Brückenschlag zu den Familien

Prüm · Soziale Betreuung von Kindern an der Schule: Der Bedarf wächst, auch in der beschaulichen Eifel. Der Rat der Verbandsgemeinde Prüm beschloss deshalb, das Angebot in Trägerschaft des Roten Kreuzes zu erhalten und gemeinsam mit dem Kreis zu finanzieren.

Unbeschwert aufwachsen? Nicht allen Kindern geht es so gut wie den dreien auf unserem Symbolbild. Deshalb müssen mittlerweile Schulen und Kommunen immer mehr Betreuungsangebote bereitstellen. TV-Foto: Fritz-Peter Linden

Prüm. Sie zanken sich ja ganz gern im Rat der Verbandsgemeinde (VG) Prüm. Aber bei diesem Thema herrscht Einigkeit quer durch die Fraktionen: Schulsozialarbeit. Und deshalb beschloss der Rat am Dienstag auch, das Angebot - mit einer halben Personalstelle an der Bertrada-Grundschule - aufrechtzuerhalten.
Allerdings muss die Kommune vom 1. Januar an dafür bezahlen, denn das Projekt, bis Ende 2013 vom Bund finanziert und seitdem aus Jugendhilfemitteln des Kreises, läuft andernfalls aus.
Wie wichtig diese Arbeit ist, erläutert in der Sitzung Arnold Gierten von der CDU-Fraktion und Rektor der Prümer Grundschule: "Wir verlieren zunehmend den Zugang zu den Familien." Manche Eltern bekomme man nie an der Schule zu sehen. Man brauche jemanden, der "nicht nach Schule riecht, der eine Brücke schlagen kann". Diese Brücke baut seit 2011 Annette Schürmann, die für die Grünen ebenfalls im Rat sitzt und die Arbeit in Trägerschaft des DRK leistet. Und das zahle sich aus, sagt Gierten: "Die ersten Erfolge kann man sehen."Betreuungsbedarf steigt


Im Gespräch mit dem TV erzählt Annette Schürmann von einem Kind, das ihr einmal gesagt habe: "Ich koche nicht jeden Tag - nur zwei-, dreimal die Woche. Wenn was zu essen da ist." Und das liege nicht immer nur daran, dass die Eltern kein Geld haben. Den Kindern sage sie stets: "Ich bin da. Wenn ihr Sorgen oder Wünsche habt, sprecht mich an. Und sie sprechen mich an. Auch Erstklässler." Und dann genüge es manchmal schon, dass ihnen einfach jemand zuhöre.
Die Fortsetzung der Sozialarbeit an der Bertrada-Grundschule wird die VG 22 500 Euro im Jahr kosten. Sie soll zunächst bis Ende 2017 laufen. Außerdem überlegt man, das Angebot auch auf die anderen Primärschulen in der VG auszuweiten - denn auch dort, sagt Bürgermeister Aloysius Söhngen, bestehe Betreuungsbedarf. Aus bisher 19,5 Stunden pro Woche sollen deshalb 30 werden, von denen auch die anderen Schulen (Bleialf-Auw, Pronsfeld, Schönecken, Wallersheim) profitieren werden.
Weitere Punkte in der Sitzung: Die Fusion mit der Verbandsgemeinde Obere Kyll wird wohl ohne die Ortsgemeinden Birgel, Lissendorf und Steffeln über die Bühne gehen, da dort Beschlüsse für eine Eingliederung in die VG Gerolstein gefasst wurden (der TV berichtete). Söhngen unterstreicht noch einmal, dass die ausscherenden Gemeinden aber nicht besser gestellt werden dürften als die anderen - und ihre Schulden und die Kostenanteile an kommunalen Einrichtungen wie der Realschule plus Jünkerath mitnehmen müssen. Frage von Mathilde Weinandy (CDU): "Gibt es Erkenntnisse, wie lange die Fusionsverhandlungen noch dauern?" Söhngen: "Die Gespräche als solche sind ja abgeschlossen. Was jetzt kommen muss, ist das Fusionsgesetz seitens des Landes. Das soll noch im Herbst vorgelegt werden." Barbara Hiltawski (SPD) weiß offenbar genau, wann das Gesetz steht: "In vier Wochen."
Ein bisschen länger dauert wohl der Ausbau des Nimstalradwegs zwischen Seffern in der Nachbar-VG Bitburger Land und Nimshuscheidermühle. Die VG wird sich, so der Beschluss, mit 150 000 bis 200 000 Euro daran beteiligen. Der Baubeginn ist noch offen.
Der Rat beschließt außerdem die siebte Fortschreibung des Flächennutzungsplans. Ein Punkt darin: Die geplante Seniorenresidenz am Krankenhaus (der TV berichtete), die nicht bei allen Zustimmung findet. Söhngen dazu: "Ob eine bestimmte Einrichtung sinnig ist oder nicht, das mögen die beurteilen, die da investieren wollen. Nicht wir als Rat." Dafür aber ist man sich beim Jahresabschluss der Verbandsgemeindeverwaltung einig: So weit man das beurteilen könne, sei alles in Ordnung und bestens belegt, sagt der Vorsitzende des Prüfungsausschusses Markus Fischbach (SPD). "Ich kann hier uneingeschränkt empfehlen, dass der Rat der VG dem Bürgermeister und seinen Beigeordneten das Vertrauen ausspricht." Und so geschieht es dann auch.
Den größten Lacher in der Sitzung darf FDP-Mitglied Jürgen Krämer (ohne Fraktionsstatus) verbuchen: Er sei mehrmals von Ratskollegen darauf angesprochen worden, ob er sich der CDU-Fraktion anschließen wolle. Das habe er aber nicht vor, stellt er klar. "Aber falls jemand sich in seiner Fraktion nicht wohlfühlen sollte - ich bin da für Gespräche offen."Meinung

Traurige Tatsachen
Vertrauen, Zuwendung, Geborgenheit und ein stabiles Umfeld: Was Kinder beim Großwerden brauchen, geht in immer mehr Familien verloren. Die Erzieher und Lehrer alleine aber können das nicht richten. Also muss man den kleinen Schützlingen so früh wie möglich mit anderen Mitteln helfen - auch bereits in der Grundschule. Traurig, dass es so ist. Und zugleich erfreulich, dass man in der VG Prüm dafür Geld ausgibt. Es ist gut angelegt. fp.linden@volksfreund.de