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Coronavirus: Die April-Ereignisse in der Eifel

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Entwicklung im April : Kleine Schritte zurück zur Normalität

Ein Monat, in dem die Corona-Fälle im Eifelkreis um 60 Neuinfektionen auf 172 steigen. Aber die Gruppe derer, die als genesen gelten, wächst beträchtlich, so dass die Zahl der aktiven Fälle im April kontinuierlich sinkt. Ein Rückblick:

Große Hilfsbereitschaft, Erfindergeist und Einfallsreichtum, Ernüchterung und Hoffnung: Der April hat alle vor Herausforderungen gestellt. Ob Jung oder Alt: Kontakte fehlen und so manches mehr, das sich nun, nach Wochen der Einschränkungen, anfängt bemerkbar zu machen.

Erste Apriltage In Gerolstein wird eine Corona-Schwerpunktklinik eingerichtet, wo 40 Betten ausschließlich für Menschen bereitstehen, die sich mit dem Virus infiziert haben und stationäre Behandlung brauchen. In Bitburg löst die Polizei private Veranstaltungen auf – an einem Abend gleich drei Mal. „Das konterkariert das verantwortungsbewusste Verhalten des Großteils der Bürger“, sagte Polizei-Chef Christian Hamm damals. Auch wenn er mit seiner Mannschaft noch häufiger einschreiten musste: Es blieb bei Einzelfällen.

Der April: Der Einzelhandel darf unter Auflagen öffnen – auch Sportanlagen wie die Golfplätze, und das DRK zieht mit der Sichtungsstelle in die Housing. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Die Kreisverwaltung verlegt in Zusammenarbeit mit dem Team vom Roten Kreuz im Eifelkreis die Corona-Sichtungsstelle vom Alten Gymnasium in die ehemalige Comissary in der Housing. 1500 Beratungsgespräche und weit mehr als 500 Tests hat die DRK-Mannschaft bis dahin ehrenamtlich gestemmt.

Der Prümer Gewerbeverein geht mit einem Lieferservice an den Start – ab einem Warenwert von 30 Euro bekommen Kunden der teilnehmenden Geschäfte die gewünschten Produkte vor die Haustür.

Die Zahl der offiziell bestätigten Coronafälle steigt binnen der ersten fünf Apriltage um neun auf 121; davon gelten 30 als genesen. Heißt: Es gibt am 5. April 91 aktive Corona-Fälle.

2. Aprilwoche Not macht erfinderisch: Ob Fitnessstudio, Musik- oder Tanzschule – man wird kreativ. Auch lokale Anbieter stellen zunehmend Kurse und Videos ins Internet. Restaurants bieten Essen zum Mitnehmen an. Eine Apothekerin aus Arzfeld stellt aus Branntwein Desinfektionsmittel her. Der Bitburger Gewerbeverein entwickelt eine Plattform, auf der sich alle Betriebe präsentieren können, zudem geht ein lokales Online-Shopping-Portal an den Start. Die Zahl der Hilfsaktionen wächst täglich. Fast in jedem Ort gibt es inzwischen Einkaufsdienste. An Ostern bleiben die Kirchen leer, viele Geistliche übertragen Predigten und ganze Gottesdienste im Internet. Und überall werden Masken genäht.

Im Hillesheimer Altenheim werden 14 der insgesamt 105 Bewohner sowie vier Pflegekräfte positiv auf Covid-19 getestet. Ein 81-jähriger Mann, der bereits eine Woche im Corona-Krankenhaus in Gerolstein beatmet wurde, stirbt. Er soll zudem diverse Vorerkrankungen gehabt haben. Der erste Mensch, der in der Eifel mit, nicht unbedingt an, Corona stirbt. Ende der Woche gibt es drei gestorbene Corona-Patienten – Durchschnittsalter 83 Jahre, alle mit Vorerkrankungen.

Der EInkauf hat in Prüm wieder begonnen. Foto: Fritz-Peter Linden

Die Zahl der Corona-Fälle steigt im Eifelkreis binnen sieben Tagen um 15. Allerdings steigt auch die Zahl der Genesenen erheblich, so dass es Ende der Woche „nur“ noch 76 aktive Fälle gibt – 24 weniger als noch in der Woche vor Ostern.

