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Brand zerstört Existenz eines Landwirts

Brand zerstört Existenz eines Landwirts

Der Brand in einem Nebengebäude eines Bauernhofs in Hersdorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) am vergangenen Montag hat schlimme Folgen nach sich gezogen. Zwar konnten die Wehrleute das Feuer rasch löschen, doch durch den Qualm, der in den angrenzenden Stall gezogen ist, haben die dort angebundenen Kühe und Rinder Rauchvergiftungen erlitten, die meisten mussten eingeschläfert werden.

Robert Schönecker, Landwirt aus Hersdorf, ist noch ganz mitgenommen. Am Montagmorgen vor einer Woche hat es auf seinem Hof gebrannt. Durch das Feuer in einem Maschinenraum haben sich giftige Gase entwickelt, die in den angrenzenden Viehstall gezogen sind. Vier Tiere waren sofort tot. In den folgenden Tagen musste der Tierarzt weitere 27 Tiere einschläfern.

Polizeioberkommissar Peter Pannen vermutet, dass ein technischer Defekt an der Melkkühlung das Feuer verursacht haben könnte.
Bemerkt hatte den Brand gegen 5.30 Uhr die Trägerin des Trierischen Volksfreunds. Zu der Zeit schlief Robert Schönecker noch. "Sie hat so lange Sturm geklingelt, bis ich an der Tür war", sagt er. Die Hersdorfer Feuerwehr war sofort zur Stelle. Doch die angebundenen Tiere im Stall konnten sie nicht befreien, da sie nicht über die dafür notwendigen Atemschutzgeräte verfügen.

Zusammen mit den später anrückenden Wehren aus Prüm, Schönecken und Wallersheim, die mit Atemschutzgeräten ausgestattet sind, hatten sie das Feuer schnell unter Kontrolle. Sie konnten einen Übergriff der Flammen auf das nahe gelegene Wohnhaus verhindern. Doch für die Tiere kam da schon jede Hilfe zu spät.

Das ist bitter für Robert Schönecker, der die folgenden Tage mit ansehen muss, wie von seinen insgesamt 52 Kühen und Jungtieren nur 21 das Unglück überleben. Den 38-Jährigen, der auch Wehrleiter in Hersdorf ist, treibt die Frage um, ob man seine Tiere hätte retten können, wenn seine Leute, die zuerst am Einsatzort eintrafen, auch in den Stall hätten gehen können. Nach seinen Angaben hat Hersdorf zwar acht ausgebildete Atemschutzträger (laut VG sind nur sechs registriert). Doch die Hersdorfer Wehrleute haben leider keine Atemschutzgeräte. Das beschäftigt auch Landwirt Bernhard Schaal, den das Schicksal seines Nachbarn sehr mitnimmt. "Das ist jetzt der zweite Fall innerhalb von zwei Jahren, wo die Feuerwehr die Atemschutzgeräte gut hätte einsetzen können", sagt er. "Stattdessen stehen die vor verschlossenen Türen und können nicht eingreifen."

"Atemschutzgeräte hätten uns den Einsatz auf jeden Fall sehr erleichtert", sagt Michael Büchel, der auch beim Einsatz mit dabei war. "Wir hätten großes Interesse daran, zumal wir junge Anwärter haben, die bereit sind, die entsprechenden Lehrgänge zu machen."

2012 hatte die Wehr in Hersdorf ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) bekommen. Theoretisch ist das auch mit Atemschutzgeräten bestückt.

Doch da in Schönecken ein Feuerwehrstützpunkt eingerichtet ist, haben die Schönecker auf ihrem Fahrzeug acht Geräte. "Das ist bei uns klar eingeteilt in Risikoklassen, wo wir Atemschutzgeräte vorhalten und wo nicht", erklärt Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm. Da nutzte es auch nichts, dass die Hersdorfer Geld gesammelt hatten, um sich an der Anschaffung solcher Geräte zu beteiligen. "Die Geräte müssen nach jedem Einsatz und jeder Übung gewartet werden. Das zieht Folgekosten nach sich. Wir verstehen die Wünsche der Feuerwehrleute, aber es gibt nur gewisse Kapazitäten und die Planungshoheit hat die VG", sagt Peter Hillen, der bei der VG Prüm für das Feuerwehrwesen zuständig ist. Er bedaure, dass das Vieh erstickt ist. Aber: "Das Risiko, in den dunklen und verqualmten Raum zu gehen, um die Tiere loszubinden, die in Panik sind, wäre viel zu groß für die Männer gewesen", sagt Hillen.

Laut Oliver Thömmes, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands des Eifelkreises Bitburg-Prüm, haben die Hersdorfer nicht zwingend das Anrecht auf Atemschutzgeräte, auch wenn sie ein TSF haben. "Natürlich ist es enorm frustrierend, wenn bei so viel ehrenamtlichem Engagement das nötige Gerät nicht vorhanden ist." Wenn auch die Entscheidung der VG letztendlich nicht anfechtbar sei, . "bleibe vor Ort das Gefühl, am falschen Ende gespart zu haben." Robert Schönecker ist zwar versichert, aber er überlegt sich jetzt, ob er noch weitermachen soll: "Die Aussichten für Landwirte sind momentan zu schlecht", sagt er.Meinung

Bittere PilleHätten die Hersdorfer Wehrleute mit Atemschutzgeräten die Kühe und Rinder noch rechtzeitig retten können? Oder hatten die Tiere bereits zu viel vom giftigen Rauch eingeatmet. Man weiß es nicht. Dass der Frust bei den Feuerwehrleuten groß ist, kann wohl jeder nachvollziehen. Natürlich ist es bitter, gut ausgebildete und motivierte Leute zu haben, aber nicht das passende Material dazu. Doch die Ausstattung der Wehren plant die VG nicht willkürlich, sondern legt mehrere Kriterien zu Grunde. Umso wichtiger ist, dass die Wehren zueinander einen guten Draht haben. Das größte Pfund in den Dörfern ist vor allem die Bereitschaft vieler Männer und Frauen, für dieses Ehrenamt viel Zeit zu opfern. s.glandien@volksfreund.de