Böndeknöpp, Bätstrieh, Donnerkrout

Böndeknöpp, Bätstrieh, Donnerkrout

BITBURG/PRÜM/DAUN/WITTLICH. In der Eifel mit ihren zahlreichen Traditionen hat sich bis heute ein besonders schöner Brauch gehalten: die Segnung der Kräuter am Fest Mariä Himmelfahrt (15. August). Der so genannte "Krautwisch" findet nach der Segnung vielfache Verwendung in Haus und Stall.

Bereits seit einem Jahrtausend erteilt die Kirche am höchsten Marienfeiertag den Kräutersegen, und jedes Schulkind weiß: "Dan jet de Kroutwisch jesäänt." "Wisch" bedeutet mundartlich "Wedel" - also heißt das Kräuterbündel "Krautwisch". Es beinhaltet Heil- und Nutzpflanzen, die zu einem dicken Strauß gebunden werden. Die Zusammensetzung des Bündels ist je nach Region unterschiedlich: In der Nordeifel muss im Krautwisch Rainfarn und Beifuß sein, in der Vulkaneifel gehört die Königskerze als Marienpflanze dazu, im Schleidener Land Wiesenknopf ("Böndeknöpp") und Frauenflachs ("Bätstrieh"), und in der West- und Südeifel müssen Johanniskraut ("Donnerkraut") und Rackelspfeife ("Dreijrackelspeijf") dabei sein.Nutzpflanzen aus Feld und Garten

Auf jeden Fall beinhaltet ein richtiger Krautwisch Nutzpflanzen aus Feld und Garten: Gerste und Roggen, Weizen und Hafer, dazu Möhren, Petersilie, Zitronenmelisse und Lauch. Pfefferminze, Zinnkraut, Wermut, Konblume, Kornrade, Schafgarbe, Margerite, Kamille und Meisterwurz sind unabdingbare Bestandteile des "Wischs". Die Zahl der Kräuter war und ist bis heute umstritten: Einige Heimatforscher nennen sieben, neun oder zwölf (Adam Wrede), andere sprechen vom "Neunkräutersegen" (Heinrich Henrichs) oder von bis zu 72 Kräutern. In einigen Quellen ist sogar von 99 verschiedenen Kräutern die Rede. Auf jeden Fall soll nach Volkes Meinung im Krautwisch "des Sommers ganze Nähr- und Heilkraft" verkörpert sein. "An Gottes Segen ist alles gelegen", weiß der Volksmund, und so geht man sehr sorgsam mit der Vorbereitung des Bündels um. Vielfach suchte man bei der "Bestellung" des Krautwischs nach "heiligen Zahlen" und religiöser Symbolik. Der Krautwisch der West- und Südeifel ist ein kleines floristisches Kunstwerk. Dazu ergießt sich ein pralles Aroma aus dem Strauß, das sich mit dem der vielen anderen Sträuße in der Kirche vermischt. Der Pfarrer segnet während des Gottesdienstes die Bündel mit Weihwasser und spricht ein Gebet. Nach alter Überlieferung gelten die geweihten Kräuter und Nutzpflanzen als heilsam gegen Krankheiten und Unwetter. So legte man früher beim Neubau Zweiglein unter die Schwelle von Haus und Stall. Bei Gewitter verbrannte man Johanniskraut, das auch "Donnerkraut" heißt, im Herd, um die Blitzgefahr abzuwenden. Dazu zündete man Kerzen an und läutete die Kirchenglocken. Außerdem wurden geweihte Körner aus den Ähren des Getreides unter das Saatgut gemischt, andere Teile des Krautwischs wurden an Stalltiere verfüttert. Auch den häuslichen Arzneien setzte man Kräuter zu, um deren Heilwirkung zu verstärken. In der Westeifel stellte man auch einen "Kräuter-Aufguss" her, der getrunken wurde. Bis heute wird das häusliche Kruzifix mit Blumen aus dem geweihten Strauß geschmückt. Weiterhin werden Teile des Krautwischs im Stall, in der Scheune und im Schuppen aufgehängt. Schließlich bedachte man die Verstorbenen mit einem "Kreuz aus Krautwisch", ist aus Kronenburg überliefert. In Lissingen legte man ganze Sträuße neben Kreuz und Rosenkranz mit in den Sarg. Im Brauch des Krautwischs und des "Palmwischs", der am Palmsonntag gesegnet wird, zeigt der Christ seine Verbundenheit mit der Natur und ihrem Schöpfer. "An Gottes Segen ist alles gelegen" - dieser Spruch zierte auch so manchen Küchenschrank in alten Bauernhäusern.

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