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Corona in der Eifel: Warum nicht alle Schüler täglich getestet werden

Coronavirus : Nicht alle Eifel-Schüler werden täglich getestet - Auswirkungen reichen über Schulen hinaus

Ein wesentliches Instrument im Kampf gegen die Pandemie sind neben einer Impfung auch die Corona-Tests. Wenn man denn einen kriegen kann. Das gilt auch in besonders sensiblen Einrichtungen.

Neue Dynamik in der Corona-Pandemie: Während die Delta-Variante weiter dominiert und sich Omikron zur Ablösung bereit zu machen scheint, haben Bund und Länder neue, strengere und nicht immer unumstrittene Regeln verhängt.

Eine Konsequenz: Um einen Blick auf die Entwicklung bei den Infektionen zu erhalten, müssen mehr Menschen häufiger, oft täglich, getestet werden – ganz abgesehen davon, dass auch „2Gplus“ den Bedarf an Tests noch einmal deutlich erhöht hat.

Nur: Es sind kaum noch welche zu erhalten. Wenn eine Lieferung einen Laden erreicht, ist schnell alles verkauft. Das gilt auch in den Apotheken: Wann die nächste Bestellung eintreffe, sagt der Prümer Pharmazeut Ulrich Keller am Montag, könne er nicht definitiv sagen. Und, es gibt ja immer Gewinner, die Preise seien angezogen: Vor Wochen, sagt er, seien einem die Tests „für 80 Cent nachgeworfen worden“. Aktuell stehe der Preis bei fünf Euro. Pro Stück.

Corona-Test an Schulen: Auch in der Eifel nicht für jeden

Gilt diese Verknappung überall? Auch dort, wo täglich viele zusammensitzen und –arbeiten, wo sie lernen, wo sich um kranke und alte Menschen gekümmert wird? Ein Vater sprach uns darauf an, dass zum Beispiel in den Schulen längst nicht jedes Kind jeden Tag getestet werde.

Anruf im Vinzenz-von-Paul-Gymnasium Niederprüm: Schulleiter Andreas Ostermann bestätigt, dass dort tatsächlich nur ungeimpfte Kinder und Jugendliche getestet werden. So verlangt es die Verordnung des Landes, die seit Montag greift. Schüler, die geimpft sind oder die Erkrankung hinter sich haben, sollen also nicht getestet werden. „Als sinnvoll empfinde ich das nicht“, sagt Ostermann.

Aber so müssen es alle Schulen halten, siehe Verordnung. Dabei seien doch die Tests, sagt Albrecht Petri, Direktor des Regino-Gymnasiums, „die einzige Möglicheit, überhaupt einen Überblick zu bekommen“.

Nur dürfen sie offiziell eben nicht alle Schützlinge testen. Und das, sagt Regino-Schulelternsprecher Jürgen Schalz, „finde ich falsch. Das hat keinen Sinn bei all den Impfdurchbrüchen, die wir im Moment haben“. Und zumindest die Eltern, mit denen er bisher in Kontakt gewesen sei deswegen, sähen es ganz genauso.

 Mangelware: Die Corona-Schnelltests, mit denen man sich auf eine Ansteckung überprüfen kann.
Mangelware: Die Corona-Schnelltests, mit denen man sich auf eine Ansteckung überprüfen kann. Foto: Fritz-Peter Linden

Anlassbezogene Corona-Tests

Eine Ausnahme sind sogenannte anlassbezogene Tests: Sobald in einer Lerngruppe ein positives Ergebnis vorliegt, sagt Ulrich Gerecke, Pressesprecher des Bildungsministeriums, werde an fünf Tagen hintereinander getestet – und das sei dann auch bei Geimpften und Genesenen möglich, deren Eltern dazu ihr Einverständnis geben müssen.

Einen solchen Anlass, sagt Ostermann in Niederprüm, gebe es zwar aktuell an seiner Schule nicht. „Aber das kann sich ja jeden Tag ändern.“

Stand der Infektionen an den Schulen: Zum Ende der vergangenen Woche waren dort in Rheinland-Pfalz mehr als 6000 Kinder und Jugendliche infiziert, hinzu kamen mehr als 400 Lehrerinnen und Lehrer.

