Bühnenverbot für Musical Rebecca in Prüm

Bühnenverbot für Musical Rebecca in Prüm

Aufführung abgesagt: Aus urheberrechtlichen Gründen darf der gemischte Chor der Prümer Musikschule Kalimba das für August geplante Konzert mit Szenen des Musicals Rebecca nicht auf die Bühne bringen. Ein Problem, das auch andere Ensembles betreffen könnte.

Prüm. Mit vollem Elan hatten sich die Kalimba-Singers in ihr neues Musical-Projekt gestürzt. Am Freitag, 12. August, sollte die Premiere von Rebecca sein. Doch Chorleiterin Petra Theis musste die Aufführung wieder absagen. Der Grund: Aus urheberrechtlichen Gründen dürfen Szenen des Musicals nicht aufgeführt werden. "Wir waren erstmal ganz schön geschockt", sagt Petra Theis.
Bislang hat die erfahrene Musikpädagogin keine Probleme mit Aufführungen gehabt.
Sie hat alle Konzerte bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) angemeldet und entsprechend Gebühren bezahlt. So auch vor drei Jahren, als der Chor Szenen aus dem Musical Elisabeth gesungen hat.
Doch bei Rebecca liegt der Fall anders. Die Vereinigten Bühnen in Wien (vbw) haben die Bühnenaufführungs-Rechte am Musical erworben. Geplante Projekte müssen genehmigt werden (siehe Extra).
Keine Genehmigungen für Laien


Da die Inszenierungen von Laienspielgruppen überhandgenommen hätten, würde man öffentliche Aufführungen dieses Werkes an Laienspielgruppen generell nicht mehr vergeben, teilten die vbw Petra Theis mit.
"Wir bedauern sehr, dass wir das Einstudierte aus diesem schönen und noch eher unbekannten Musical unseren Zuschauern nicht präsentieren dürfen", sagt die Chorleiterin.
Der Stoff nach dem gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier erlebt bald deutschlandweit sein Comeback.
Im Dezember soll die Premiere im Stage Palladium Theater in Stuttgart sein. Der "Kultur-Channel Österreich" witterte einen Skandal und meldete im Internet: "Bereits im August 2011 geht die Deutschland-Premiere von Rebecca über die Bühne.
Aufgeführt wird das Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze in Prüm, einer Verbandsgemeinde mit rund 23 700 Einwohnern in Rheinland-Pfalz."
"Das war gar nicht in unserem Sinne", sagt Petra Theis, die empört ist, was die Verantwortlichen der Internetseite in eine harmlose Laieninszenierung interpretiert haben.
Auch ihr Hinweis an den Kultur-Channel, dass die Aufführungen abgesagt worden sind, wurde bislang nicht zur Kenntnis genommen.
Bereits im Januar 2010 hatten sich die Kalimba-Singers für den Stoff entschieden und mit den Proben begonnen.
Die Prümer Aufführung als Konkurrenz zum Profi-Ensemble zu sehen, findet Petra Theis etwas albern: "Nach der Absage fühlen wir uns ein bisschen wie Schwerverbrecher."
Letztendlich ist sie froh darüber, dass sie noch vor der Aufführung aufgeklärt wurde und nun nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen muss.
Ähnlich erging es einer Musicalgruppe im hessischen Heusenstamm. Dort wollte man Tanz der Vampire aufführen. Inhaber der Rechte für dieses Stück sind ebenfalls die vbw, die die Aufführung untersagt haben.
Den Kopf in den Sand stecken möchte Petra Theis allerdings nicht. "Wir werden uns etwas Älteres suchen müssen - vielleicht My fair Lady oder Westside Story."
Bereits gekaufte Karten für Rebecca können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden.
Musicals werden gerne auch jenseits der großen Bühnen aufgeführt. Vor allem Laienspielgruppen oder Chöre übernehmen die beliebten Ohrwürmer. Doch aufgepasst: Die Vereinigten Bühnen Wien (vbw), Lizenzinhaber der Aufführungsrechte für die Musicals Elisabeth, Rebecca, Mozart! und Tanz der Vampire dulden derzeit keine Amateuraufführungen mehr. Auf TV-Anfrage teilen die vbw mit: "Da derzeit erstklassige Produktionen unserer Musicals in Deutschland zur Aufführung gebracht werden, erachten wir die Parallelität von Amateurproduktionen momentan als nicht zweckmäßig, ja für die Bewerbung der einzelnen Shows durch den vermehrten Erklärungsbedarf gar als hinderlich. Daher haben wir uns entschlossen, derzeit keine Amateuraufführungen zu genehmigen." Man wolle sicherstellen, dass die Musicals in bestmöglicher Qualität dargeboten werden. Außerdem sollen Aufführungen räumlich und zeitlich voneinander getrennt sein. Im Interesse der Autoren und des Lizenzpartners würde die vbw nicht autorisierte Aufführungen ahnden. sn