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Bürger für den Bürgersteig

Bürger für den Bürgersteig

In Großkampenberg steht die Arbeit an den neuen Bürgersteigen kurz vor dem Abschluss. Die Einwohner tragen die Kosten der Maßnahme - und führen sie in Eigenleistung durch.

Großkampenberg. Im August vergangenen Jahres hat die Erneuerung der Ortsdurchfahrt in Großkampenberg begonnen, die auf einer Länge von 700 Metern auf 5,5 Meter Breite ausgebaut wurde. Die vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) beauftragten Arbeiten, die das Land mit 662 000 Euro finanzierte, sind mittlerweile beendet.
Doch links und rechts der Ortsdurchfahrt wird noch gearbeitet: "Ich schätze, wir brauchen ein, bis zwei Samstage, dann sind auch wir fertig", sagt Ortsbürgermeister Bertram Ademes, mit Blick auf die unfertigen Bürgersteige. Rund 40 Bürger arbeiten in kleinen Gruppen entlang der Dorfstraße an der Fertigstellung - das Splitbett ist fertig, nun werden die Pflastersteine verlegt. Der Name "Bürgersteig" kann in Großkampenberg durchaus wörtlich genommen werden, denn der Gehweg wird nicht nur von den Bürgern erbaut, sondern auch bezahlt.
"Der Gemeinderat hat auf freiwillige Beiträge gesetzt, um den Ausbau zu finanzieren", sagt Ademes. "Das hat hervorragend funktioniert." In Großkampenberg liegen fast 50 Prozent der Grundstücke im Außenbereich. Die Besitzer hätten sich weder an wiederkehrenden, noch an einmaligen Beiträgen beteiligen müssen - die Kosten wären so auf wenige Schultern verteilt gewesen.
Dass sich alle Bürger beteiligt haben, freut Ademes sehr: "Es ist zusätzlich noch gespendet worden. Das spricht sehr für die Dorfgemeinschaft", sagt er. Von der RWE, die im Rahmen ihrer "Aktion vor Ort" Eigenleistungen in Ortschaften fördert, kam eine Spende in Höhe von 2000 Euro. "Und da wir so gut dabei waren, haben wir auch gleich den Spielplatz renoviert", erzählt der Bürgermeister.
Die insgesamt 570 Meter Bürgersteig kosten rund 100 000 Euro. Sie werden nach Fertigstellung vom LBM überprüft und abgenommen - der Gehweg ist behindertengerecht angelegt, muss daher auf der gesamten Länge einige Rampen für Rollstühle und eine der Norm entsprechende Breite aufweisen. Vor Beginn der Pflasterarbeiten wurde ein Leerrohr verlegt. Dadurch ist eine spätere Erweiterung der Ortsbeleuchtung möglich. Gedacht wurde auch an ein Telekom-Leerrohr für die Orts- und Fernnetzleitung. Damit ist der neue Bürgersteig zukunftssicher und muss nicht etwa wegen fehlender Leitungen aufgerissen werden.
Meinung

Eine tolle Gemeinschaft
Und alle helfen mit: Das ist das Motto in Großkampenberg. Vor diesem Engagement der Menschen kann man nur - und muss es auch - den Hut ziehen. Nicht nur, dass Bürger sich an den Ausbaubeiträgen beteiligen, was sie rechtlich überhaupt nicht müssten - ein vermutlich deutschlandweit extrem seltener Vorgang. Nein, alle packen mit an und pflastern den Gehweg selbst. Und wenn man gerade schon dabei ist, wird der Spielplatz gleich mitgemacht. Normalerweise verursachen Bauarbeiten viel Dreck, Ärger und Einschränkungen - vor allem, wenn sie auch noch so lange dauern und dafür die Hauptstraße komplett gesperrt werden muss und viele Umwege nötig werden. Doch wenn in wenigen Wochen die Großbaustelle in Großkampenberg abgeschlossen ist, dann haben die Menschen doppelt gewonnen: Neben einer schönen neuen Ortsdurchfahrt sind sie noch näher zusammengerückt. Sie leben mit dem Wissen, in einer tollen Gemeinschaft zu sein, die mitanpackt, wenn sie gefordert ist. c.brunker@volksfreund.de