3. Aprilwoche Der Bitburger Gewerbevereinsvorsitzende hofft auf Lockerungen für den Handel. Die Betriebe leiden unter der Schließung. Etliche Solo-Selbstständige melden sich arbeitssuchend.

In Neuerburg eröffnet eine Fieber-Ambulanz, der Caritasverband bietet nun einen Telefonservice gegen die Einsamkeit an, ähnliches hatte das DRK bereits zuvor für Senioren eingerichtet. In Altenheimen und Krankenhäusern herrscht striktes Besuchsverbot. Nach nun vier Wochen drückt die Kontaktsperre manchen aufs Gemüt.

Ende der Woche steht fest: Der Einzelhandel darf unter Auflagen öffnen, die Gastronomie bleibt weiter geschlossen, und alle Großveranstaltungen sind bis Ende August abgesagt. Das Aus für Bitburgs Folklore-Festival, den Prümer Sommer und viele weitere Feste. Ab wann eine Veranstaltung eine Großveranstaltung ist, definiert die Landesregierung nicht – später wird klar: Diesen Sommer wird es keine Dorffeste geben.

Trotz aller Einschränkungen steigt die Zahl der offiziell getesteten Coronafälle um 19 auf 155. Da die Zahl der Genesenen stärker steigt als die Zahl der Neuerkrankungen, sinken die aktiven Fälle auf 43 – noch mal deutlich niedriger als in der Woche zuvor.

4. Aprilwoche An der Grenze zu Luxemburg wächst der Frust. Pendler stehen Tag für Tag Stunden im Stau. Zwar werden zusätzliche Grenzübergänge wie etwa der in Bollendorf geöffnet. Aber die Kontrollen brauchen ihre Zeit. Der Einzelhandel öffnet wieder. Die Innenstädte füllen sich, wirken im Vergleich zu den Wochen davor fast richtig lebendig. Viele tragen Masken, auch wenn diese noch nicht Pflicht sind.

Auch Tierparks und Golfplätze dürfen wieder öffnen – für die Eifel ein Gewinn. Tagestouristen aus Nordrhein-Westfalen zieht es nun auf die Abschläge der vier Eifeler Golfplätze. Hotels und Gastronomie aber bleiben weiter geschlossen. Genau in diesen Branchen rund um Gastgewerbe und Tourismus sehen die Vorstände der Regionalbanken in der Eifel ernste Probleme. In Trier protestieren Gastwirte mit leeren Stühlen und Tischen – selbstverständlich mit gebührend Abstand dazwischen.

Die Zahl der Corona-Fälle im Eifelkreis steigt in dieser Woche nicht mehr ganz so schnell wie in den Wochen zuvor – 13 auf 168; die Zahl der aktiven Fälle sinkt erstmals wieder unter 40.

Letzte Apriltage Die Schule beginnt. Zumindest für die älteren Schüler der jeweiligen Einrichtungen. Abstand halten, Maske an – und los geht’s. Das gilt für alle. Denn seit dieser Woche herrscht Maskenpflicht. Während sich der Einzelhandel über die ersten Kunden freuen darf, zwingen die weiter bestehenden Einschränkungen viele Solo-Selbstständige wie Künstler oder die Betreiber von Massage- und Nagelstudios in die Knie. In Stadtkyll protestiert ein Busunternehmer mit leeren Koffern und macht auf die Einbußen aufmerksam, wie sehr die Reisebranche leidet. „Wer reisen liebt, der verschiebt“ steht in Bitburg an einem Reisebüro. Doch noch ist nicht klar, wann man überhaupt wieder irgendwo in einem Hotel oder Gasthof als Tourist übernachten darf. Das ändert sich im Mai – zumindest, was das Reisen innerhalb Deutschlands angeht.

172 Corona-Fälle zählt das Kreisgesundheitsamt am 30. April; davon sind 139 genesen, drei gestorben. Die Zahl der aktiven Fälle ist mit 30 so niedrig wie zuletzt Mitte März. Da hatte das Virus gerade die Eifel erreicht.