Bonus für den Bürgerbus

Neue Wege im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): Um die Mobilität auf dem Land - besonders für ältere Menschen - zu verbessern, plädiert die Landesregierung dafür, neben dem Regelverkehr auf flexible Lösungen wie Bürgerbusse zu setzen. Der Einstieg soll durch Beratung und massive finanzielle Unterstützung erleichtert werden.

Hillesheim. Die Frage des Moderators an einen der Verkehrsexperten beim Forum ländlicher Raum, das in Hillesheim tagte und sich mit Fragen des ÖPNV beschäftigte, traf den Nagel auf den Kopf. "Wie die Anreise von Berlin nach Hillesheim war? Dafür, dass ich sie fast nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unternommen habe, hat sie eigentlich ganz gut geklappt. Nur das letzte Stück vom Bahnhof zum Hotel bin ich dann doch mit dem Taxi gefahren, weil ich ansonsten gut eine Stunde verloren hätte."

Das sagte Martin Schiefelbusch, ein bundesweit tätiger Verkehrsplaner. Zeitverluste von einer Stunde oder mehr (weil der Bus oft nur morgens vom Dorf in die Stadt und erst am späten Nachmittag zurückfährt) nehmen die Menschen auf dem Land meist billigend in Kauf. Um die Mobilität auf dem Land zu verbessern, hatte Schiefelbusch viele Ideen - darunter auch unkonventionelle - im Gepäck.

Sie reichen von "mit dem Briefträger fahren" bis zu der Forderung "Nachbarschaftshilfen institutionalisieren". Sein Tipp für diejenigen, die einen Bürgerbus einrichten wollen: "Bedarf ermitteln, Konzept erstellen, Kümmerer finden."

Ein solcher Kümmerer ist Jose Miguel Rivera Zuniga, Seniorenbeauftragter und Ansprechpartner für den Bürgerbus Roderich, einen Neunsitzer, der seit 13 Jahren fährt: von Montag bis Freitag im Stundentakt von den Außenbezirken und angrenzenden Dörfern zum Einkaufszentrum in der Stadtmitte. "Wir haben durchschnittlich 35 Fahrgäste am Tag", sagte Zuniga, der auch anderen Mut für ein solches Projekt machte. Schließlich trägt sich der Bus dank ehrenamtlicher Fahrer sowie Sponsoren von selbst. Und der Bedarf - vor allem im ländlichen Räum - nimmt angesichts der alternden Gesellschaft zu.

Das unterstrich auch Lothar Kaufmann vom Verkehrsministerium in Mainz. Er sagte: "Wir werden verstärkt über flexible Angebote nachdenken müssen und setzen da auch auf das Ehrenamt der Bürger." Denn mehr kleine Busse einzusetzen als einen großen ist angesichts der Lohnkosten nicht bezahlbar.

Dennoch unterstützt das Land solch flexible Lösungen wie Bürgerbusse mit Zuschüssen und durch Beratung. In den ersten zwei Jahren werden 50 Prozent des Defizits übernommen, im dritten Jahr 40 Prozent und in den Folgejahren 30 Prozent. Während es landesweit bereits drei dieser Busse gibt und weitere in Planung sind, ist die Region Trier diesbezüglich noch ein weißer Fleck auf der Landkarte.

Erste Interessenbekundungen von Bürgermeistern aus der Eifel gab es aber bereits in Hillesheim. Hillesheims Stadtbürgermeister Matthias Stein (CDU): "Ich denke, wir werden jetzt mal schauen, wie groß der Bedarf ist und dann unsere Überlegungen nach einem Stadtbus, der auch die angrenzenden Dörfer anfahren könnte, demnächst noch mal aus der Schublade holen."

Meinung

Anpacken!

Die Ideen, Fördermöglichkeiten und bereits funktionierende Projekte, die die Verkehrsexperten vorgestellt haben, sollten Anreiz für so manchen Bürgermeister in der Eifel sein, das Thema Mobilität auf dem Lande offensiv und umgehend anzugehen. Der Bedarf ist vielerorts da, und es ist dank der Unterstützung beileibe keine Hexerei, einen Bürgerbus zu installieren. m.huebner@volksfreund.de