Bleialf bekommt einen Hausarzt

Bleialf bekommt einen Hausarzt

Nach monatelanger Suche ist ein Nachfolger für Dr. Jürgen Graf in Bleialf gefunden: Ein 60-jähriger Allgemein-, Sport- und Notfallmediziner will sich zum 1. September 2007 dort niederlassen.

Seit Januar 2007 muss Dr. Horst Klein den Ansturm von Patienten aus etlichen Gemeinden rund um Bleialf allein bewältigen (der TV berichtete). Weil Dr. Jürgen Graf zum Jahresende in den Ruhestand ging und keinen Nachfolger hatte, steht dessen Praxis leer.16 Ortsbürgermeister der betroffenen Gemeinden schrieben einen Brandbrief an Behörden und Politiker. Bei einem Forum des Trierischen Volksfreunds in Winterspelt diskutierten hochrangige Vertreter von Ärzteschaft, Ministerium und Krankenkassen über Ursachen des Ärztemangels und sagten zu, Lösungsmöglichkeiten auszuloten.Ortsbürgermeister fahren nach Mainz

Konkrete Hoffnung kam vor gut drei Wochen auf, als ein 60-jähriger Interessent sich die Praxis von Dr. Graf anschaute. Inzwischen traf die erlösende Nachricht von seine Zusage ein: "Der Hausarzt will am 1. September in Bleialf anfangen", berichtet Bleialfs Ortsbürgermeisterin Edith Baur. Der Doktor der Medizin hat auch als Sportmediziner und Notfallmediziner gearbeitet. Er wolle seine Praxis aus dem bayerischen Seubersdorf in die Eifel verlegen, um unter anderem näher an seiner Heimat, dem Hunsrück, zu leben.In einem dreistündigen Gespräch stellte sich der Arzt auf Einladung von Edith Baur Vertretern der betroffenen Gemeinden vor. Alle hießen ihn herzlich willkommen. "Der Mann ist sehr geradlinig und setzt auf Kollegialität. Er will gerne Landarzt sein, Hausbesuche gehören für ihn dazu", schildert Baur ihre Eindrücke. "Wir sind froh, dass wir einen Arzt haben", sagt Hubert Tautges, Ortsbürgermeister von Winterspelt. "Wenn er gesund bleibt, will er noch zehn Jahre arbeiten." Aus Sicht von Baur genügend Zeit, um darauf hinzuarbeiten, dass junge Ärzte, die in der Eifel aufgewachsen sind, sich in ihrer Heimat niederlassen.Die Kassenärztliche Vereinigung will mit einer Stellungnahme zur jüngsten Entwicklung noch warten, bis der Arzt offiziell einen Antrag auf Zulassung in Bleialf gestellt hat.Unterdessen bereiten die Ortsbürgermeister weiter einen Besuch beim Gesundheitsministerium vor. Sie wollen "auf den Missstand hinweisen, dass junge Mediziner den Beruf des Landarztes nicht mehr als lukrativ ansehen und ins Ausland abwandern". Meinung Freuen und dranbleiben Auch wenn der neue Hausarzt erst im September in Bleialf anfängt: Endlich haben die Menschen in Schneifel und Islek wieder eine Perspektive für ihre medizinische Versorgung. Dr. Klein wiederum wird durch den neuen Kollegen entlastet. Dieser Glücksfall ändert freilich nichts an dem massiven strukturellen Problem des Ärztemangels in ländlichen Regionen, das inzwischen hinlänglich bekannt und analysiert ist. Alle Verantwortlichen müssen weiter daran arbeiten, dass solche Notlagen wie aktuell rund um Bleialf erst gar nicht auftreten oder andernfalls schnellstmöglich behoben werden. Deshalb tun die Ortsbürgermeister gut daran, sich zwar über die Verstärkung zu freuen, aber grundlegende und nachhaltige Reformen anzumahnen. m.hormes@volksfreund.de

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