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Corona-Krise setzt Künstler in de Eifel unter Druck

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultur in der Corona-Krise : Eifeler Musiker werden erfinderisch und weichen ins Netz aus

Die Corona-Krise macht auch in der Region Künstlern aller Sparten einen dicken Strich durch die Rechnung, doch Not macht erfinderisch: Konzerte, Lesungen und Musikunterricht finden – sofern das Netz es es zulässt – im Internet statt.

Ein Sofa, ein Mikrofon und eine Gitarre tauchen auf dem Monitor auf, am rechten Bildrand das Modell eines menschlichen Skelletts. „Das ist Egon“, sagt Nicholas Müller, Ex-Sänger von Jupiter Jones, Echo-Preisträger und gerade damit beschäftigt, sich für das Online-Konzert vorzubereiten. „Egon“ passt gut ins Bild: Müller müsste zurzeit eigentlich mit seinem Programm „Zum Sterben zu viel, ein Abend mit dem Tod und Nicholas Müller“ unterwegs sein. Doch, wie überall und für jeden Künstler auf der Welt gilt auch für ihn: „Alles abgesagt, wir haben die Konzerte in den Sommer verlegt.“

Das Konzert im Internet gibt der Sänger zugunsten der Initiative „Rettet die Popkultur“. Träger des Vereins ist Landesarbeitsgemeinschaft Rock & Pop Rheinland-Pfalz e.V., über deren Website die Zuschauer zugunsten Kulturschaffenden, die von der Corona-Krise betroffen sind, Spenden können. „Das mit dem Virus werden wir Menschen wohl hinkriegen. Dann müssen wir gucken, was mit dem ganzen Rest passieren soll“, sagt Nicholas Müller am Ende der fast eineinhalb Stunden des Videos.

In Prüm macht sich Regionalkantor Christoph Schömig Gedanken, ob die von ihm geplanten Projekte in den kommenden Monaten stattfinden können. Ein Konzert des Kammerchors Westeifel Ende März sei abgesagt und auf den November verschoben worden, berichtet Schömig. Ein weiteres großes Ereignis im Juni stünde auf der Kippe: „Ein Jubiläumskonzert mit dem Domchor Luxemburg“, sagt der Kantor.

„Doch der Kammerchor darf zurzeit aus nachvollziehbaren Gründen nicht proben – und ohne Proben kann es kein Konzert geben.“ Am Pfingstsonntag, 31. Mai, wollte Schömig mit einem Orgelkonzert die beliebte Kirchenmusikreihe in der St.-Salvator-Basilika eröffnen – auch hier herrsche noch Ungewissheit, ob die Veranstaltung planmäßig laufen könne. „Vielleicht, wenn wir die nötige Ausrüstung besorgen können, wird das Konzert live im Internet übertragen“, sagt Schömig.

Der Pianist Tobias Schmitz (Von Brücken, Roxxbusters, Jupiter Jones) gibt sich bereits seit Beginn der Krise regelmäßig auf Facebook die Ehre. Am vergangenen Sonntag hatten sich rund 2500 Zuhörer in sein Konzert eingeklinkt: „Es ist ein musikalisches Projekt, das ich ohnehin verwirklichen wollte“, sagt Schmitz.

„Nun, da alle Auftritte ausgefallen sind, habe ich ja genug Zeit dazu.“ Wirtschaftlich gesehen sei die Corona-Krise für ihn und alle Freiberuflichen eine absolute Katastrophe, erzählt der Musiker. „Die groß angekündigte Soforthilfe greift nicht, wir fallen durch das Raster.“ Einnahmen aus den Online-Konzerten gebe es keine, doch das Experiment, im Internet aufzutreten, könne große Auswirkungen auf die gesamte Musik-Szene haben. „Die dazu notwendige Technik erfährt garantiert einen riesigen Schub“, sagt Schmitz.

In der Südeifel ärgert sich die Mundartsängerin Sylvia Nels über ihre lahme Internetverbindung. „Ich versuche zurzeit mit Online-Unterricht zu überleben“ sagt Nels. „Doch es ist hier in der Eifel schlichtweg kaum machbar, weil die Technik nicht ausgereift ist – es kommt immer wieder zu Zeitverzögerungen.“ Inzwischen habe sie ein Lied auf YouTube veröffentlicht, sagt die Sängerin. „Ich persönlich glaube, dass wir Musiker auch systemrelevant sind. Unser Angebot im Netz kann die Menschen davor bewahren, in dieser Situation durchzudrehen.“

Die Probleme mit dem langsamen Internet machen auch dem Musiker Dirk Klinkhammer zu schaffen. „Ich habe den Eltern meiner Schüler angeboten, Playbacks und Noten für den Musikunterricht per Email zu verschicken.“ Dem hätten alle Eltern zugestimmt, „zum Glück, denn für Dienste wie Skype taugt unser Internet nicht.“

Dennoch wolle er die Kinder motivieren, weiter zu machen, sagt Klinkhammer, dem etliche Aufführungen als Bassist der Revue „Tanz auf dem Vulkan“ im Trierer Theater weggebrochen sind. „Ich nutze die Zeit, um mich am Instrument weiter zu verbessern - und ich habe mit der Arbeit an einem neuen Musical begonnen. Irgendwann geht es ja weiter.“