Brauchtum: Krautwische binden in Waxweiler und Neuerburg

Bräuche in der Eifel: Auf ins Gelände - zum Kräutersuchen : Segensreich: erst raus ins Gelände, dann nach Haus mit Gebinde

Mariä Himmelfahrt in gut zwei Wochen ist auch Krautwisch-Zeit – mit zwei Angeboten von Fachfrau Rosi Moser Mitte August in Waxweiler und Neuerburg.

Etwas mehr als zwei Wochen noch, dann ist wieder Mariä Himmelfahrt – am Donnerstag, 15. August. In der Eifel ist das auch die Zeit der Krautwische: jener Gebinde aus gesammelten Kräutern, die anschließend geweiht und nach Hause mitgenommen werden.

Denn, so zitiert Krautwisch-Fachfrau Rosi Moser aus Olmscheid eine betagte Dame aus der Eifel: „Mat dem Kroutwesch tret ma de Säjen ant Hus.“ Mit dem Krautwisch also trage man den Segen ins Haus.

Die Gebinde bestehen immer aus mindestens neun Kräutern, darunter sind etwa eine Königskerze (die gehört stets in die Mitte), Minze, Estragon, Schafgarbe, Natternkopf, Dahlie, Melisse, Salbei, Ringelblume, Fenchel, Ampher und die gängigen Getreidearten. Bis zu 100 Kräuter kann man in der Eifel finden und auch in einen solchen Strauß einbauen.

Rosi Moser bietet auch diesen Sommer wieder zwei Termine zum Kräuterbinden an, bei denen jeder mitmachen kann: Der erste davon ist am Donnerstag, 15. August, 17 Uhr, an der Mariensäule in Waxweiler. Mitbringen muss man nichts, Rosi Moser besorgt die Kräuter. Bei schlechtem Wetter wird die Aktion an die Kirche verlegt. Im Anschluss werden die Krautwische in einer Messe gesegnet. Die Teilnahme ist kostenlos: „Den Segen kann man nicht versilbern“, sagt Rosi Moser und lacht.

Am Samstag, 17. August, werden im Neuerburger Seniorenheim Berghof von 10 Uhr an Krautwische gebunden. Auch dort ist die Teilnahme kostenlos, auch dort kann jeder dabei sein, das Angebot richtet sich nicht nur an die Bewohnerinnen: „Gäste sind immer willkomen“, sagt Rosi Moser. Auch in Neuerburg werden die Krautwische gesegnet, in einer Andacht im Anschluss.

„Beim Kräutersammeln“, sagt die Expertin, sollte man sich unterdessen bewusst sein, „dass die Natur kein Selbstbedienungsladen ist, in dem man sich unbegrenzt bedienen kann.“ Man solle ihr stattdessen mit Respekt begegnen: Die Kräuterweihe sei ein Zeichen für die Wertschätzung der Schöpfung.

Der Ursprung des Brauchs, wie so vieler anderer auch, geht weit zurück in die vorchristliche Zeit. Mit den Kräuterbüscheln ehrten bereits die Kelten ihre Gottheiten. Im Jahr 751 stellte die Kirche die Kräuter unter den Segen Marias.

Getrocknet waren die Sträuße früher ein wesentlicher Teil der Hausapotheke, so wurden etwa bei Erkrankungen Teekräuter aus dem Strauß genommen, kranken Tieren mischte man Kräuter ins Futter und gab gesegnete Ähren ins Saatgut. Gestorbenen Angehörigen gab man die Kräutersträuße auch mit ins Grab.

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