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Bürger wollen den Bahnhof retten

Bürger wollen den Bahnhof retten

Die Gemeinde Blankenheim will den Bahnhof im Ortsteil Wald abreißen. Dagegen regt sich Widerstand: Ulrich Naß und Markus Schmitz sind sich sicher, dass der Bahnhof renoviert und sinnvoll genutzt werden kann.

Blankenheim-Wald. Die Nachricht, dass die Gemeinde Blankenheim (Kreis Euskirchen) den Bahnhof Blankenheim-Wald möglicherweise abreißen könnte, schlug ein wie eine Bombe. Falls sich kein Interessent für eine Nachfolgenutzung findet, soll das Gebäude, so die Auskunft der Verwaltung, aufgrund seiner schlechten Bausubstanz entfernt werden. Doch das wollen einige Blankenheimer auf jeden Fall verhindern.
Ulrich Naß ist Projektmanager bei der Bahn und bewohnt das direkt neben dem Bahnhof gelegene, ehemalige Bahngebäude. Gemeinsam mit dem Blankenheimer Lehrer Markus Schmitz hat er sich an dem Leitbildprozess "Blankenheim 2025" beteiligt, der von Bürgermeister Rolf Hartmann angestoßen worden war. Beide hatten sich im Rahmen des Projekts mit dem Thema "Baukultur und Mobilität" beschäftigt. Angesichts der jetzt bekanntgewordenen Fakten schlagen beide nun die Einrichtung eines Runden Tisches in Blankenheim vor, um das für die Identität der Gemeinde wertvolle Gebäude zu erhalten.
Beide widersprechen vehement der Darstellung der Gemeinde, es handele sich um ein marodes Bauwerk. Sie haben dazu den Stukkateur-Meister Hubert Poth aus Marmagen (Kreis Euskirchen) mit ins Boot genommen, der Gelegenheit hatte, das Innere des 1913 errichteten Bahnhofs in Augenschein zu nehmen. "Es lohnt sich, das Gebäude zu erhalten", ist er überzeugt. Es gebe zwar Feuchtigkeit im unteren Bereich, so dass dort einiges saniert werden müsse. Auch die Kellerräume bekomme man wieder in Ordnung. Und Ulrich Naß ergänzt: "Eine der drei Wohnungen könnte mit normalem Renovierungsaufwand sofort bezogen werden. Ähnliches gilt für eine Wohnung, in der vormals eine Konzertagentur ihre Büroräume hatte."
Im Bereich der ehemaligen Gaststätte, in der es einen schönen Kachelofen gebe, müssten zusätzlich neue Fenster eingebaut werden.
"Wenn man das Gebäude abreißt, sieht das hier erst recht aus wie das Ende der Welt", befürchtet Ulrich Naß. Der Bahnhof sei für viele Touristen das Tor nach Blankenheim. Derzeit würden diese jedoch regelrecht abgeschreckt.
Täglich 2000 Fahrgäste


Naß: "Da trotz der vom Blankenheimer Ortskern weit entfernten Lage des Bahnhofs ab Samstag, 12 Uhr, das ganze Wochenende über keine Busverbindung in die 16 anderen Gemeindeteile besteht, muss hier dringend ein Anziehungspunkt geschaffen werden, der die Touristen zum Verweilen und Wiederkommen einlädt."
Genannt werden schon jetzt zahlreiche Vorschläge, wie das alte Gebäude mit neuem Leben erfüllt werden könnte. So gibt es verschiedene Akteure, die sich gerne dafür stark machen würden, das spannende Thema Eifeler Eisenbahngeschichte in dem historischen Gebäude Gästen zu präsentieren.
Naß regt gar eine Mischnutzung mit Kiosk und Gastronomie, öffentlichem WC, E-Bike-Verleih, Taxistand und einer Außenstelle des Tourismusbüros oder andere Büronutzungen durch die Gemeinde an. Alternativ zu einem Investor könne man auch eine Verpachtung an einen Kioskbetreiber mit Wohnraumnutzung sowie Vermietung von Ferienwohnungen mit der Gemeinde als Eigentümer andenken. Neben einem möglichen kleinen Museum zur Eisenbahngeschichte seien aber auch andere, interessante Nutzungen in dem Gebäude mit einer Fläche von 400 Quadratmetern denkbar.
Blankenheim sei eine der größten Flächengemeinden in NRW, gibt Naß zu bedenken: "Hier kommen an einem normalen Tag 2000 Fahrgäste hin." Und: "Der Einzugsbereich ist gigantisch." Naß verweist darauf, dass es an den Bahnhöfen in Derkum, Kall und Mechernich Kioske oder Ähnliches für Pendler gebe. Warum sollte das in Blankenheim-Wald nicht möglich sein? Und warum könne hier nicht ein Taxiunternehmer stationiert werden?
Ulrich Naß, Markus Schmitz und Hubert Poth wollen jedenfalls für den Erhalt des Bahnhofs kämpfen. Sie sind sich der Unterstützung zahlreicher anderer Bürger sicher.