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Bollwerk, Kunstwerk, Biotop

Bollwerk, Kunstwerk, Biotop

Denkmal, Kunstwerk, Biotop und Begegnungsort: Der Westwall hat unterschiedliche Gesichter. Der Naturpark Nordeifel und weitere Akteure in der Region und den Nachbarländern wollen gemeinsam daran arbeiten, die Bunker und Höckerlinien ins Bewusstsein der Besucher zu rufen.

Düsteres Denkmal in schönster Eifelnatur: Der Westwall, das entgegen der NS-Propaganda am Ende doch sehr bezwingbare "Bollwerk" gegen die alliierten Streitkräfte des Zweiten Weltkriegs, zieht nach wie vor die Besucher an.

So war es auch vor gut einer Woche, als in der Schneifel rund 70 jugendliche und erwachsene Teilnehmer Bunker, Höcker und Natur rund um den Westwall-Wanderweg erkundeten, unter der Leitung von Ernst Görgen, dem Geschäftsführer des Naturparks Nordeifel in Prüm. Zu den Ausrichtern gehörten auch der Eifelverein und die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Hillesheim.

Die Wanderung beweist: Das Interesse an dem ehemals 630 Kilometer langen Bauwerk ist hoch. Und das wollen die genannten und weitere Institutionen nutzen, um weitere Angebote und Projekte zu entwickeln. Zum Beispiel auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) mit seiner Aktion "Grüner Wall im Westen".

Der Bund setzt sich für die Erhaltung der Bunkeranlagen ein, weil sich dort in den vergangenen Jahrzehnten eine Reihe von Biotopen mit teils seltenen Tieren und Pflanzen entwickelt hat. "Wildkatze und Fledermäuse, seltene Moose und Flechten erobern diese feuchten Lebensräume", sagt Anne-Ruth Windscheif vom Eifelverein Hillesheim. Die KEB in Hillesheim organisierte wiederum im Herbst eine große Ausstellung zum Westwall (der TV berichtete über beide Projekte).

Auch die Parks bleiben am Thema. Görgen: "Wir selbst sind dabei, ein Netzwerk Westwall ins Leben zu rufen." Dort sollen alle Nachbar-Naturparks in der deutschen Eifel, in Belgien und Luxemburg dabei sein.

Im Prinzip sollen aber nicht nur die genannten Einrichtungen, sondern auch die Museen am Westwall und schlicht alle, die sich mit dem Thema beschäftigen, künftig noch besser zusammenarbeiten, "damit nicht jeder für sich das Gleiche tut", sagt Görgen. "Das Projekt ist offen für jeden, der dazugehören möchte."

Nächstes Vorhaben: die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Beton-Monument. Nach einem Kolloquium mit Künstlern und Historikern im Vorjahr soll im Herbst ein Symposium folgen. Zwölf bildende Künstler sollen dazu eingeladen werden, jeweils vier aus Belgien, Deutschland und Luxemburg. Dafür will der Naturpark beim Land und der EU Förderung beantragen, die Zielvorstellung seien rund 160 000 Euro. "Aber wir wissen noch nicht, wie weit das Land mitgeht."

Kurator des Symposiums ist der Winterspelter Bildhauer Werner Bitzigeio. In seinem Projektentwurf wird deutlicher, was er sich von dem Vorhaben verspricht: zum Beispiel "Ereignis- und Kunstinseln", die die Region auch touristisch aufwerten. Und sie sollen Wahrnehmungs-Grenzen verschieben, an einer der "extremsten Materialisierungen von Grenzen" überhaupt.

Einige der bei diesem Symposium entstehenden Werke sollen dann fest am Westwall installiert, andere können an wechselnden Standorten positioniert werden. Außerdem will man während der drei Wochen auch Aktionen für kunstinteressierte Laien anbieten.

Kurz: Am Westwall ist noch einiges zu erwarten. "Wir sind gespannt wie die Regenschirme", sagt Görgen. "Weil wir ja noch nicht wissen, was uns die Künstler anbieten werden."

Extra

Mehr zum Westwall und weitere Termine: Ernst Görgen beim Naturpark erreicht man unter Telefon 06551/985755. Sehr empfehlenswert sind auch die Website und die Führungen des Westwallzentrums Eifel, betrieben von Peter Drespa aus Dahlem. Adresse: www.westwallzentrum.de Beim Bund Trier-Saarburg betreut Simone Schneider das Projekt "Grüner Wall im Westen". Sie ist erreichbar unter Telefon 0651/48455, oder per E-Mail an: simone.schneider@bund-rlp.de Eifelverein und KEB Hillesheim bieten am Sonntag, 20. März, wieder eine Exkursion zu Westwall-Anlagen bei Hallschlag und Kehr an. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Rathaus Hillesheim. Informationen unter www.forum-hillesheim.de. (fpl)

Meinung

Das Gute im Schlechten

Naturschutz, Eifelverein, KEB, Museen und Einzel-Initiativen: Der Westwall bringt sie alle zusammen. Und wird, wenn die Vorhaben gelingen, immer mehr zu einem Ort, an dem man lernen und erleben, an dem man Geschichte, Kunst und Natur erfahren kann. Die Bauherren des monumentalen Unsinns hatten die schlechtesten Absichten. Die heutigen Aktivisten zeigen, dass man trotzdem etwas Gutes daraus machen kann. fp.linden@volksfreund.de