Blick fürs Ungewöhnliche

GROSSLITTGEN. Unverwechselbar sein ist die Lebens- und Berufsphilosophie von Sylvia Bergmann-Böhmer, die seit Oktober 2003 als Selbstständige Webauftritte und Druckvorlagen für Werbung designt und alles rund um die grafische Gestaltung anbietet. Ihr besonderer Schwerpunkt allerdings ist die Fotografie.

Ihre ungewöhnliche künstlerische Begabung für alles, was mit Sehen und Gestalten zu tun hat, beweist die 39-jährige ehemalige Frisörin regelmäßig mit Ausstellungen ihrer Fotografien, so vor einiger Zeit im Wittlicher "Café am Markt". Dann zeigt sich, dass sogar ein Berufsunfall gute Seiten haben und etwas befreien kann, das zuvor nicht voll ausgelebt werden konnte. Denn Sylvia Bergmann-Böhmer ist zu ihrer jetzigen und wohl auch stimmigeren "Berufung" gekommen, weil ihre ursprünglich erlernte Tätigkeit für sie nicht mehr machbar war. "Ich fotografiere schon seit 30 Jahren, seit mehr als zehn Jahren beschäftige ich mich intensivst mit Computern - da lag es nah, nun das zu tun, was ich mit der ‚Frauenfabrik' mache", begründet sie ihre Wahl. Sie studierte in Fernlehrgängen Netzwerkmanagement und gelangte so zu einer hohen Professionalität als Webdesignerin, die sie auch unter den Bedingungen eines "home office" pflegt. "Ich brauche keine repräsentativen Räume, ich gehe sowieso selbst zu den Kunden hin, um sie vor Ort individuell zu beraten", setzt sie ihre Prioritäten, "und weil ich keine überflüssige Infrastruktur aufrecht erhalten muss, kann ich mich in jeder Hinsicht bestens auf die Auftraggeber einstellen."Der Name macht neugierig

Ermutigung, ihre "Frauenfabrik" zu machen, hat Bergmann-Böhmer von der Musikerin Anne Kaftan erhalten, die oft auch Modell für ihre Fotografien ist. Immer sind es ungewöhnliche Blicke auf Menschen, Gegenstände und Landschaften, die sie reizen - so stellte sie eine Schmuckkollektion im sanften morgendlichen Dunst über einem Schwimmbassin dar. Nicht nur, weil sie selbst gern schwimmt: "Ich mag nichts Vorgefertigtes", sagt die gebürtige Manderscheiderin von ihrem Beruf, "auch Entwürfe für Logos zeichne ich zuvor selbst, da gibt es nichts von der Stange." Dazu passt auch, dass sie sich selbst eher als Einzelkämpferin sieht, die in ihrem Job nicht auf Marketing durch Netzwerke setzt, sondern auf die nachhaltige Wirkung von Mund-zu-Mund-Propaganda. "Angst habe ich nicht im Beruf, denn ich weiß, ich mache nur das, was ich wirklich kann." Es sei eine wunderbare Erfahrung, eigenes Geld durch eigene Arbeit zu verdienen, aber ums Finanzielle allein gehe es ihr nicht. Viel wichtiger ist ihr die Intuition für Menschen, die sie beim Fotografieren leitet: "Das kommt schnell und aus dem ‚Bauch' heraus, ich komponiere die Aufnahmen nicht." Sehr viel rationaler geht sie an die Gestaltung der Internetseiten heran, "es muss die Navigation stimmen, überhaupt muss das Design in allen Details zum Auftraggeber passen". Die fragen schon mal nach, warum sie ihrer Existenz den Namen "Frauenfabrik" gegeben habe. "Eine harte Feministin bin ich wirklich nicht", antwortet sie lächelnd, "und ich arbeite natürlich auch nicht nur für Frauen." Aber sie habe die Erfahrung gemacht, dass der Name neugierig mache und unverwechselbar sei in der Region - beides Dinge, die ihr wichtig sind. Ihre Eigenwilligkeit hat ihr längst nicht nur regionale Kunden gebracht - zumeist kleinere Firmen. Große Betriebe im südlichen Rheinland-Pfalz oder Organisationen wie das Frankfurter Institute for Corporate Culture Affairs und andere sind auf sie aufmerksam geworden und beauftragen sie mit gestalterischer Professionalität für das Internet - zum Teil auch mit englischsprachigen Texten. Ihr zurückgezogener Standort mitten in der Eifel sei für ihre Arbeit völlig gleichgültig: "Schließlich kommt meiner Arbeit die Ruhe hier zu Gute."