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Bus zur Arla bleibt nah, und doch fern

Falsches Linienbündel : Bus zur Arla bleibt nah und doch fern

Mit den Öffis zur Arbeit fahren: Für Angestellte der Arla-Werke in Pronsfeld wird das wohl bis 2022 unmöglich bleiben. Zwar sollen Ende 2020 neue Buslinien starten, die fahren dann aber am Firmenstandort erst mal nur vorbei.

Eine Blechkarawane macht sich täglich auf den Weg in ein Waldgebiet zwischen Pronsfeld und Schloßheck. Hunderte Wagen setzen sich Tag für Tag in Bewegung, wenn im Arla-Werk eine neue Schicht beginnt, und kämpfen um die Parkplätze auf dem Firmengelände. Denn die rund 1000 Mitarbeiter müssen zur Arbeit kommen. Und Alternativen zum Auto gibt es nicht. Kein Bus fährt hier hoch. Es befindet sich nicht einmal eine Haltestelle vor der Haustür eines der größten Arbeitgeber der Region.

Und daran wird sich in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich wohl trotz des voranschreitenden Ausbaus des Nahverkehrs-Netzes (der TV berichtete; siehe Info) erst mal nur wenig ändern. Ab dem kommenden Winter werden zwar etliche Busse an dem Firmengelände vorbeirollen. Aber eben nicht dort anhalten. Denn der Unternehmensstandort, so erklärt es ein Sprecher des Verkehrsverbundes Region Trier (VRT), liege im Linienbündel „Waldeifel“. Und das werde, im Gegensatz zum Nachbarbündel „Schneifel“, nicht 2020, sondern erst 2022 an den Start gehen.

Ab Dezember führen die Linien 461 und 462 zwar durch Pronsfeld und Lünebach – den Mitarbeitern der genossenschaftlichen Molkerei  hilft dies aber wohl kaum. Der Arla-Standort ist damit nämlich noch immer nicht angebunden, weil er „im Grenzbereich liegt“, wie ein VRT-Sprecher sagt. Tatsächlich wäre nur ein Umweg von einem Kilometer notwendig, um das Werk an die Linie zwischen Clervaux und Gerolstein anzuschließen. Doch dieser Schwenk in Richtung Osten ist derzeit nicht angedacht.

Auch der Kreistag und der ÖPNV-Ausschuss Bitburg-Prüm haben die Arla-Anbindung intensiv beraten und die Planungen kritisiert, konnte den VRT aber nicht dazu bewegen, dies noch umzuplanen. Einer, der sich dafür ausgesprochen hat, den Arbeitgeber im Linienbündel Schneifel anzubinden, ist Günther Scheiding (SPD).

Dem TV sagt Scheiding: „Es ist politisch nicht vertretbar, eine so große Firma nicht anzubinden.“ Dem Verkehrsverbund wirft er in dieser Sache „Unbeweglichkeit“ vor.

Alles, was der VRT den rund 1000 Beschäftigten ab Dezember bereit ist anzubieten, ist ein Rufbus-Angebot. „Eine Grundversorgung“, nennt ein Sprecher das. Für die Arla-Genossenschaft ist das aber nur ein schwacher Trost. Oder, wie man es dort, bei der Pressestelle, selbst ausdrückt, „wenig zufriedenstellend“: „Als großer Arbeitgeber wollen wir unseren Beschäftigten eine möglichst attraktive Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr bieten.“ Dass es die bislang und auch in Zukunft nicht geben wird, sei ein „Wettbewerbsnachteil“.

Weil man den Rufbus bis zu einer Stunde im Voraus bestellen müsse, sei der Arbeitsweg kaum planbar, spontane Fahrten seien unmöglich. Außerdem seien bei einem Rufbus, der auch noch andere Menschen vor der Haustür abholen müsse, längere Fahrzeiten zu erwarten. All das mache das Angebot wenig komfortabel für die Angestellten des Milchverarbeiters.

Gewünscht hätte man sich eine reguläre Direktverbindung mit eigener Haltestelle auf der Route zwischen Clervaux und Gerolstein. Die vielen Mitarbeiter, die entlang dieser Linie wohnen, könnten dann ohne Umstieg den Bus nutzen. Und „auch hinsichtlich des Klimaschutzes“ sei es sinnvoll, den Individualverkehr zu begrenzen. Dafür wäre man sogar bereit gewesen, den Schichtplan umzustellen, teilt die Arla dem TV mit.

Aber dafür müsste der Bus eben einen kleinen Umweg fahren. Was nun, da die Firma sich mit ihren Belangen laut VRT „zu spät gemeldet“ habe und man „Fristen einhalten“ müsse, nicht mehr möglich sein soll.

Dabei entgeht dem Verkehrsverbund hier womöglich ein recht gutes Geschäft. Während künftig wohl etliche leere Busse durch die kleinen Ortschaften in der Schneifel fahren werden, hätte man mit einem nicht allzu großen Schlenker Richtung Arla-Werk wohl einige Fahrkarten mehr verkaufen können.

Auch, weil die Menge an Pendlern zum Arla-Standort zwischen Pronsfeld und Schloßheck sich in den nächsten Jahren wohl noch erhöhen wird: Bis 2021 plant die Firma, in Pronsfeld einen neuen Milchtrockenturm zu errichten, ein Investment von rund 189 Millionen Euro, der neue Arbeitsplätze schaffen soll.

Ob das die Planer beim VRT umstimmen kann, wird sich zeigen. Ein Sprecher verkündet zwar, auch „im laufenden Betrieb“ sei „eine Anpassung an den Bedarf der Firma Arla“ möglich. Doch entschieden ist nichts.