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Corona-Pandemie: Eifeler Gastwirte bereiten sich auf die Öffnung vor

Eifeler Gastwirte bereiten sich auf Öffnung vor : Endlich öffnen, endlich ausgehen

Keine Frage. Für das Gastgewerbe endet kommenden Mittwoch eine lange Durststrecke. Doch für die Betreiber von Hotels, Restaurants, Kneipen und Campingplätzen sind etliche Detail-Fragen noch offen.

Ein Wort fällt immer wieder. Endlich! Keine Frage, auf diese Lockerung hat die Gastronomie gewartet, dafür haben sie gekämpft. Jetzt gibt es den Termin, auf den alle hinarbeiten können: Mittwoch, 13. Mai. Kein Samstag, ein gewöhnlicher Wochentag. Das wird den Ansturm etwas abbremsen. Schließlich haben nicht nur die Gastwirte, sondern auch die Bürger darauf gewartet, dass wieder ein Stück Normalität zurückkehrt. Endlich.

Egal wo, so wie vorher wird es nicht laufen. Welche Vorschriften genau aber zu beachten sind, ist noch völlig unklar. Heute soll es dazu die ersten genaueren Informationen geben.

Fest steht aber ohnehin schon: Abstände müssen gewahrt bleiben. Das heißt: Tische rücken. Und: Nur maximal zwei Haushalte dürfen zusammen Platz nehmen, das Personal wird Mundschutz und Handschuhe tragen. Und von Eingang bis zu den Toiletten: Desinfektionsmittel gehört jetzt überall dazu. So weit, so normal. Darüber hinaus steckt der Teufel im Detail.

„Für uns ist das eine große Frage, ob unsere niederländischen Gäste bis dahin wieder einreisen dürfen“, sagt Daniel Köhler vom Campingplatz Prümtal in Oberweis. Eine Frage, die sich seine Kollegin vom Waldcamping Prüm ebenfalls stellt. „Niederländer und Belgier machen mindestens die Hälfte unserer Gäste aus“, sagt Sarah Marder. Keine Frage, dass sich die Campingplatzbetreiber in der Eifel freuen, wieder öffnen zu dürfen. „Wir hätten ja schon an Ostern bei dem Wetter und den 1. Mai ein gutes Geschäft machen können“, sagt Marder. Jetzt klappt es hoffentlich zu Christi Himmelfahrt. Wenn das Wetter mitspielt.

Campen ist wetterabhängig. „Wir müssen in der Saison das Geld für den Winter verdienen“, sagt Nicole Bach vom Campingplatz Körperich. Da tut jede fehlende Woche, jeder fehlende Monat weh. Hinzu kommt: „Wie es mit den Schwimmbädern weitergeht, weiß noch keiner“, sagt Köhler. Und die Bäder am Campingplatz sind das, was für viele einen solchen Urlaub gerade auch mit Kindern attraktiv macht.

„Aber genau das gehört zu den Unklarheiten: Wie viele Kinder wie vieler Familien dürfen hier untereinander spielen?“, fragt sich Köhler. Dass die Sanitärbereiche – also Duschen und Toiletten – wahrscheinlich geschlossen bleiben müssen, erwarten die Betreiber. Und das bedeutet: „Wer mit dem Zelt mal ein Wochenende kommen will, dem müssen wir absagen, fürs erste scheinen nur Selbstversorger möglich zu sein“, sagt Köhler und meint Camper mit eigener Toilette im Wagen.

Solche Unklarheiten kennt auch die Gastronomie. Natürlich ist die Freude groß, wieder zu öffnen. Doch unter welchen Umständen genau, steht auch hier noch in den Sternen. „Inwieweit dürfen welche Menschen unter welchen Voraussetzungen zusammensitzen?“, sagt beispielsweise Michael Müller vom Bitburger Bierhaus. Ob er die vier Häuser in Familienhand bereits alle am Mittwoch aufmache, hänge eben auch davon ab, wie viele und welche Details es noch umzusetzen gelte. Und vom Zuspruch: „Uns fehlen natürlich die Gäste aus Luxemburg und die Amerikaner und auch die Touristen in der Stadt“, sagt Müller. Ob es sich lohnt, Bierhaus, Casa L, Loum und Louis Müller gleichzeitig zu öffnen oder man schrittweise vorgehe, müsse sich zeigen: „Die Situation ist ja für uns alle neu.“

In einer solchen Situation kommen auch neue Fragen auf: Dürfen Männer nur noch mit Mundschutz zusammen aufs Pissoir oder nur noch einzeln nacheinander? Oder: Müssen die Gäste, wenn sie ihre Bestellung aufgeben oder bezahlen, Mundschutz tragen?

