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Bürgermeister will Halle 300 verkaufen

Bürgermeister will Halle 300 verkaufen

Seit Bitburg eine moderne Stadthalle im Zentrum hat, hat die abgelegene Halle 300 auf dem Flugplatzgelände als Veranstaltungsort ausgedient. Die Stadt, die Jahr für Jahr mit der Halle ein Minus von knapp 20 000 Euro einfährt, ist deshalb auf der Suche nach einem Interessenten für das 1400 Quadratmeter große Gebäude.

Bitburg. Ob Bitburg eine Stadthalle braucht, war jahrelang Thema heißer Diskussionen. Doch seit sie im Herbst 2009 feierlich eröffnet wurde, ist sie aus dem kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken. Ihr Erfolg wirft Schatten auf die Halle 300, die der Ort für größere Veranstaltungen in Bitburg war. Auch heute gibt es dort noch Programm - Discos, Hochzeiten oder Flohmärkte. Doch die Einnahmen reichen nicht, um die Kosten zu decken.
Jedes Jahr Verluste


Jahr für Jahr muss die Stadt die Verluste ausgleichen, die sie mit dem Betrieb der Halle 300 einfährt. So wird im Betriebsplan auch für 2012 wieder mit einem Minus von rund 17 000 Euro kalkuliert. Im Vorjahr waren es knapp 20 000 Euro. Ziel von Bürgermeister Joachim Kandels ist es deshalb, die Halle 300 zu verkaufen. Die Stadt hat bereits ein Wertgutachten erstellen lassen. Demnach ist die Halle mit ihren rund 1400 Quadratmetern samt der Grundstücksfläche von gut einem Hektar 514 000 Euro wert. "Es gibt auch einen Interessenten", sagt Bürgermeister Kandels. Wie konkret das Interesse des Interessenten ist und um wen es sich handelt, will Kandels noch nicht sagen. Noch ist das Geschäft nicht in trockenen Tüchern.
Hajo Römer scheint es jedenfalls nicht zu sein. Der Catering-Betreiber aus Bitburg hat in dem Hallenflügel, der zu Zeiten der Amerikaner als Küche diente, eine eigene Großküche eingebaut. Von dort aus beliefert Römer alle möglichen Veranstaltungen, wozu auch die in der Halle 300 selbst gehören. Knapp 30 Feiern, darunter auch zahlreiche Hochzeiten, seien es in diesem Jahr bereits gewesen. Römers Pachtvertrag mit der Stadt läuft noch drei Jahre. "Ich würde auch noch gerne länger dort bleiben", sagt der Unternehmer, doch habe er kein Interesse, die Halle zu kaufen. Er könne sich aber durchaus vorstellen, die Halle zu mieten.
Die Vermietung der Halle wäre auch für Kandels eine Option. Zumal dann gegebenenfalls auch der städtische Musikverein das Gebäude weiter nutzen könnte. Der Verein hat dort nämlich bereits seit Jahren seinen Proberaum. Eine Vermietung komme für die Stadt aber nur übergangsweise in Frage, erklärt der Bürgermeister. Vorrangiges Ziel sei es, die Halle zu verkaufen. Ob das gelingt und ob dabei dann auch der im Wertgutachten angesetzte Preis erzielt werden kann, muss sich zeigen. Für Kandels steht jedenfalls fest: "Wir wollen kein Geld mehr in die Halle 300 investieren."
Meinung

Eine Stadt, eine Stadthalle und Schluss
Drei Jahre Bitburger Stadthalle zeigen: Die Entscheidung, in den Bau einer attraktiven Halle im Zentrum zu investieren, war richtig. Davon dürfte inzwischen auch der Großteil der einstigen Kritiker überzeugt sein. Doch angesichts der Stadthalle ist die an sich alles andere als luxuriöse Halle 300 ein Luxus, den sich die Stadt Bitburg angesichts eines Schuldenbergs von knapp 20 Millionen Euro nicht mehr leisten kann. Sollte es sich als aussichtslos herausstellen, Gebäude und Grundstück zu verkaufen, würde die Stadt gut daran tun, wenigstens den Betrieb einzustellen. Spart auf zehn Jahre gerechnet immerhin stolze 200 000 Euro. Geld, das beispielsweise bei der Sanierung der Eishalle oder dem Ausbau der Fußgängerzone besser investiert wäre. d.schommer@volksfreund.deExtra

Die Stadt hat 1996 die ehemalige Music-Hall auf dem Flugplatz gekauft. Betrieben wird die Halle 300 von der städtischen Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft Bitburg (BVB) mbH. Etwa 40 Veranstaltungen gab es einst dort pro Jahr. 2011 waren es nur noch zwölf. Haupteinnahmequelle sind Benutzungsgebühren und Mieterlöse (rund 38 000 Euro). Größte Kostenposten sind die Betriebsführung (18 000 Euro) sowie Energie und Wasser (15 000 Euro). scho