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BUND Kreisgruppe spricht über Aufträge und Sorgenkinder

Natur : „Rekultivierung ist Quatsch“

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz ist kein theoretischer Debattierclub. Er ist auch gefragt, wenn es um Projekte in der Region geht. 

Im Zweimonatstakt lädt die Kreisgruppe Bitburg-Prüm des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) zu einem offenen Infotreff ein – Mitglieder, aber auch neugierige Besucher und Fachgäste. Doch was machen eigentlich im Verband organisierte Umweltschützer bei einem solchen Termin? Die Vorsitzende Agnes Tillmann-Steinbuß lacht: „In erster Linie informieren wir Gäste über unsere Arbeit und sprechen mit den Mitgliedern laufende Projekte und Stellungnahmen, beispielsweise für Bauvorhaben, ab.“ Im Prümer Landhotel am Wenzelbach machte man nun jüngst wieder Station im Norden des Eifelkreises.

„Ausgehend von der Fläche, sind wir ja im größten Kreis von Rheinland-Pfalz unterwegs, da ist es wichtig, auch in allen Ecken Präsenz zu zeigen“, sagt die Vorsitzende. Wer den Infotreff nun für einen übers Land ziehenden Debattierclub für Naturschützer hält, liegt gewaltig daneben. „Wir haben als Naturschutzverband einige Aufgaben, die hier besprochen werden müssen“, sagt Agnes Tillmann-Steinbuß (siehe Info).

So müsse man zum Beispiel aktuell eine Stellungnahme zur Erweiterung einer Kiesabbaufläche bei Sülm abgeben. „Ich habe hierzu unsere zentralen Forderungen mal zusammengefasst. Wir blicken skeptisch auf das vorgelegte Naturschutzgutachten und sollten ausreichend hohe Auflagen zum Schutz des Grundwassers, des Wasserschutzgebiets Sülmer Brunnen und des sonstigen Gewässerschutzes fordern. Zudem muss ein sehr guter Rekultivierungsplan vorliegen“, sagt sie (weiterer Bericht folgt).

Ihre Stellvertreterin Beate Jacobs meldet sich leidenschaftlich zu Wort: „Nein, nein und nochmals nein. Rekultivierung ist Quatsch, man soll die Natur sich selbst überlassen. Die macht das schon.“ Selbst wenn der Kies abgeräumt sei, bleibe ja ein Biotop, das sich wieder entwickle, sagt sie. Sie halte nichts von solchen Eingriffen, räumt aber ein, dass sie sich gegen die Formulierung Rekultivierung sperre. Die Biotopbetreuerin hat eine klare Haltung zum Thema: „Je mehr man eingreift, desto unnatürlicher wird das Ganze.“

Man befasst sich also mit Stellungnahmen und Gutachten, aber was ist denn mit der mahnenden, aufpassenden Funktion der Naturschützer? „Da haben wir auch ausreichend viel zu tun“, sagt Agnes Tillmann-Steinbuß. Regelmäßig sprächen Bürger die Mitglieder auf Missstände an. „Aber nicht immer können wir helfen“, sagt Beate Jacobs. Ein gutes Beispiel sei das Thema illegale Gülle in Eifelbächen. „Wenn wir einen Anruf bekommen, dass ein Bach schäumt, können wir zwar unser Fachurteil abgeben, die Polizei alarmieren, aber den Verursacher, werden wir kaum finden können. Der ist, wenn der Bach irgendwo schäumt, schon längst über alle Berge. Wir können den Vorgang dann nur noch weitermelden“, sagt sie. Der Ärger darüber ist ihr anzumerken. Froh sei man, und das müsse aber auch mal betont werden, über die Arbeit der unteren Naturschutzbehörde des Eifelkreises.

„Man muss sie auch mal loben. Sie ist sehr kooperativ. Wenn wir etwas melden, wird der Sache auch nachgegangen, wie wir an einem Fall an der Irsen zeigen können.“ Dort habe ein Luxemburger Landwirt voriges Jahr eine Wiese zerstört. „Ob absichtlich oder unabsichtlich, der Landwirt wurde nach unserem Hinweis aufgefordert, die Wiese wiederherzustellen“, sagt Beate Jacobs.

Passiert sei zwar bisher nichts, das liege aber wohl ganz einfach an dem Ausnahmesommer 2018. Sie sei zuversichtlich, dass der Bauer der Aufforderung zur Wiederherstellung des Grünlands, sobald es sinnvoll sei, noch nachkomme. Übrigens reibe sie sich sehr an dem Begriff Grünland: „Einfach weil ich finde, dass es besser Buntland heißen sollte – eine gesunde, gute Wiese ist nämlich bunt.“

Weitere Informationen zur Arbeit der Kreisgruppe des BUND und zu den kommenden Infotreffs im Internet unter: http://bitburg-pruem.bund-rlp.de