Bollendorf schafft Platz für Gäste

Bollendorf schafft Platz für Gäste

Bollendorf ist nicht nur der größte Ort der Verbandsgemeinde Irrel, sondern gilt auch als der touristisch bedeutsamste. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wird derzeit für rund 920 000 Euro das ehemalige Verwaltungshaus der Abtei Echternach als Tourismus-Zentrale umgebaut.

Bollendorf. "Anno 1723" steht auf dem braun gestrichenen Türsturz aus Sandstein. Das "Haus Eckertz" hat also bereits 287 Jahre hinter sich. "Und abgesehen von der Burg ist es somit das älteste Haus in Bollendorf", sagt Ortsbürgermeister Hermann Schmitz. Seine Gemeinde hat das Anwesen, das einst von der Abtei Echternach als Herrenhaus errichtet wurde, vor einigen Jahren gekauft, um dort eine Anlaufstelle für Touristen zu schaffen. Bislang dient dafür das alte Zollhäuschen an der Sauerbrücke, doch für die Gemeinde ist das seit langem eher eine Zumutung als ein touristisches Angebot.

Für rund 920 000 Euro soll deshalb das "Haus Eckertz" umgebaut werden. 556 000 Euro davon werden von der EU und vom Land bezuschusst, und mit weiteren 25 000 Euro ist die Verbandsgemeinde (VG) Irrel beteiligt. Die restlichen knapp 340 000 Euro übernimmt Bollendorf. "Wir müssen dafür natürlich einen Kredit aufnehmen", sagt Schmitz, doch angesichts der Tatsache, dass der Haushalt der 1630-Einwohner-Gemeinde die vergangenen Jahre fast immer ausgeglichen gewesen sei, werde Bollendorf die Investition verkraften. "Wir dürfen jetzt nur kein Problem mit dem Schwimmbad bekommen", fügt er hinzu, sonst werde es schwierig.

Von einer "berechtigten Investition in die Zukunft" spricht auch Irrels VG-Chef Moritz Petry, der davon ausgeht, dass die Bauarbeiten bis Ende 2011 abgeschlossen sind. Es sei wichtig, dass die Tourismus-Zentrale dort eingerichtet werde, wo auch die meisten Urlauber hinkämen, und das sei in Bollendorf zweifelsohne der Fall, fügt Petry hinzu.

Und deshalb wird das "Haus Eckertz" nach seiner Fertigstellung nicht nur das örtliche Fremdenverkehrsbüro beheimaten, sondern als Mieter auch die zentrale Tourismus-Geschäftsstelle der VG. Diese ist derzeit noch in Irrel untergebracht, soll aber zukünftig dann im ersten Stock des denkmalgeschützen Anwesens ihren Platz finden.

Geschützte Fledermäuse sollen Unterschlupf finden



In dieser Etage hat bis vor kurzem auch ein altes Holzparkett im Fischgrätmuster gelegen, das sorgsam entfernt wurde und nach dem Umbau wieder eingefügt werden soll. Auch die Innenwände bleiben weitgehend erhalten, sodass sich an der derzeitigen Raumaufteilung nicht viel ändert. Das sei insofern auch nicht nötig, weil die Räume, Flure und auch das Treppenhaus seinerzeit bereits großzügig geplant worden seien, wie Gemeinderatsmitglied Kurt Allar erklärt. "Das wurde der Würde des Hausherrn angepasst" und sei kein Vergleich zu herkömmlichen Bauernhäusern dieser Zeit.

Was jedoch komplett erneuert wird, ist neben den Fenstern das Dach. Zwar würden dabei die neuen Dachgauben in gleicher Größe und an gleicher Stelle eingefügt werden, wie es derzeit der Fall ist, sagt Schmitz, doch werde sich die Aufteilung der Dachgeschosse ändern. Derzeit sind dort nämlich zwei Speicher-Etagen. Und diese wird es auch weiterhin geben, nur dass die untere Dachetage deutlich höher und die darüber liegende umso niedriger wird.

Grund dafür sind Vertreter der Breitflügel-Fledermaus, die sich bereits vor dem Umbau dort eingenistet hatten, unter Naturschutz stehen und deshalb von dort auch nicht vertrieben werden dürfen (der TV berichtete). Das werden sie durch den Umbau zwar zwangsläufig, doch soll der neue obere Dachspeicher ausschließlich als Unterschlupf für diese geschützten Tiere dienen. Extra Hohe Übernachtungszahlen: Laut Statistischem Landesamt Rheinland-Pfalz wurden in der Verbandsgemeinde Irrel im vergangenen Jahr rund 52 000 Gäste registriert. Bei insgesamt 155 612 Übernachtungen lag die durchschnittliche Verweildauer somit bei drei Tagen. Die Hälfte der Gäste (26 223) wurde dabei allein im Luftkurort Bollendorf gezählt, und dementsprechend hoch ist auch die Zahl der in der Gemeinde erfassten Übernachtungen, die bei 84 940 liegt. Zum Vergleich: In Bitburg, wo mit dem Hotel Eifelstern die bettenreichste Einrichtung (nach eigenen Angaben rund 1000 Übernachtungsmöglichkeiten) in ganz Rheinland-Pfalz steht, wurden 2009 insgesamt 136 359 Übernachtungen registriert, also knapp 60 Prozent mehr als in Bollendorf. (uhe)