Im Bleialfer Hotel-Restaurant Haus Zwicker wartet auch Sascha Hell auf die letzten Anweisungen der Landesregierung in Mainz. Mit Desinfektionsmitteln, Spendern, Hygienehinweisen und anderen Notwendigkeiten ist das Hotel ausgestattet – „das ist ja alles mittlerweile schon normal“. Die Mitarbeiter, je nach Saison bis zu 20, werde er vor der Öffnung noch einmal ins Gebet nehmen. Bei Einhaltung aller Regeln hofft er, zwischen 50 und 70 Prozent seiner Kapazität im Haus und draußen wieder nutzen zu können.

Jetzt aber freut er sich erst einmal: „Auf unsere Gäste. Und darauf, endlich wieder mit meinem Team zusammenzuarbeiten.“ Es sei schwer gewesen, für alle, sagt Sascha Hell. „Natürlich hatten wir Einbußen. Aber es wird ja wieder besser. Und ich hab mich sicher gefühlt in der Krise.“ Weshalb er auch dabei bleibt: Die Regierenden hätten das Land bisher gut durch die Pandemie geführt. „Wir stehen in Deutschland besser da als alle anderen auf der Welt.“

Damit das so bleibe, müsse sich aber jeder auch weiterhin vorsichtig und diszipliniert verhalten: „Wenn wir jetzt alle so tun, als wär der Schnupfen vorbei, dann kriegen wir in zwei Monaten die Quittung.“

Das betont auch Daniel Köhler: „Wir müssen verantwortungsbewusst mit diesem Stück Freiheit umgehen, damit es dabei bleibt.“ Und wer will schon zurück? Oscar Heidema, Gastronom im Golfresort Bitburger Land auf jeden Fall nicht. „Auch, wenn ich im Halfway-House Würstchen gegrillt und auf die Hand verkauft habe, ich will hier endlich wieder richtig Bewegung, gerade bei dem Wetter“, sagt der Gastwirt, dem bereits Geburtstage, Hochzeiten, Kommunionfeiern und andere Events weggebrochen sind.

Jetzt werden Stühle gerückt. Heidema bleibt optimistisch: „Genug Platz habe ich auf der Terrasse, es kommt noch ein Zeltdach drüber und hoffe, dass vielleicht kleinere Turniere mit Abstand zwischen den Teilnehmern dann auch irgendwann wieder drin sind.“ Diese Lockerung ist für ihn erst der Anfang. Er baut darauf, dass es Stück für Stück weiter geht – wenn sich alle an die Spielregeln halten.

Doch wie diese eben genau aussehen, ist noch offen. Markus Pint, Wirt der Prümer Musikkneipe Rampenlicht, wartet, wie er sagt, „dringendst auf die schriftliche Verordnung“ aus Mainz. „Damit ich überhaupt weiß: Was kommt auf mich zu?“ Vorbereitet ist er trotzdem: Spender mit Desinfektion überall, von den Toiletten bis zum Weg nach draußen auf die neue Terrasse. Die hatte Eigentümer Oliver Hofrath im Zuge des Hahnplatz-Umbaus eingerichtet, alles wunderbar, und dann kam Corona. „Das ist natürlich bitter“, sagt Pint. Aber jetzt sei etwas anderes wichtig: „Wir freuen uns natürlich, dass wir überhaupt wieder aufmachen dürfen.“ Und dann gilt: „Die Leute müssen vorab reservieren. Dann müssen wir aufschreiben: Wer kommt, wer sitzt mit wem am Tisch?“

Pint überlegt, künftig eine Reservierungs-App zu nutzen. „Dann habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Erstens sehe ich, wer reserviert hat. Und zweitens habe ich dann die Daten.“ Wichtig, wenn es an die Nachverfolgung von Neuinfektionen gehe. Eine Sorge hat deshalb auch der Prümer Gastwirt: Dass sich die Infektionszahlen wieder nach oben bewegen. Vierstellig waren sie am Mittwoch schon wieder bundesweit.

Im Eifelkreis scheinen sich die aktuellen Corona-Fälle bei 30 einzupendeln. Dass es auch in der neuen Freiheit so bleibt: Dazu können alle einen Beitrag leisten.