Christdemokratische Palastrevolution

Christdemokratische Palastrevolution

Nicht alle Christdemokraten in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld unterstützen den offiziellen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl: Heute Abend wird sich laut TV-Informationen ein weiterer Bewerber vorstellen, flankiert von etlichen CDU-Mitgliedern, die damit Klaus Juchmes die Gefolgschaft verweigern.

Arzfeld/Eschfeld. (fpl) Die Wahl zum Bürgermeister in der Verbandsgemeinde Arzfeld (der TV berichtete) wird noch spannender als erwartet: Wie der TV erfuhr, wird sich heute Abend in Eschfeld ein weiterer Bewerber präsentieren. Das allein wäre noch keine besondere Nachricht. Aber der Unbekannte wird aus ernstzunehmenden Kreisen der VG-CDU unterstützt.

Offenbar sind im Islek noch mehr als nur die 13 Nein-Sager bei der Nominierung von Klaus Juchmes (TV vom 12. Dezember) nicht einverstanden mit dem offiziellen Parteikandidaten.

"Der Wunsch der meisten hier in der VG ist: Wir wollen wieder einen Schnieder haben", sagt ein Parteimitglied, das vorerst nicht genannt werden möchte. Das bedeute: einen jungen Kandidaten, der von außerhalb der Verbandsgemeinde komme und mit allen kommunalen Wassern gewaschen sei.

Anscheinend hat sich nun ein Mann gefunden, der diesen Anforderungen gerecht wird. Noch pikanter aber ist der Umstand, dass es sich dabei um einen der - neben Klaus Juchmes - beiden weiteren Bewerber handelt, die sich vor der Nominierung dem Vorstand und der VG-Ratsfraktion vorgestellt hatten.

Dieser Mann habe eine überzeugende Vorstellung abgeliefert, heißt es - dennoch entschied sich die Parteispitze für Klaus Juchmes. "Da hätten selbst Angela Merkel oder der Papst keine Chance gehabt", sagt ein CDU-Mann. "Das ist, wie wenn ein Junge einen tollen Aufsatz schreibt und von der Lehrerin mit einer ,ausreichend' belohnt wird."

Und genau deshalb seien viele Christdemokraten unzufrieden - nicht, weil Juchmes kein guter Kandidat sei. Sondern weil sie der Meinung sind, der vielleicht bessere Bewerber sei den Wählern vorenthalten worden.

Bei der heutigen Versammlung sollen deshalb laut TV-Informationen eine Reihe von CDU-Schlüsselfiguren in der VG dabei sein. Etliche mit Bauchweh, denn der Vorwurf des Verrats macht ihnen durchaus zu schaffen. Dennoch: Am Ende sollen die nötigen 60 Unterschriften zusammenkommen, damit der Bewerber als unabhängiger Kandidat für die Wahl angemeldet werden darf.

Der mögliche Aspirant hat inzwischen kurz mit dem TV gesprochen - und freut sich über den Rückhalt, den er bereits erfahren habe: "Mit welchem Enthusiasmus da zu Werke gegangen wird, ist für mich unglaublich", sagt der Verwaltungsfachmann. "Und wenn sich am Montag herausstellen sollte, dass die Leute mir ihre Unterstützung zusagen, dann werden am Dienstag alle weiteren Schritte auf den Weg gebracht."

Meinung

CDU entdeckt die Demokratie

Schwierige Zeiten für die Eifeler Christdemokraten: Während die Polizeidaten-Affäre um Michael Billen und dessen Schweigen an ihnen hängen wie ein Klotz, ist es auch mit der von CDU-Bürgermeisterkandidat Klaus Juchmes geforderten Einigkeit nicht weit her. Gerade mal eineinhalb Wochen nach Juchmes' Nominierung schert eine ernstzunehmende Gruppe aus - und unterstützt einen anderen Bewerber. Kurz: Die CDU entdeckt die Basisdemokratie. Das bringt Unruhe - und den Vorwurf, dem eigenen Mann in den Rücken zu fallen. Aber die Rebellen tun etwas, das vielen Politikern gut zu Gesicht stehen würde: Sie handeln nach ihrem Gewissen und lassen sich nicht dazu zwingen, ihre Überzeugung der Parteidisziplin zu opfern. Keine einfache Entscheidung - aber die Richtige. Denn den Vorteil haben die Wähler. c.brunker@volksfreund.de

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