"). Die meisten Forstfachleute sehen das anders. Sie empfehlen derzeit, keine Eschen mehr zu pflanzen. Und weil "zurücksterbende Kronen bald anbrüchig werden, ist bei gegebenem Umfeld auf die Verkehrssicherung und Arbeitssicherheit zu achten", schreibt auch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Die Eschen bereiten nicht nur den Straßen-Verantwortlichen Sorge: "Das Problem haben wir im Wald gleichermaßen", sagt Peter Wind, Chef des Forstamts Prüm. Der Begriff "Eschentriebsterben", erläutert er, "verlockt vielleicht zu der Einschätzung: Wir entfernen die Triebe, und alles ist gut. Dem ist aber mitnichten so."

Das habe, leider, zur Folge, dass die Esche in der Region ein "nahezu todgeweihter Baum" geworden sei, ähnlich wie vor einer Reihe von Jahren nach einer massenhaften Erkrankung die Ulmen: "Auch da gab es kein Kraut, das dagegen gewachsen war." Deshalb finde man die Art kaum noch in der Eifel. Sei nun eine Esche, vor allem am Straßen- oder Waldwegrand, befallen, "dann müssen wir reagieren. Und das nicht nur zum Schutz der Waldbesucher, sondern auch der Leute, die im Wald arbeiten." Außerdem: "Wo ein Baum fallen muss, spricht nichts dawegen, wieder einen zu pflanzen", sagt Peter Wind. "Es wachsen ja dann wieder junge Bäume, die Jahrzehnte da stehen können."Meinung

Schön nicht, gut schon
Nach allem, was man weiß, sind die pilzbefallenen Eschen nicht zu retten. Also: Kahlschlag. Immer noch besser als ein Unfall wie vor einigen Jahren in Trier, als eine Passantin von einem morschen Baum erschlagen wurde. Denn dann würde es heißen: Warum haben die Behörden nichts getan? Jetzt tun sie etwas. Das ist vielleicht nicht schön. Aber richtig. f.linden@volksfreund.deExtra

Sie müssen weg: Eschen am Ortsrand von Bleialf und von Roth, auch wenn das nicht jedem gefällt. TV-Fotos (2): Fritz-Peter Linden Foto: (e_pruem )

Seit Beginn der 2000er Jahre erkranken bundesweit immer mehr Eschen an dem Pilz mit dem Namen Hymensocyphus pseudoalbidus, der vermutlich vom indischen Subkontinent stammt. Er befällt zunächst die Blätter, wandert dann von den Stielen weiter in die Zweige und den gesamten Baum. In der Folge brechen zunächst die Äste ab, bald stirbt, von der Krone herab, der ganze Baum in drei bis fünf Jahren. Nach bisherigem Stand der Wissenschaft fördern viel Regen und eine hohe Luftfeuchtigkeit die Fruchtkörperbildung und Freisetzung der Pilzsporen - so heißt es auf waldwissen.de, der Internetplattform der Forst-Forschungsanstalten von vier Bundesländern und weiterer Forschungsinstitute. fpl