Brandstiftungen in Waxweiler: Und immer wieder soll der 75-Jährige gezündelt haben

Trier/Waxweiler · Vor dem Landgericht Trier muss sich von morgen an ein 75-jähriger Eifeler verantworten. Die Anklage wirft ihm mehrfache schwere Brandstiftung in Waxweiler vor. Aufmerksame Bürger verhinderten meist größeren Schaden.

Gemeindehaus, Leichenhalle, Dechant-Faber-Haus: Es waren immer wieder gemeinschaftliche Einrichtungen in Waxweiler, die in den Jahren 2012, 2013 und zuletzt im April 2014 zu Zielen eines Brandstifters wurden. In allen Fällen konnten die Brände rechtzeitig gelöscht werden, bevor sie erheblichen Schaden anrichteten.
Die Kriminalpolizei Wittlich ermittelte nicht zuletzt aufgrund von Zeugenaussagen den mutmaßlichen Täter: einen 75 Jahre alten Mann "aus der Gegend", wie Andreas Klein, Medienreferent des Landgerichts Trier, auf TV-Anfrage sagt.
Morgen beginnt der Prozess gegen den Mann. Die Staatsanwaltschaft Trier wirft ihm schwere Brandstiftung vor. Denn auch wenn niemand zu Schaden gekommen sei: Ziel der Taten waren immer wieder auch Gebäude, in denen sich zumindest zeitweise Menschen aufhalten - das macht, laut Paragraph 306 im Strafgesetzbuch, den Unterschied aus zur "einfachen" Brandstiftung, die sich nur gegen fremdes Eigentum richtet.
Die ersten Feuer wurden an drei Tagen im Frühjahr und Sommer 2012 gelegt: Direkt vor der Fassade des Gemeindehauses, so einer der Vorwürfe, habe der Mann Äste, Papier und Plastikmüll aufeinandergeschichtet und angezündet. Die Brände wurden von Gemeindemitarbeitern entdeckt und gelöscht, bevor sie auf das Haus übergreifen konnten. Klaus Juchmes, bis Mai Ortsbürgermeister von Waxweiler, erinnert sich daran: Der Gemeindearbeiter habe ihm davon erzählt, er selbst habe die Angelegenheit dann gleich an die Verbandsgemeinde gemeldet. Der Angeklagte, sagt Juchmes, sei im Dorf bekannt, "auch durch das Zündeln".
Gleiche Methode, anderes Ziel: Im Oktober und November 2012 und im Februar 2013 brannten erneut Papier und Müll, zweimal vor der Holztür zur Toilettenanlage der Leichenhalle von Waxweiler, einmal an der Tür zum Geräteraum. Ein Zeuge erwischte den Mann damals und brachte ihn dazu, die Feuer selbst zu löschen, was dieser aber nur "widerwillig" getan habe, wie es in der Anklageschrift heißt.
Im vorigen Jahr soll der 75-Jährige dann wieder in der Nähe des Gemeindehauses zunächst an einer Bachböschung Feuer gelegt und am gleichen Tag erneut direkt am Gemeindehaus Reisig und Äste angezündet haben. Auch dieses Feuer wurde entdeckt und gelöscht, bevor das Gebäude in Brand geriet.
Zuletzt soll er im April 2014 versucht haben, eine Altpapiertonne unmittelbar am Dechant-Faber-Haus in Brand zu stecken.
Ein wesentlicher Gegenstand der Verhandlungen dürfte die Frage sein, ob der Mann schuldfähig ist: Man gehe derzeit davon aus, dass bei dem Angeklagten eine seelische Störung vorliege, sagt Andreas Klein, Klärung darüber soll ein Gutachten liefern. Deshalb sei der Mann auch nicht in Untersuchungshaft, sondern seit April in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht.
"Wenn er an einer krankhaften seelischen Störung leidet, kann er nicht verurteilt werden", sagt Andreas Klein. Allerdings müsse dann geklärt werden, ob der Mann weiterhin gefährlich sei. In diesem Fall könne er dauerhaft in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden. Bei schwerer Brandstiftung und im Falle einer nachgewiesenen Schuldfähigkeit droht dem Angeklagten hingegen eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren.
Das Landgericht hat für den Prozess drei weitere Verhandlungstermine im November und Dezember angesetzt.