Blutige Axt, keine Gewalt

KRUCHTEN. Kleiner Ort, großer Polizeieinsatz: Ein anscheinend gewaltbereiter Mann mit blutverschmierter Axt hat in Kruchten (Verbandsgemeinde Neuerburg) am Mittwoch eine große Polizeiaktion ausgelöst.

Mittwoch, später Nachmittag. Ein Polizeiauto nach dem anderen fährt durch Nusbaum. Ohne Blaulicht, ohne Martinshorn. Eine Anwohnerin wundert sich kurz. An eine mögliche Gewalttat denkt sie jedoch nicht. "Ich dachte eher, dass sie vielleicht zum Schießstand hier in der Nähe fahren. Das kommt öfter vor", sagt die Frau. Doch das Ziel der Polizisten ist nicht der Schießstand. Sie fahren noch knapp zwei Kilometer weiter, in den 400-Einwohner-Ort Kruchten. Dort postieren sie sich in der Nähe der Schule vor einem Wohnhaus. Hinzu kommen laut Aussagen von Anwohnern noch ein Hubschrauber, ein Krankenwagen und eine Hundestaffel. Insgesamt sollen rund 30 Polizeikräfte im Einsatz gewesen sein. Im Haus befindet sich zu diesem Zeitpunkt ein 54-jähriger Mann. Er soll mit einer blutverschmierten Axt und einer Schusswaffe in seiner Wohnung sitzen und drohe, andere zu erschießen. Laut der Aussage von Angehörigen seien noch Menschen im Haus. Aus Sorge, es könne etwas passieren, hatten die Angehörigen die Polizei in Bitburg verständigt. Der 54-Jährige, der von Leuten im Dorf als freundlicher und unauffälliger Mann beschrieben wird, ist der Polizei bereits bekannt. Am Abend zuvor waren Beamte nach Kruchten gerufen worden, weil der Mann in Zerstörungswut am Fahrzeug von Nachbarn drei Reifen zerstochen und anschließend das eigene Mobiliar demoliert hatte (der TV berichtete). Ob dieser Vorfall vielleicht ausschlaggebend für sein Verhalten am Mittwoch war, ist unklar.Beim Fluchtversuch festgenommen

Da die Polizei nicht einschätzen kann, wie aggressiv und möglicherweise gewaltbereit der Mann ist, werden Polizeikräfte angefordert, die sich zu diesem Zeitpunkt noch ganz in der Nähe befinden. Sie waren kurz zuvor an der Suche nach einem vermissten Vierjährigen bei Aach (Kreis Trier-Saarburg) beteiligt. "Das war ein glücklicher Umstand, dass sie gerade in der Nähe waren", sagt Monika Peters, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Trier. Zusätzlich werden noch Spezialeinsatzkräfte hinzugezogen. Gegen 18 Uhr verlassen zwei Besucher das Wohnhaus, das mittlerweile von Polizeikräften umstellt ist. Sofort werden sie von Beamten zu der Situation im Haus befragt. Sie wurden weder von dem Mann bedroht noch festgehalten. Ihrer Einschätzung nach geht von ihm keine Gefahr für Dritte mehr aus. Kurz darauf, mittlerweile ist es kurz vor 18.30 Uhr, bemerken die Polizisten, dass der 54-Jährige versucht, durch das Küchenfenster seiner Wohnung zu fliehen. Bei dem Versuch wird er festgenommen. Er ist angetrunken. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung finden die Beamten ein Beil, eine Axt mit Blutspuren und geringe Mengen Betäubungsmittel. Eine Schusswaffe wird jedoch nicht gefunden. "Woher das Blut an der Axt kommt, wissen wir zurzeit noch nicht. Eine verletzte Person oder gar eine Leiche gibt es nicht", sagt Pressesprecherin Monika Peters. Der 54-Jährige wird zunächst in Polizeigewahrsam genommen und dann auf Anordnung der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses eingewiesen. "Wir sind sehr froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, da man ja weiß, dass solche Geschichten auch anders ausgehen können", erklärt Monika Peters.