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Geichlingen: Wenn Maisfelder zur Gefahr werden

Umwelt : Geichlingen: Wenn Maisfelder zur Gefahr werden

Starkregenereignisse haben in der Vergangenheit Flüsse und Bäche über ihre Ufer treten lassen. Aber auch die Bodenerosion bei Maisfeldern kann großen Schaden anrichten, wie ein Ehepaar in der Eifel bereits erlebt hat.

  Die Bilder der Flutkatastrophe in der Eifel hat vermutlich noch jeder vor Augen. Unmengen von schlammigem Wasser hat Keller unterspült, ist in Häuser, Geschäfte und Gaststätten eingedrungen und hat eine Zerstörung riesigen Ausmaßes hinterlassen.

Bei Familie Meyers aus Geichlingen ist bei der jüngsten Katastrophe nichts passiert, doch im Jahr 2000 und 2018 waren auch sie betroffen.

Seitdem sei einiges unternommen worden, um das Haus und das Geschäft für Raumausstattung, das an einem Hang im Eifelort liegt, zu schützen. Es wurden Mauern gesetzt und Drainagen neu gezogen, um das Haus vor Schlimmerem zu bewahren. Dennoch befürchtet Sabine Meyers, dass das Haus wieder beschädigt werden könnte, wieder durch schlammiges Wasser. „Ich habe immer Panik, wenn ein Gewitter aufzieht“, sagt Meyers.

Und sie hat auch eine Vermutung, weshalb ihr Haus am Hang in Gefahr ist. Nach ihrer Meinung sind es vor allem die Maisfelder, die oberhalb der Wohnhäuser liegen, die für das schlammige Wasser sorgen. Meyers geht davon aus, dass die Böden bei Starkregen besonders leicht ausgewaschen werden und als Schlamm ins Tal gespült werden.

Sie und ihr Mann haben in dieser Sache mehrmals darauf aufmerksam gemacht und verschiedene Institutionen und Politiker angeschrieben, bisher aber noch keine befriedigende Antwort erhalten. Beide möchten sich weiterhin für eine andere Bepflanzung in der hügeligen Eifel starkmachen und wünschen sich eine mehrjährige artenreiche Bepflanzung, die für Biogas nutzbar ist.

Michael Horper, Vorsitzender des Kreisbauern- und Winzerverbands Bitburg-Prüm sieht das Problem nicht direkt beim Maisanbau. „Alle Ackerflächen sind bei solch einem Starkregen gefährdet“, sagt er. Das könne auch bei frisch eingesätem Grünland passieren. „Da muss in Zukunft noch mehr drauf geachtet werden“, sagt Horper. Er gehe davon aus, dass Dürreperioden und Starkregen weiter zunehmen und damit auch das Problem von der Erosion der Böden zunimmt. Und es sei doch auf jeden Fall im Interesse der Bauern zu verhindern, dass fruchtbarer Boden weggeschwemmt werde. Horper sieht auch die Versiegelung der Flächen als ein großes Problem an. Das sei eine große gemeinsame Aufgabe.

Bei der Bearbeitung der Böden sieht Horper ein vielschichtiges Problem. Denn verhindern oder zumindest vermindern könne man die Bodenerosion, indem nicht mehr tief gepflügt werde. Das würde aber wiederum Probleme aufwerfen. Denn dann gebe es mehr Unkraut und dagegen müssten Mittel eingesetzt werden, was aber eigentlich auch nicht gewollt sei.

Stephan Bell vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Eifel sieht wie Horper das Problem nicht allein beim Maisanbau. „Bei der Entstehung von Bodenerosion spielen viele Faktoren eine Rolle“, sagt er. Generell seien Kulturen mit großem Reihenabstand wie Mais, Rüben, Erdbeeren und Kartoffeln anffälliger. Je mehr Pflanzen auf einem Quadratmeter stehen, desto geringer sei die Gefahr der Bodenerosion. Auch der Zeitpunkt des Starkregenereignisses sei wichtig. Kurz nach der Aussaat seien die Flächen stärker betroffen. Ein weiterer Einflussfaktor sei die Bodenbeschaffenheit, schreibt Bell weiter. So seien zum Beispiel Böden mit hohem Anteilen an Steinen weniger erosionsgefährdet.

Es gebe keine direkte Regelung, die den Maisanbau auf gewissen Flächen verbietet. Allerdings gebe es Besonderheiten aus der Einstufung landwirtschaftlicher Flächen in Wassererosionsgefährdungsklassen. Bei der CCW1 Einstufung müssen laut Bell die Flächen überwiegend quer zum Hang bewirtschaftet werden, bei CCW2 Flächen sei das Pflügen beispielsweise nur zwischen dem 16. Februar und 31. Mai zulässig, wenn danach unmittelbar eine Aussaat erfolge. Weitere Einschränkungen könnten sich aus dem Wasserhaushaltsgesetz ergeben. Unter bestimmten Voraussetzungen müssten Flächen in Hanglage nahe eines Gewässers einen ganzjährig begrünten Striefen aufweisen.

Laut Bell gibt es Möglichkeiten, die Bodenerosion einzudämmen beziehungsweise zu verringern. Bei Mais speziell gebe es die Möglichkeit der pfluglosen Bodenbearbeitung, Mulchsaat, Engsaat, Direktsaat oder Zwischenfruchtanbau, um nur einige zu nennen. Das DLR führe aktuell mehrere Versuche durch, die im Herbst während einer Feldbegehung besichtigt werden könnten.

 Schlammiger Boden wird aus den Maisfeldern ausgespült. Foto: Sabine Meyers
Schlammiger Boden wird aus den Maisfeldern ausgespült. Foto: Sabine Meyers Foto: TV/Sabine Meyers

Thomas Konder, Pressesprecher der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm bestätigt, dass Maisfelder wegen der geringen Bodenbedeckung als besonders erosionsgefährdet gelten. Er schreibt aber auch, dass die Wahl der angebauten Kulturen grundsätzlich dem Landwirten frei stehe. Allerdings werde bei Anträgen für die Umnutzung von Grünland zu Ackerland die Untere Naturschutz- und Untere Wasserbehörde beteiligt. Bei der Prüfung werde die Bodenerosionsgefährdung geprüft und in Gefährdungsstufen eingeteilt, was dann mit bestimmten Auflagen einhergehe. Wie Konder weiter schreibt, könne die Bodenerosion durch das Anlegen von Blühstreifen, durch Dauerbegrünung mit Zwischenfrüchten sowie Verzicht auf Ackerbewirtschaftung oder Vorgaben bei der Pflugrichtung vermindert werden. „Rechtliche Möglichkeiten, den Maisanbau generell zu beschränken oder gar zu verbieten, gibt es nicht“, sagt Konder.