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Busverkehr in der Eifel: Eltern sorgen sich um die Kleinsten

Kommen die Kleinsten künftig sicher in die Kita? : Busverkehr in der Eifel – Eltern sorgen sich um Kinder

In etlichen Dörfern der Westeifel machen sich die Eltern von Kindergarten-Schützlingen Sorgen: Wenn kommende Woche der Busverkehr nach neuem Plan verläuft, werden andere Fahrzeuge eingesetzt. Das bedeute auch weniger Schutz für die jungen Fahrgäste.

„Das ist ein Thema, das alle betrifft“, sagt Hanna Thull. Zumindest, wenn sie Kinder haben: Die 36-jährige Mutter aus Heckhuscheid hat zwei kleine Jungs, fünf und eineinhalb Jahre alt. Der Ältere fährt morgens, zusammen mit acht weiteren Kindern aus dem Dorf, mit einem Kleinbus, ausgestattet mit Gurten und Sitzerhöhungen, zur Kindertagesstätte „Wirbelwind“ in Habscheid.

Insgesamt sind es 16 Kinder auf dieser kleinen Schneifeltour, weitere steigen ein in Hallert, auf dem Rehbüsch und in Hollnich. Bisher kamen auf diese Weise alle gut geschützt direkt bis auf den Hof ihrer Kita.

Bisher – denn von Montag an greift der neue Busverkehrsplan, dann betreiben teils andere Unternehmen die voriges Jahr neu ausgeschriebenen Linienpakete. Beim Paket mit dem Namen „Schneifel“ – es reicht von Stadtkyll bis St. Vith, von Clervaux bis Gerolstein – ist das André-Reisen aus Prüm und Dasburg.

Die Beförderung der Kindergartenkinder, teilt die Kreisverwaltung auf unsere Anfrage mit, sei bereits seit Ende der 90er Jahre in den Öffentlichen Personennahverkehr integriert, „ohne dass sich hierdurch größere Probleme ergeben hätten“. Dass rund um Habscheid ein kleineres Unternehmen mit einem oben beschriebenen Bus die Jüngsten transportiere, „stellt insofern eine Ausnahme dar“. Mit der Neuregelung sind solche Ausnahmen perdü, wie auch, heißt es weiter, „die Fahrten zu den Kindergärten in Winterspelt und Olzheim“.

Die Befürchtung der Eltern: In einem künftig größeren Bus bestehe kein ausreichender Schutz für die Kleinsten. Aber das Kindertagesstättengesetz sei beim Punkt „Beförderung“ (Paragraph 11) eher schwammig. Erst in einem Zusatz von 2001 werde verlangt, dass vorhandene Sicherheitsgurte „in Kombination mit einer Sitzerhöhung“ genutzt werden sollen. Von einer generellen Gurtpflicht sagt das Gesetz nichts.

Und, noch interessanter: „Sofern in Bussen Gurtpflicht besteht, muss für Kindergartenkinder auch dort eine Sitzerhöhung verwendet werden“, schreibt die Verwaltung. In größeren Linienbussen gelte diese Pflicht „jedoch in der Regel nicht, weder für Kinder noch für sonstige Fahrgäste.“

„Ein dreijähriges Kind hat aber keine Körperspannung“, sagt Hanna Thull. Müsse der Bus stark bremsen, verliere das Kind den Halt, falle vom Sitz, könne sich verletzen. Fazit: „Ich werde kein Kind da reinsetzen.“

Die Verwaltung verweist darauf, dass in den Bussen besondere Regeln gelten: Für die Kitakinder bestehe eine Sitzplatzgarantie, begleitende Eltern fahren kostenlos mit, für die Fahrerinnen bestünden „besondere Sorgfalts- und Kontrollpflichten“.

Jenny Weber aus Leidenborn hat drei Kinder, die drei- und sechjährigen Söhne fahren morgens nach Lützkampen, der Kleinere zum Kindergarten, der Größere zur Schule. Manchmal habe der eingesetzte Bus Gurte, manchmal nicht, „das wissen wir vorher nie“. Im Moment nehmen die meisten Eltern in den Islek-Orten das in Kauf, denn der Bus fahre direkt nach Lützkampen, das sind nur ein paar Kilometer.

Das Problem: Von Montag an verlaufe die Strecke anders, dann sitzen die Kinder mindestens 15 Minuten länger im Bus – und oft eben unangegurtet. Das wolle man nicht hinnehmen: „Man kann nicht immer den Molli mit sich machen lassen“, sagt Jenny Weber.

Dem Busunternehmen machen die Eltern keine Vorwürfe: Auftraggeber sei die Kreisverwaltung, sagt Hanna Thull, und die bestimme auch, wie der Bus ausgerüstet zu sein habe. Beim Kreis aber habe man ihr dazu bisher keine zufriedenstellende Antwort geben können. Die Chefin der Habscheider Kita, Anja Kiedels, hat Verständnis für die Eltern: „Ich kann die Angst verstehen. Allerdings wüsste ich im Moment auch keine Lösung.“

Vielleicht weiß ja Werner André eine: Der hält sich aber zunächst zurück. „Das geht alles über den Verkehrsverbund Region Trier“, sagt er, Auskünfte dürfe er nicht erteilen. Allgemein aber gelte: Der Verbund, dem alle Kreise und die Stadt Trier angehören, habe die Kinderzahlen ermittelt und dann die Busgrößen vorgegeben. Und daran habe er sich zu halten, sagt André. Im Fall der Schneifel-Kinder aber lässt er nachschauen, welches Fahrzeug für diese Tour vorgesehen ist. Antwort: „Ein 19-Sitzer Sprinter. Mit Gurten.“

Was sagen die Eltern dazu? Gut sei das, sagt Hanna Thull. Aber es gelte eben nur für die Kinder aus den vier Schneifeldörfern. „Das ist nicht, was ich will. Es haben ja alle Kinder das gleiche Recht auf eine ordentliche Beförderung.“

Dazu gehören auch genügend Haltestellen. Aber von denen werden einige gestrichen – wie in Üttfeld, wo wir mit Melina Weber reden: Dort muss dann ihr dreijähriger Sohn nachmittags direkt an der L 9 aussteigen und sie überqueren – „wo Autos fahren, LKW und Traktoren“. Und liege Schnee, könne er nicht einmal den Grünstreifen benutzen. Alles in allem: „hochgefährlich“, sagt sie.

 Gleich kommt der Bus: Mutter Daniela Koch (links) mit Heckhuscheider Kindern vor der Abfahrt nach Habscheid.
Gleich kommt der Bus: Mutter Daniela Koch (links) mit Heckhuscheider Kindern vor der Abfahrt nach Habscheid. Foto: Hanna Thull

Das Kindertagesstättengesetz soll übrigens bis Mitte 2021 geändert werden. Vielleicht könnten ja Sicherheitsgurte und Sitzerhöhungen darin aufgenommen werden, wünscht sich Hanna Thull: „Das wäre mein Ziel.“ Und Jenny Weber ergänzt: Dass dieser Punkt bisher nicht geregelt sei, „ist schon merkwürdig. Wo es schon so viele Gesetze in Deutschland gibt.“