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Carmen und Eike Jablonski haben „Natur im Garten“-Auszeichnung BEKOMMEN

Auszeichnung : 1000 Gehölze und ein Mäh-Management

Carmen und Eike Jablonski haben die erste „Natur im Garten“-Auszeichnung in Rheinland-Pfalz bekommen. Denn ihr Garten ist eine Wohlfühloase für Mensch und Tier.

Als das Ehepaar Jablonski vor 14 Jahren sein altes Bauernhaus kaufte, hatte das schon bessere Tage gesehen. Vier Jahre werkelten sie dann  daran, bevor sie einzogen. Die 2,5 Hektar große Wiese hinter dem Haus, die zuvor jahrelang als Gülle-Wiese genutzt wurde, hatte es den beiden Gartenbauingenieuren besonders angetan. Carmen Jablonski berichtet: „Wir waren hochmotiviert, aus der Wiese einen Garten zu gestalten. Wir wollten etwas ganz Neues machen. Aber die Idee haben wir verworfen, denn wir haben den ökologischen Wert der alten Obstbäume erkannt.“

Als Erstes, noch bevor sie ins Haus einzogen, setzten sie 5000 Narzissen in die Wiese, die in jedem Frühjahr ein gelbes Blumenmeer hervorbringen. Das nächste Projekt war eine 200 Meter lange Hecke aus 15 verschiedenen Holzarten, darunter Schlehe, Haselnuss, Eberesche, Pfaffenhütchen, Schneeball, Holunder und Weißdorn. „Wir haben die Gehölze nicht nur so ausgesucht, dass sie eine interessante Herbstfärbung haben und schöne Blüten. Wir haben auch darauf geachtet, dass die Vögel und Insekten möglichst über einen langen Zeitraum Nahrung und Schutz finden“, sagt Carmen Jablonski.

Wenn sie jetzt auf ihrer Terrasse sitzen oder über die Wiese spazieren, können die Kruchtener verschiedene Schmetterlingsarten beobachten. Etwa 40 verschiedene haben sie schon gezählt. Auch Rotschwänzchen, Grünspechte, Wildtauben und Weiden-Meisen fühlen sich bei ihnen wohl. Selbst Greifvögel wie Falken oder der Rote Milane sind bei ihnen zu finden. Ein Steinkautz hat schon bei ihnen gebrütet. Blindschleichen, Bienen, Wespen, Hornissen, Heuschrecken, Feldgrille und eine Tigerspinne, die typisch für Trockenrasengebiete ist, sind bei ihnen zu Hause. Der Rosinenbaum, den sie angepflanzt haben, ist ein wahrer Bienenmagnet, und spät blühende Linden tragen dazu bei, dass sie lange Nahrung haben.

Auf der Wiese pflanzten sie nach und nach verschiedene Baumarten, darunter Eichen, Mehlbeeren oder Weißdornarten, sowohl eurasische als auch amerikanische. Dabei war nicht alles von Erfolg gekrönt, was sie machten. Einige Bäume, von denen sie dachten, dass sie sehr gut anwachsen würden, haben das nicht getan.

Es gab aber auch positive Überraschungen, etwa Trauerweiden, die mit der Trockenheit sehr gut zurechtkommen, oder der Geschlitzblättrige Spitzahorn. „Insgesamt haben wir 1000 Gehölze gepflanzt, davon sind etwa noch 700 da. Bei einigen ist es sehr schade, aber wir haben hier Kalkstein mit einem hohen PH-Wert. Zudem ist der Boden hier schwer und wird im Sommer extrem trocken. Wenn die Bäume Spalten im untenliegenden Fels finden, wo sie tiefer wurzeln können und auf wasserführende Schichten treffen, gedeihen sie sehr gut“, sagt Eike Jablonski, der auch Präsident der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (Gesellschaft für Gehölzkunde) ist.

Die Jablonskis beobachten unter anderem, dass mediterrane Stauden mit dem trockenen Klima der vergangenen drei Jahre sehr gut zurechtkommen. Eichen aus Texas und New Mexiko gedeihen ebenfalls sehr gut. Seltene Orchideen haben sich in einigen Bereichen des Gartens angesiedelt.

Diese haben die Jablonskis markiert, damit sie beim Mähen nicht mit unter die Messer kommen. Die riesige Fläche wird nur in Abschnitten gemäht, damit die Tierwelt genug Lebensraum hat. „Da haben wir in den vergangenen Jahren ein richtiges Mäh-Management entwickelt“, erklärt Carmen Jablonski.

Wegen ihres beruflichen Hintergrunds und dem „Lost Cultiva Projekt“, das Eike Jablonski mit Kollegen aus ganz Europa initiiert hat, hat das Paar Baumsorten im Garten, die woanders kaum zu finden sind. Zum ersten Mal haben beide beispielsweise im vergangenen Winter die lokale Aprikosensorte „Triumph aus Trier“ selbst vermehrt. In der Sortenliste des Bundessortenamtes ist die Aprikose als „wohlschmeckend und süß“ beschrieben.

„In Österreich in der Wachau wurde sie vor 80 Jahren noch angebaut. In Trier steht im Garten des Vaters von Martin Levin, dem ehemaligen Oberförster von Göttingen, noch ein Exemplar. Im Herbst wollen sie diese alte Sorte hier pflanzen“, sagt Eike Jablonski. Der alte Obstbaumbestand, den er und seine Frau vorgefunden haben, ist bis heute da. Einige Bäume stehen abgestorben auf der Wiese, einer liegt auf dem Grundstück.

 Ein Blick auf die Wiese hinter dem Haus der Jablonskis, die einige Überraschungen und Raritäten bereithält.
Ein Blick auf die Wiese hinter dem Haus der Jablonskis, die einige Überraschungen und Raritäten bereithält. Foto: Christina Bents
 Ein Baum, den der Specht sich als Wohnung ausgesucht hat.
Ein Baum, den der Specht sich als Wohnung ausgesucht hat. Foto: Christina Bents

Eines der alten Obstgewächse wird in großen Teilen nur noch von der Rinde zusammengehalten und könnte vom Aussehen her auch ein Kunstobjekt sein. Doch viel wichtiger ist es als Lebensraum für Insekten, Fledermäuse und vor allem für den Specht, der dort seine Höhle gebaut hat.