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Buchhandlung Eselsohr in Bitburg ist vorerst gerettet

Einzelhandel : Genossenschaft für Erhalt der Buchhandlung Eselsohr Bitburg gegründet

Die Gründung der Genossenschaft Buchhandlung Eselsohr Bitburg ist vollzogen Das ist eine wesentliche Voraussetzung für den Fortbestand des Geschäfts.

Wann genau es den Gründer der Buchhandlung Karl Schilz von Kyllburg nach Bitburg verschlagen hat, ist nicht bekannt. Laut Recherchen des Bitburger Stadtarchivars Peter Neu muss die mit dem Umzug nach Bitburg verbundene Gründung einer Buchhandlung in der Innenstadt allerdings mit der Eröffnung der Höheren Landwirtschaftsschule in Bitburg zusammenhängen. Und die war an Ostern 1873.

Der Ursprung der Buchhandlung Schilz, aus der Anfang der 1990er Jahre zunächst die Buchhandlung Schiwek und 2013 dann schließlich die Buchhandlung Eselsohr wurde, lässt sich zeitlich also nur ungefähr festmachen, das Ereignis, mit dem der Erhalt des Angebots gesichert wird, dafür aber auf die Minute genau: 19. März 2021, 11.56 Uhr. „Ich erkläre jetzt, dass die Buchhandlung Eselsohr Bitburg Genossenschaft gegründet wird“, sagt Hans-Joachim Kurth und ergänzt: „Damit habe ich die Gründung kundgetan.“

Besonders groß ist der Kreis derer, die wenig später dann mit einem Glas Sekt auf dieses Ereignis anstoßen, nicht. Aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen wurde die Anzahl der zur Gründungsteilnehmer auf das Notwendigste reduziert. „Wir haben nur so viele eingeladen, wie wir zur Gründung der Genossenschaft benötigen“, sagt Unternehmensberater Holger Klein, der auf Initiative des Bitburger Stadtratsmitgliedes Andreas Gerten und des Bitburger Geschäftsmannes Kurth die Gründung der Genossenschaft vorbereitet hat. Ziel dieser Vereinigung ist die Fortführung der Buchhandlung Eselsohr im Anschluss an die angekündigte Geschäftsaufgabe der bisherigen Inhaberin Anne Bies.

Die Bereitschaft in der Bevölkerung, durch den Erwerb eines oder mehrerer Genossenschaftsanteile im Wert von je 500 Euro den Erhalt des Ladens zu sichern, ist groß. 100 000 Euro Startkapital werden benötigt, und so wie es derzeit aussieht, wird es daran nicht scheitern. Mehr als 200 Menschen hätten bereits ihr Interesse bekundet, sagt Klein.

Und da man zunächst auch nur 200 Anteile benötige und pro Genossenschaftsmitglied auch mehrere Anteile verteilt werden könnten, bekomme die Genossenschaft den Betrag auf jeden Fall zusammen. Sobald es die Pandemie zulasse, wollen man eine Veranstaltung mit allen Genossenschaftsmitgliedern machen.

Wer einen Genossenschaftsanteil erwirbt, darf diesen gemäß Satzung die nächsten fünf Jahre nicht kündigen. „Die Gesellschaft muss die Möglichkeit haben, sich zu etablieren“, erklärt Klein, der in der kleinen Runde gemeinsam mit Jutta Klaes-Berg, Mitarbeiterin der Buchhandlung Eselsohr, zum Vorstand der neuen Genossenschaft gewählt wird.

Die übrigen sechs Teilnehmer der Gründungsveranstaltung, zu denen neben Kurth und Gerten auch noch die beiden Lehrerinnen Anja Bilstein und Anna Becker sowie der ehemalige Steuerberater Horst Mertens und der in Sachen Genossenschaft bereits erfahrene Horst Schreiber gehören, bilden allesamt den Aufsichtsrat. Alle werden einstimmig gewählt.

Die Genossenschaft ist damit bereit für die nächsten Schritte, die Buchhandlung derzeit aber noch geschlossen. Zum 20. März hat die bisherige Geschäftsführerin den Betrieb aufgegeben, am 13. April will die Genossenschaft nun das Geschäft in de Bitburger Fußgängerzone mit aufgefülltem Warenbestand wieder neu eröffnen.

Die bisherigen Mitarbeiterinnen werden übernommen, die Öffnungszeiten aber laut Klein ein wenig reduziert, um die Personalkosten zu minimieren. So soll die Buchhandlung beispielsweise montags geschlossen bleiben.

Für Gerten ist die Gründung der Genossenschaft innerhalb weniger Wochen ein Beleg dafür, „dass man mit Bürgertum viel erreichen kann, ohne es in Gremien kleinteilig abzuarbeiten“. Und auch Gründungsmitglied Bilstein, die bereits seit Jahren zu den Stammkunden der Buchhandlung gehört und als Lehrerin an der Bitburger Berufsbildenden Schule Einzelhandel unterrichtet, ist begeistert. „Ich bin wirklich sehr froh, dass Bitburg das auf die Kette gebracht hat.“