1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Chancen und Risiken im Dreiländereck

Chancen und Risiken im Dreiländereck

"Der ländliche Raum in der Wissensgesellschaft": Unter diesem Titel hat die Technische Universität (TU) Kaiserslautern in einem großen Studienprojekt die Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld analysiert und gemeinsam mit Bürgern Entwicklungschancen aufgezeigt.

Arzfeld. Professor Annette Spellerberg vom Lehrgebiet Stadtsoziologie und Professor Bernd Streich vom Lehrgebiet "Computergestützte Planungs- und Entwurfsmethoden in Städtebau und Architektur" betreuten das Eifel-Projekt der TU Kaiserslautern. Bei der Suche nach einem "dünn besiedelten ländlichen Raum in ungünstiger Lage" stießen die beteiligten Studenten auf die VG Arzfeld. Eine erste Analyse ergab als Stärken das touristische Potenzial, die Grenzlage zu Benelux, günstiges Bauland sowie ein gutes Freizeit-, Kultur- und Naherholungsangebot. Unter Schwächen notierten die Teilnehmer die periphere Lage, schlechte Verkehrsanbindung, Bevölkerungsrückgang, Überalterung, geringes Arbeitsplatzangebot besonders an hoch qualifizierten Arbeitsplätzen sowie einen stark unterentwickelten Dienstleistungssektor.Zusammenarbeit über Grenzen hinweg

An dem Arbeitskreis "VG Arzfeld 2020 - außen vor oder mittendrin?" beteiligten sich neben den Studenten auch interessierte Bürger. Ergebnis: Chancen sehen die Teilnehmer im Tourismus, regionaler Produktvermarktung, Grenzlage der VG, Sozialstruktur und Breitband-Internet. Probleme tun sich auf durch die demografische Entwicklung, fehlende gemeinsame Qualitätsstandards der Gastronomie, konservative Einstellung der Bürger zu technischen Neuerungen, schlechte Verkehrsinfrastruktur und fehlendes Problembewusstsein.Daraus ergaben sich konkrete Handlungsempfehlungen. So soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei Bildungseinrichtungen, Medien, Öffentlichem Personen-Nahverkehr (ÖPNV) und beim Radwegenetz verbessert werden.Sensibilisieren, informieren und aufklären: Das soll das Problembewusstsein bei den Bürgern fördern. Für besonders wichtig halten die Teilnehmer die Einbindung der Bürger etwa bei der Ortsgestaltung oder über Ehrenämter.Durch Ausbau der Verkehrswege sollen die Pendlerströme bewältigt und Anbindungen verbessert werden. Ruftaxis könnten das ÖPNV-Angebot ergänzen. Durch Ausbau der Energiewirtschaftsbranche, spezifische Ausbildungsmöglichkeiten und Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen soll eine zukunftsfähige Arbeitswelt entstehen.Neue Technologie für Kinder und Senioren

Bildungseinrichtungen sollen für alle zur Verfügung stehen, etwa durch E-Learning (Lernen am Computer). Besonders Kinder und ältere Menschen sollen an neue Technologien herangefürt werden."Es sind sehr gute Ansätze vorhanden", heißt es im Fazit des Studienprojekts. Diese Strukturen gelte es zu optimieren und auszubauen nach dem Vorbild anderer Regionen.Die VG-Verwaltung unterstützte das Projekt. "Wir haben Datenmaterial zur Verfügung gestellt und Kontakte hergestellt zu regionalen Akteuren aus Bereichen wie Landwirtschaft, Weiterbildung oder Unternehmerschaft", berichtet Bürgermeister Patrick Schnieder. Verwaltungsmitarbeiter Michael Thiel nahm am Bürgerarbeitskreis und der ersten Präsentation in Kaiserslautern teil."Es ist wichtig und wertvoll, dass sich jemand von außen mit wissenschaftlichen Instrumenten unsere Region angeschaut hat", stellt Schnieder fest. Die Studenten seien überrascht gewesen, wie der ländliche Raum auf Prozesse reagieren und Bürger aktivieren könne: "Wir als VG nehmen die Ergebnisse als Anregung, in Bereichen nachzusteuern, und als Bestätigung, eine gute Richtung eingeschlagen zu haben."