Chinesische Papierkunst in Eifeler Baukultur in Weidingen

Sommerausstellung : Chinesische Papierkunst trifft Eifeler Baukultur

Kunstfreunde, aufgepasst: Am Samstag, 27. Juli, 17 Uhr, eröffnet in Weidingen die Sommerausstellung. In diesem Jahr sind Werke des chinesischen Malers Zhang  Wei zu sehen. Außerdem plant die Stiftung ein neues Bauprojekt.

Die Rasensprenger sind auf dem großen Grundstück verteilt. Es war bislang zu trocken in der Eifel. Und zur Ausstellung des in Peking lebenden Malers Zhang Wei soll alles  tipptopp aussehen. Scheiben werden geputzt, kleine Reparaturen erledigt, emsige Handwerker legen letzte Hand an.

Die Sommerausstellung der Stiftung zur Förderung zeitgenössischer Kunst in Weidingen hat sich in der Szene schon einen Namen gemacht.  Kunstliebhaber aus aller Herren Ländern finden in diesen Tagen den Weg ins beschauliche 180-Einwohner-Dorf in der Südeifel.

Die Stiftung wurde 2012 von den Galeristen Max-Ulrich Hetzler und seiner Frau Samia Saouma gegründet. Sitz der Stiftung ist das denkmalgeschützte Haus, der ehemalige Billenhof, in der Gartenstraße in Weidingen.

In den 80er Jahren, damals war Hetzler noch Galerist in Köln, hat er das historische Haus gekauft, um dort auszuspannen. Mittlerweile hat das Haus auf dem weitläufigen Grundstück noch Nachbarn bekommen. Die Architekten Anja und Dirk Axt aus Trier haben eine Ausstellungshalle und ein Gästehaus gebaut. „Die Ausstellungshalle haben wir als Scheune interpretiert“, sagt Anja Axt. Durch die Verkleidung der Fassade mit Holzlatten, den großen, an Scheunentore erinnernden Schiebeelementen und den kleinen Fenstern im Dach, die Tennenklappen nachempfunden wurden, haben sich die Architekten an der dörflichen Struktur orientiert. „Wir haben die Anordnung der Ausstellungshalle zum Hauptgebäude bewusst respektvoll gewählt.“

Dasselbe gilt auch für das Gästehaus, das 2012 fertig wurde. Dieses ist gedacht für Besucher und Freunde der Stiftung und Künstler, die vor Ort arbeiten. „Es ist leider nicht buchbar“, sagt Anja Axt, die schon öfter darauf angesprochen wurde.

Auch bei diesem Bau galt das Motto: Weniger ist mehr. Die Architektur ist dem Trierer Einhaus nachempfunden. Dach und Wände bestehen aus voroxidiertem Kupfer, dessen Farbe an die Eifelerde erinnern soll. „Das ist das Braun, welches man wahrnimmt, wenn man durch die Eifel fährt“, sagt die Architektin. Auf der großen Rasenfläche verteilt finden sich die Skulpturen vieler Künstler, die mit Max Hetzler zusammenarbeiten, wie Georg Herold, Günther Förg, Ernesto Neto oder Darren Almond. Von ihm stammen zwei  Sandsteintische mit dem Titel Contact. Auf den Tischplatten sind Datum und Uhrzeit der Mondlandung eingraviert.

Keine 200 Meter vom Grundstück entfernt ist 2016 ein eigenes Gebäude, die Bibliothek Günther Förg, entstanden. Darin befinden sich an die 3000 Kunst- und Architekturbücher. Öffentlich zugänglich ist die Sammlung allerdings nicht. Alle Gebäude wurden mit Baukulturpreisen gewürdigt.

Und es gibt im Dorf noch mehr Kunst zu entdecken. Fährt man in Richtung Krautscheid den Berg hoch,  findet man die Skulptur der britischen Künstlerin Rebecca Warren.  Sie trägt zwar den Namen „Man and the dark“, zeigt aber zwei Frauenbeine in hohen Schuhen. Eine weitere Skulptur des Londoner Künstlers Darren Almond soll ebenfalls in Weidingen aufgestellt werden.  „Das ist aber noch Zukunftsmusik“, sagt Max Hetzler.

Ein neues Projekt ist aber schon in Arbeit.  In unmittelbarer Nähe der Skulptur hat die Stiftung Land erworben. Geplant ist, anstelle des alten Rodenhofs einen Pavillon zu bauen, der dem deutschen Maler Albert Oehlen gewidmet wird. „Das wird eine ganz große Sache, architektonisch auch sehr spannend“, sagt Max Hetzler. Im Gebäude sollen Werke von Albert Oehlen ausgestellt werden. Und es werde ein Atelier eingerichtet. „Albert Oehlen ist einer der gefragtesten deutschen Maler“, sagt Hetzler. Baubeginn soll im Frühjahr sein.

Im Vordergrund zu sehen, die Rückseite der Galerie Günther Förg, im Hintergrund die Kirche von Weidingen. Foto: TV/Stefanie Glandien
Im Vordergrund steht die Skulptur von Ernesto Neto aus Cortenstahl. Im Gebäude werden die Werke des Künstlers Zhang Wei gezeigt. Foto: TV/Stefanie Glandien
Die Aluminiumskulptur von Toby Ziegler trägt den Namen „Slave“. Foto: TV/Stefanie Glandien

Doch so lange sollte man nicht warten, um Weidingen einen Besuch abzustatten. Zur Eröffnung der Sommerausstellung am 27. Juli ist wieder ein großes Fest geplant. Speziell für die Ausstellungshalle hat der in Peking lebende Maler Zhang Wei ein besonderes Werk geschaffen: ein vier mal sechs Meter großes abstraktes Gemälde auf einem riesigen Bogen aus handgeschöpftem Xuan-Papier.

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