Bürgerbus: In Bleialf ist der Wagen für die Schneifeldörfer gestartet

Mobilität auf den Dörfern : Auf Achse für die Schneifel

Ein zweifach „Hoch“ aufs doppelte B: Der Bürger-Bus für die Schneifel nimmt seinen Betrieb auf. Dank gut gesteuerter Zusammenarbeit und vieler Ehrenamtler.

„Schönes Kennzeichen“, sagt Pfarrer Jochen Kohr. Gerade hat er den neuen Bürgerbus für die Schneifeldörfer eingesegnet – und er hat ja recht: „Prü – BB 19“ steht vorne auf dem VW-Bully, der von jetzt an für die Einwohner aller Orte „von Winterspelt bis Auw“ unterwegs sein wird, wie Verbandsgemeinde-Bürgermeister Aloysius Söhngen während der Feier am Bleialfer Bürgerhaus sagt.

Der Plan für den Bürgerbus entstand beim Zukunfts-Check Dorf, den auch die Bleialfer durchlaufen: Edith Baur, Noch-Ortsbürgermeisterin und zugleich auch (und weiterhin) Gemeindeschwester in den Verbandsgemeinden (VG) Arzfeld und Prüm, hatte  den Vorschlag gemacht. Es gehe darum, sagt sie, „allen zu helfen, so mobil zu sein wie vor 30 Jahren“, also vor allem denen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, weil sie ein Gebrechen haben, nicht oder nicht mehr selbst Auto fahren können und auch niemanden haben, der sie dorthin bringt, wo sie hin müssen. Denn auch das, sagt Söhngen, sei heute anders: Wo früher die Familie habe aushelfen können, seien heute viele einfach nicht mehr da, weil weggezogen. Und weil es die klassische Eifeler Großfamilie auch nicht mehr überall so gibt wie früher.

Und auch der öffentliche Personen-Nahverkehr könne das bekanntlich nicht mehr leisten. Aber man sei eben in einem spärlich besiedelten Landstrich, in dem trotzdem „Wege zurückzulegen“ seien, denn die Leute müssen ja zu Arzt, Apotheke, Einkauf und anderen Erledigungen, wollen zu einer Veranstaltung oder sich einfach mit jemandem treffen.

Also „muss man das anders organisieren“, ergänzt der VG-Chef. Und auf der Schneifel habe man nicht nur darüber nachgedacht, sondern die Initiative ergriffen. Nicht nur in Bleialf: Elf weitere Gemeinden signalisierten ihr Interesse und ihre Unterstützung, man setzte sich zusammen und am Ende, rekapituliert Söhngen, sagten die Bürgermeister: „Wir machen das.“

Bund und Land halfen ebenfalls mit. Kein Problem also, den Wagen – 36 000 Euro kostet er – zu finanzieren: Aus dem Bundesprogramm für Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen kamen 12 000 Euro, aus Mainz 8500 Euro. Die übrigen 15 500 teilen sich, halbe-halbe, die VG als Träger und die beteiligten Gemeinden.

Schon das: alles erfreulich. Was aber alle Verantwortlichen mindestens genauso begeistert: Die große Bereitschaft in allen beteiligten Orten, auch den ehrenamtlichen Dienst am Steuer zu übernehmen – und in der Bleialfer Pfarrbücherei am Telefon zu sitzen. Dort nämlich kann man anrufen, um den Bus zu bestellen.

Erstmals fahren wird er am Donnerstag, 25. April. Von da an ist er jede Woche am Dienstag und Donnerstag unterwegs. Den Bus für eine Tour bestellen kann man montags und mittwochs zwischen 15 und 17 Uhr, erstmals am 24. April. Die Telefonnummer: 06555/900581.

Einer der vielen, die sich als Fahrer gemeldet haben, ist Karl Bach aus Oberlascheid. Ganz einfach, weil er dazu beitragen wolle, dass es  „für die Leute, die nicht mehr mobil sind, eine Möglichkeit gibt, an ihr Ziel zu kommen“, sagt er, „und um die Mobilität in den Orten zu erhalten“. Und Spaß machen dürfte das Ganze am Ende auch, oder? So durch die Eifel gondeln? „Wir hoffen es“, sagt er und lacht. In der Eifel sei man das ja zudem gewohnt, immer auf Achse zu sein.

„Wir alle sitzen in einem Boot“, hatte Edith Baur zu Beginn der Einweihungsfeier gesagt. Und auf der Schneifel, so sieht es aus, helfen deswegen auch alle mit, das Projekt in die Gänge zu bekommen.

Die beteiligten Gemeinden am Bürgerbus: Auw, Bleialf, Brandscheid, Buchet, Großlangenfeld, Habscheid, Heckhuscheid, Mützenich,  Oberlascheid, Sellerich, Winterscheid und Winterspelt.

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