Breitband für alle

Rund 17 Millionen Euro werden derzeit in den Breitbandausbau im Eifelkreis investiert. Nachdem die ersten Gemeinden bereits mit schnellerem Internet versorgt wurden, hat der Kreis nun mit der Telekom Kooperationsverträge für weitere 33 Gemeinden und Ortsteile unterzeichnet. Insgesamt sollen 162 von dem durch EU, Band und Land geförderten Projekt profitieren.

Bitburg. Als vor gut fünf Jahren eine Bestandsaufnahme gemacht wurde und das Ergebnis dieser Erfassung auf eine Karte übertragen wurde, war das Ergebnis recht ernüchternd. Denn überall dort, wo 80 Prozent der Haushalte mit weniger als zwei Megabit pro Sekunde durchs Internet surfen mussten (zum Vergleich: in Bitburg sind es aktuell bis zu 100 Megabit), waren rote Flächen eingezeichnet. Und die dominierende Farbe auf dieser Karte war ganz klar rot. Mit vielen dunkelroten Punkten dazwischen. Und die Punkte stehen für Orte, in denen die Versorgung noch schlechter war. Dass Handlungsbedarf bestand, daran gab es keinen Zweifel. Weshalb der Eifelkreis die Breitbandinitiative ins Leben rief.
Ziel war es, möglichst alle Haushalte des Kreisgebiets mit schnellem Internet zu versorgen. In einem ersten Schritt wurden die Gemeinden angegangen, die bislang mit weniger als zwei Megabit zurechtkommen mussten. Gut 120 haben davon profitiert. Laut Kreisverwaltung stehen für die dort insgesamt 18000 Haushalte nun Übertragungsgeschwindigkeiten von mindestens 16 Megabit pro Sekunde zur Verfügung
Ausbau bis Mitte 2017


Gelöst ist das Problem damit aber längst nicht. Schließlich gibt es im Kreis noch zahlreiche Gemeinden, die zwar oberhalb der Zwei-Megabit-Grenze liegen, von einem schnellen Internet aber weit entfernt sind. Folglich wird nun der Breitbandausbau in den Dörfern vorangetrieben, in denen die überwiegende Zahl der Haushalte mit weniger als sechs Megabit pro Sekunde surfen können. Mit der Unterzeichnung von 33 Kooperationsverträgen können sich ebenso viele Gemeinden beziehungsweise Ortsteile über schnelleres Internet freuen. Bis Mitte 2017 wird dort die Telekom ihr Breitbandnetz ausbauen. Und für weitere acht Gemeinden läuft derzeit das Ausschreibungsverfahren (siehe Extra). "Wir hatten im Eifelkreis ein komplettes Marktversagen", sagt Helmut Berscheid, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung bei der Kreisverwaltung, mit Blick auf die rotgefärbte Bestandsaufnahme von 2011. Inzwischen ist diese Karte deutlich grüner. "Mit den 41 Gemeinden und Ortsteilen, die als nächstes anstehen, ist der letzte Abschnitt der Grundversorgung erreicht", sagt Berscheid. Die Grundversorgung ist das eine, eine optimale Versorgung das andere. Sodass nun als nächstes eine Ausstattung aller Gemeinden mit mindestens 30 Megabit pro Sekunde folgen soll. Und davon wiederum sollen mehr als 85 Prozent der Haushalte Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit und mehr ermöglicht bekommen. Die tatsächliche Geschwindigkeit hängt von der Entfernung zum Verteiler ab.
Und je nach Entfernung wären dann in den Eifelkreisgemeinden sogar Übertragungsgeschwindigkeiten von bis 100 Megabit pro Sekunde möglich. Umgesetzt wird das im Rahmen der landesweiten so genannten NGA-Strategie (siehe Extra). Von der bisherigen Breitbandinitiative unterscheidet sich diese vor allem darin, dass die flächendeckende Versorgung auch flächendeckend in Auftrag gegeben wird. Wie Berscheid erklärt, sei die dafür notwendige Machbarkeitsstudie inzwischen erstellt. Jeder einzelne Straßenzug im Kreisgebiet wurde laut Berscheid dafür erfasst. Wie Landrat Joachim Streit erklärt, seien allein dafür 25 Millionen Euro veranschlagt, wobei nach den neuen Förderprogrammen von Bund und Land mit einem Zuschuss von bis zu 90 Prozent zu rechnen sei. "Wir wollen uns an der nächsten Förderrunde beteiligen, für die die Anträge bis Oktober vorgelegt werden müssen", sagt Streit. Die Ausschreibung soll ebenfalls noch in diesem Jahr erfolgen. Mit einer Umsetzung wird bis 2018 gerechnet.
Extra

Folgende Gemeinden sollen bis Mitte 2017 schnelleres Internet erhalten: Ammeldingen bei Neuerburg, Bauler, Bollendorf, Bleialf, Dockendorf, Ehlenz, Emmelbaum, Geichlingen, Gondorf, Großkampenberg, Hargarten, Hommerdingen, Hosten, Hüttingen bei Lahr, Idesheim, Kleinlangenfeld, Lahr, Lambertsberg, Malberg, Menningen, Nimsreuland, Nusbaum (nur Ortsteile Rohrbach, Stockigt, Silberberg), Olmscheid, Orsfeld, Peffingen, Plütscheid, Rommersheim (nur Ortsteile Ellwerath und Schlack), Schleid, Schwirzheim, Seffern, Seinsfeld, Wallersheim und Weinsheim (nur Ortsteile Gondelsheim und Willwerath). Weitere Gemeinden, für die bereits ausgeschrieben wurde, sind Euscheid, Gindorf, Habscheid, Koxhausen, Pittenbach, Seiwerath, Winterspelt (nur Eigelscheid, Ihren, Urb) sowie Wißmannsdorf (ohne Hermesdorf und Kosbüsch). uheExtra

NGA steht für "Next Generation Access", also für Internetzugänge der nächsten Generation. Ziel der rheinland-pfälzischen NGA-Strategie ist es, bis Ende 2018 flächendeckend Bandbreiten von 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung zu stellen. Darauf aufbauen, sollen dann als nächster Schwellenwert 100 Megabit pro Sekunde folgen. Dadurch, dass für die Auftragsvergabe große Bedarfseinheiten (in diesem Fall der komplette Eifelkreis) gebildet werden, erhofft sich das Land effektivere und wirtschaftlichere Lösungen. Zudem soll auch vermieden werden, dass sich Internetversorger nur die Gebiete oder Ortschaften rauspicken, wo sich für sie die Investitionen am meisten lohnen. uhe

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