1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Blutige Kampfszenen in der Westeifel

Kriminalität : Blutige Kampfszenen in der Eifel

Wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag oder Beihilfe dazu müssen sich fünf Männer vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Trier verantworten.

Beleidigungen, Bedrohungen, ein blockiertes Auto, Schläge, schließlich Schüsse und Messerstiche – die Bilanz: mehrere Verletzte, darunter ein Schwerverletzter. Was sich am 7. März vor einem Haus in Echternacherbrück abgespielt haben soll, könnte einer mittleren Straßenschlacht mit bürgerkriegsähnlichen Szenen geglichen haben.

Tatort soll ein sonst ruhiges Sträßchen in dem Sauerort in der VG Südeifel gewesen sein. Möglicherweise ging es um Rauschgiftgeschäfte, doch das ist nicht Sache des nun laufenden Verfahrens.

Fünf Akteure von der „Angreiferseite“ befinden sich seither in Untersuchungshaft. Auch gegen einen der Angegriffenen wird ermittelt – er soll sich wohl virtuos mit Messern verteidigt haben.

Die fünf Angeklagten sitzen nun brav neben ihren Verteidigern und den zugeordneten Albanisch-Dolmetscherinnen im eigens dazu ummöblierten Schwurgerichtssaal. Der Raum zwischen dem Zuschauerbereich und der Kammer ist mit Tischen und Stühlen zugestellt. Es bleibt nur etwas Platz für den kleinen Zeugentisch.

Die Anklage von Staatsanwalt Benjamin Gehlen lautet auf versuchten Totschlag und Beihilfe dazu, gefährliche Körperverletzung und Bedrohung. Den bisher ermittelten Sachverhalt schildert der Ankläger wie folgt: Nach vermehrten Streitigkeiten mit dem Zeugen K. sollen die Angeklagten L.M. (32) und E.M. (35) beschlossen haben, K. aufzusuchen, um sich an ihm zu rächen. Zur Verstärkung sollten die Angeklagten R.M. (55), F.M. (50) und B. (23) mitkommen.

Am 7. März 2018 machte sich die fünfköpfige Truppe laut Anklage dann mit zwei Autos auf den Weg in den Wohnort von K. an der Sauer, wobei sich E.M. auch eine scharfe Pistole eingesteckt hatte. Dann näherte sich K. in seinem Auto der Ortschaft – mit bei ihm im Auto saßen die Zeugen B2. und I.. Der Wagen sei dann von den anderen mit ihren Autos ins „Sandwich“ genommen worden. Die Fahrt endete vor dem Haus des Zeugen B2, wobei man den Wagen des K. vorne und hinten so einkeilte, dass ein Wegfahren unmöglich war.

Die weitere Anklage gleicht dem Drehbuch für einen Actionfilm: Als K. ausstieg, wurde er sofort eingekreist und erhielt erste Schläge. Im Verlauf des weiteren Handgemenges soll E.M. die scharf geladene Pistole auf K. gerichtet und auf Albanisch gerufen haben: „Ich werde dich ficken!“ Ermuntert worden sei er vom Mitangeklagten R.M. mit dem Ruf: „Leg‘ diesen Wichser um!“ Auch die anderen drei Männer hätten den E.M. aufgefordert, auf K. zu schießen. E.M. habe daraufhin auf den inzwischen am Boden liegenden K. geschossen, ihn aber nicht getroffen.

Anschließend soll der Angeklagte R.M. mit einer zwei Meter langen Gardinenleiste aus Sperrholz, aus der mehrere 1,5 Zentimeter lange Schrauben herausstanden, auf K. eingeschlagen haben. Ein Stück Leiste sei dabei abgebrochen – das habe sich K. geschnappt, damit um sich geschlagen und R.M. getroffen. B2., der Begleiter von K., habe inzwischen aus seiner Wohnung zwei Küchenmesser mit 20 Zentimeter langen Klingen geholt. Damit habe er den Angeklagten R.M. attackiert und ihm vermutlich lebensgefährliche Stiche beigebracht. Seine später dazugekommene Freundin schildert als Zeugin die Fahrt ins Krankenhaus und seinen bedenklichen Zustand nach zweieinhalb Litern Blutverlust. Doch vor der Versorgung der Verletzten soll es zu weiteren Kampfhandlungen gekommen sein. Mit dem Ruf „Geht zur Seite! Lass mich diesen Hurensohn erschießen!“, habe EM. auf B2. „aus geringer Entfernung“ geschossen, ihn aber verfehlt. Dann soll der zweite Mitfahrer von K., der Zeuge I., „Polizei! Polizei!“ gerufen haben. Darauf habe E.M. zum Rückzug geblasen und mit den anderen den Schauplatz verlassen. Der angegriffene K. erlitt „multiple Prellungen an der Schädeldecke und im Gesicht sowie ein Hämatom am Auge“.

So weit der Fall aus Sicht der Anklage. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 7. Februar, 9 Uhr, fortgesetzt.