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Corona und der Karneval: Wie soll das gehen?

Feiern in der Pandemie : Corona und der Karneval, wie soll das gehen?

Viele Karnevalsvereine machen sich Sorgen infolge der Pandemie. Der Vorstand der Rheinischen Karnevals-Kooperationen Hans Mayer traf sich daher mit Vereinsvertretern, um sich deren Probleme und Bedenken anzuhören. Dabei hat er eine Bitte an die Vereine und einen dringenden Appell an die Politik.

Zahlreich sind sie erschienen, die Karnevalisten der Region. Die Frage des Tages: Was ist mit Karneval 2021? Wird es Veranstaltungen geben? Wenn ja, unter welchen Auflagen? Hans Mayer, Vorstand der Rheinischen Karnevals-Kooperationen (RKK) findet klare Worte: „Wir sind uns einig darüber, dass bei der jetzigen Situation, unter den jetzigen Auflagen, der 11.11., so wie wir ihn kennen, nicht durchführbar ist. Karneval findet statt, wie, ist eine andere Frage. Es geht darum, Schaden abzuwenden.“

Sowohl Saalveranstaltungen als auch der Straßenkarneval stellen große Herausforderungen dar. Abstände, Masken, Einlasskontrollen – alles schwer umzusetzen, besonders bei größeren Menschenmassen und steigendem Alkoholpegel. Viele Vereine sind sich unsicher. Martin Knauf aus Bleialf sieht zudem finanzielle Hürden: „Der Zug verursacht große Kosten. Sanitäter und sanitäre Einrichtungen müssen auch bezahlt werden.“

Ein alternatives Konzept haben sich Daniel Traut aus Ehlenz und seine Kollegen überlegt. Sie könnten sich vorstellen, in den digitalen Bereich auszuweichen. Zwar habe der RKK keine Möglichkeiten, wie man das konkret gestalten könnte, doch gebe es Gruppen im Internet, die sich mit dem Thema beschäftigen. Auch Landrat Joachim Streit hat dazu eine Idee: „Ein digitaler Wettbewerb für den Gardesport wäre denkbar. Da könnte ich mir vorstellen, dass wir seitens der Kreissparkasse Preise ausstellen, damit wir die jungen Leute motivieren. Dann hätte man ein Ziel.“

Michael Gansen vom KV Seepferdchen Biersdorf sieht für die kommende Session schwarz: „Für uns ist Karneval unter den derzeitigen Vorschriften und coronabedingten Regeln komplett ausgeschlossen.“

Ergänzend betont der Vorsitzende des Vereins, Stefan Schomer, „dass für den KV Seepferdchen Biersdorf am See der Karneval der Session 2020/2021 definitiv noch nicht ausgeschlossen oder abgesagt ist. Bis dahin ist noch eine viel zu lange Zeit, und bis dahin kann noch viel passieren beziehungsweise sich noch viel ändern.“ Auch Gardetanztrainings würden momentan ganz normal angeboten und selbstverständlich unter den aktuell geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen ausgeführt.

Auch für Rosi Wolter vom Karnevalsverein „Hejele“ aus Gonzerath ist es zu riskant, nächstes Jahr überhaupt Fastnacht zu feiern. Die Verantwortung und die Gefahr einer Ausbreitung der Krankheit seien zu groß. „Dann soll der Verein geradestehen, weil einer dabei war, der Corona hat und es verteilt?“ Sie richtet sich an den Vorstand und plädiert für die komplette Absage der Veranstaltungen.

Das liege jedoch nicht in der Hand des RKK, stellt Vizepräsident Hermann Wagner klar. „Wir können nur Empfehlungen geben, wir können nicht pauschal sagen, dass wir alles absagen. Hans Mayer fügt hinzu: „Wir als RKK haben in keiner Schublade den Plan, wie es in den verschiedenen Orten gemacht werden muss. Wenn es möglich sein soll, dann ist jeder auf sich selbst gestellt, aber dann trägt auch jeder die Verantwortung.“

Aus diesem Grund sieht er dringenden Handlungs- oder eher Entscheidungsbedarf in der Politik. Wenn nämlich von oben die Ansage käme, dass alles abgesagt wird, könnten die Vereine Buchungen von Künstlern und Sälen stornieren, ohne Schadensersatz zahlen zu müssen. „Bis dahin habe ich eine Bitte an euch: Sagt keine Veranstaltungen ab. Lasst die Politik ja oder nein sagen. Wenn die Politik ja sagt, dann wird sie uns auch sagen, wie.“

Am Freitag, 28. August, trifft sich Mayer mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer, um ihr die Sorgen und Nöte der Vereine vorzutragen. Und ihr die Pistole auf die Brust zu setzen. „Wir brauchen jetzt eine Entscheidung, sonst müssen wir davon ausgehen, dass viele Vereine nach der Corona-Krise nicht mehr da sind.“

Dietmar Neises, Regionalbeauftragter Bitburg-Prüm (organisierte den Abend), RKK-Präsident Hans Mayer, Landrat Joachim Streit. Foto: Anja Theis
Viel Betrieb, beste Laune – kann das auch für die Corona-Session 2020/2021 gelten? Foto: Fritz-Peter Linden

Ein Verlust von Kultur und Brauchtum, der für die Jecken der Region sicherlich nur schwer zu verkraften wäre. Mayer ist jedoch zuversichtlich: „Wir werden am 28. ein Ergebnis haben. Ich bin guten Mutes, dass wir eine Entscheidung bekommen werden, mit der wir alle leben können.“