An Schulen gilt 2Gplus - deshalb wird weniger getestet

Ulrich Gerecke verweist auf eine Besonderheit an den Schulen: „Grundsätzlich gilt aktuell in Rheinland-Pfalz die 2Gplus-Regelung im Innenbereich nur dort, wo keine Masken getragen werden, also beispielsweise in Restaurants. In unseren Schulen herrscht dagegen durchgängig Maskenpflicht, zusätzlich zu allen unseren weiteren bewährten Hygieneregeln. Deshalb werden geimpfte und genesene Schülerinnen nicht getestet.“ Und nein, die Regelung habe nichts mit eventuellen Engpässen bei der Testbeschaffung zu tun, wie manche vermuteten.

Häufigere Corona-Tests an Krankenhäusern - Nachschub in Prüm funktioniert

Wieder anders als an den Schulen ist die Regelung in den Krankenhäusern: Dort werden, ebenfalls verordnungsgemäß, Geimpfte und Genesene immerhin zwei Mal pro Woche getestet. Und die Ungeimpften täglich. Das gelte für die – sehr wenigen ungeimpften von 350 – Beschäftigten, sagt der Geschäftsführer des St.-Joseph-Krankenhauses Prüm, Michael Thurm.

Und, immerhin: Die Prümer haben keine Nachschubprobleme bisher, man habe frühzeitig „eine große Menge an Tests bestellt. Und die wurden uns auch geliefert.“

Und bei den Besuchern? Das Prümer Krankenhaus hat eine Sperre verhängt, nur in Ausnahmen dürfen Angehörige von Patienten ins Haus. Grundsätzlich aber gelte, dass jeder einen negativen Schnelltest vorweisen müsse. Sollte das jemandem einmal nicht möglich sein, „dann wird er natürlich von uns abgestrichen“, sagt Thurm.

Seniorenheime in der Eifel erklären, wie getestet wird

Besucher: ein Thema auch bei den Seniorenheimen in Prüm, Daun und Kelberg, die von der Gesellschaft der Katharinenschwestern betrieben werden. Da halte man es wie die Krankenhäuser, sagt Geschäftsführer Michael Förster. Wer ins Haus wolle, benötige einen negativ ausgefallenen Schnelltest. Die Bewohner seien sämtlich geimpft, man teste sie einmal pro Woche, „damit wir da nichts übersehen“. Die nur noch vereinzelt ungeimpften (von mehr als 200 insgesamt) Beschäftigten werden täglich getestet, alle anderen zwei bis dreimal die Woche.

Haben die Seniorenhäuser genügend Tests vorhanden? Försters Antwort: „Ja. Wir haben verlässliche Lieferanten. Und natürlich selber ein bisschen Vorrat einbehalten. Ob das aber Mitte Januar noch so ist, kann ich nicht sagen.“

Sorgen im Seniorenheim wegen zu wenig Tests an Schulen

Förster blickt aber ebenfalls nicht unbesorgt auf die Lage an den Schulen: Dass dort nicht ähnlich intensiv getestet werden dürfe, hält er „für schwierig. Und ein bisschen sorglos.“

Und dass das alles miteinander zusammenhängt, kann Förster belegen: So seien in den vergangenen Wochen zwei Mitarbeiterinnen ausgefallen. Weil sich deren Nachwuchs in der Schule oder im Kindergarten angesteckt habe.

Die Lage bleibt kritisch und schwer zu überblicken. Und alle Gesprächspartner weisen darauf hin, dass auch geimpfte Menschen Corona-Überträger sein können. Selbst wenn sie vor schweren Krankheitsverläufen besser geschützt seien als Menschen ohne Impfung.

Die Bundesschülerkonferenz hat bereits im Frühjahr eine Testpflicht an Schulen gefordert, mindestens drei Mal pro Woche. Ziel müsse „langfristig eine Testung an jedem Präsenztag“ sein.  Dieser Forderung hat die Schülervertretung vergangene Woche angesichts der aktuellen Entwicklung erneuert. Das gelte auch bei geimpften und genesenen Schülerinnen und Schülern.

Mehr dazu unter www.bundesschuelerkonferenz.com

Einen Blick auf den Stand der Infektionen an den rheinland-pfälzischen Schulen erhält man auf der Website der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion. Adresse: add.rlp.de – dort unter „Themen“ das Feld „Schule“ aufklappen, dann rechts zu „Corona - Schulen“ gehen und die betreffende Unterseite anklicken.