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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner diskutiert in Sinspelt mit jungen Landwirten und Jungzüchtern

Landwirtschaft : Bauern wollen einfach von ihrer Arbeit leben können

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat auf Einladung der Jungen Union und des Jungzüchterclubs in Sinspelt Rede und Antwort gestanden.

(uhe) Die Ausgangslage ist schlecht, die Versorgungslage dafür umso besser. Hausherrin Margret Hecker-Pax schlängelt sich durch den Saal und versorgt die Gäste zunächst mit Schnittchen und dann mit frischen Nautzen. Von Julia Klöckner gibt es dafür am Ende der Veranstaltung viel Lob. Sie selbst jedoch muss sich bis dahin viel Kritik anhören. Denn die Bundesministerin für Landwirtschaft und Ernährung ist nicht zum Nautzenessen nach Sinspelt gekommen. Sie ist auf Einladung der Jungen Union Bitburg-Prüm und des Jungzüchterclubs Eifel vor Ort, um sich den Fragen der Landwirte zu stellen.

Die neue Düngeverordnung, nach der das Düngen in Gebieten mit hoher Nitratbelastung reduziert werden soll, macht den Landwirten zu schaffen. Wobei es nicht nur die Verordnung selbst ist, über die sie sich ärgern, sondern auch die umstrittenen Messungen, die als Grundlage für diese Regelung dienen.

Die Ministerin betont, dass die Bundesrepublik aufgrund der Nichteinhaltung der Nitratwerte bereits von der EU verklagt worden sei, es also im Sinne des Trinkwasserschutzes keine Alternative gebe. Deutschland habe bei der Umsetzung der bereits seit 1991 bestehenden Nitrat-Richtlinie zu lange gewartet, sagt Klöckner. „Und wenn man versucht, etwas so lange hinauszuzögern, dann kommt der Gong umso lauter“, fügt sie hinzu. Gleichzeitig warnt die CDU-Politikerin davor, deshalb nun über die EU zu schimpfen. „Wir in Deutschland profitieren am meisten vom EU-Binnenmarkt“, sagt sie. Wer jetzt behaupte, der heimischen Landwirtschaft ginge es ohne die EU besser, der rede dummes Zeug.

Es ist aber nicht nur die neue Düngeverordnung, über die in der gut anderthalbstündigen Veranstaltung diskutiert wird. Was die Landwirte auch kritisieren, sind die fehlende Wertschätzung für ihren Berufsstand, die schlechten Erzeugerpreise und  das Bild der Landwirte in der Öffentlichkeit. Den Bauern werde immer vorgeworfen, dass sie nur Subventionen kassierten, sagt eine junge Landwirtin. Den meisten Menschen sei dabei gar nicht bewusst, dass die Prämien in den 1950er Jahren eingeführt worden seien, um die Bevölkerung günstig mit Lebensmitteln zu versorgen, sagt sie. Ein anderer Berufsvertreter kritisiert den stetig wachsenden bürokratischen Aufwand. Klöckner weist darauf hin, dass der wachsende Dokumentationsaufwand etwas sei, womit alle Branchen zu kämpfen hätten. Zudem sei ja auch nicht die Politik allein für diese Bürokratie verantwortlich, sondern es  handele sich im Fall der Milchwirtschaft auch um Vorgaben der Molkereien. Gleichzeitig aber sei es eben sehr wichtig, alles genau zu dokumentieren. Die Prämien würden nun mal über Steuergelder finanziert, sagt sie. Und es gebe – wie in jeder anderen Branche auch unter den Landwirten leider Vertreter, die mit teilweise kriminellen Methoden versuchten, an öffentliches Geld zu kommen. Die Ministerin kritisiert, dass sie sich hart dafür eingesetzt habe, für ihr Ressort eine weitere Milliarde Euro zur Unterstützung der Bauern zu erhalten, ihr das aber aus den Reihen der Landwirtschaft zum Vorwurf gemacht werde – was vereinzelt auch für die Diskussionsrunde in Sinspelt gilt. Während ein Landwirt vorschlägt, das zusätzliche Geld zur Unterstützung der Bauern einzusetzen, die aufgrund der neuen Düngeverordnung nun weniger Erträge hätten, meint ein anderer: „Wir brauchen nicht mehr Subventionen. Es geht uns einfach nur darum, dass wir von unserer Arbeit leben können.“